Qualzucht Zuchtverbot für Englische Bulldoggen droht

Sie sind süß, gelten als lieb und etwas stur: Englische Bulldoggen sind nicht nur in Großbritannien eine beliebte Hunderasse. Doch das Aussehen, das dem Menschen so gut gefällt, beschert den Tieren ernsthafte gesundheitliche Probleme. Ein Forschungsteam hat sich diese genau angesehen und sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Bulldoggen-Zucht. Wenn sich die Rassestandards nicht ändern, könnte die Zucht in Großbritannien verboten werden, warnen die Veterinärmedizinerinnen und -mediziner.

Eine englische Bulldogge
Durch die kurze Schnauze bekommt die Englische Bulldogge schlechter Luft als Rassen mit langer Schnauze. Bildrechte: dpa

Das Aussehen der Englischen Bulldoggen muss sich dringend ändern, fordert ein Forschungsteam vom Royal Veterinary College aus Hertfordshire in England. Denn die körperlichen Merkmale, die als Rassestandard gelten und auf die diese Tiere hin gezüchtet werden, sorgen für zu große gesundheitliche Probleme. In einer aktuellen Untersuchung haben die Veterinärmedizinerinnen und -mediziner dargelegt, dass die Rasse deutlich weniger gesund ist als andere Hunderassen. Grund dafür seien demnach die Rasse-Standards wie die verkürzte Schnauze, die Hautfalten und der gedrungene Körper.

Hohes Risiko für Atem-, Augen- und Hauterkrankungen

Das Forschungsteam berichtet in der Studie im Fachmagazin Canine Medicine and Genetics davon, dass die Englische Bulldogge einem erhöhten Risiko für Atem-, Augen- und Hauterkrankungen ausgesetzt ist und plädieren deshalb dafür, die Rassestandards neu zu definieren, damit die körperlichen Merkmale "moderater" werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Zucht der Hunde auch in Großbritannien verboten wird. In anderen Ländern wie etwa in Norwegen oder den Niederlanden ist die Zucht bereits verboten oder nur mit weniger extremen Standards als im Herkunftsland der Rasse erlaubt.

Englische Bulldogge
Der kurze Schädel macht Englischen Bulldoggen das Atmen schwer. Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Die Englische Bulldogge war ursprünglich ein sportlicher, muskulöser und athletischer Hund, der für den Stierkampf gezüchtet wurde. Doch im Laufe der Jahre ist er zu einem Show- und Begleithund geworden. Die Zucht änderte sich hin zu einem kurzen Schädel, dem typischen hervorstehenden Kiefer, Hautfalten und dem schweren Körperbau.

Im Vergleich ziemlich krank

Das Forschungsteam hat mit Hilfe von Daten aus der Datenbank "VetCompass" das Risiko häufiger Erkrankungen bei den Bulldoggen im Vergleich zu anderen Hunderassen verglichen. Die Datenbank enthält Aufzeichnungen von Tierarztpraxen in ganz Großbritannien. Sie analysierten eine Zufallsstichprobe von 2.662 Englischen Bulldoggen und 22.039 Hunden anderer Rassen. Das Ergebnis: Englische Bulldoggen sind demnach doppelt so häufig mit mindestens einer Krankheit diagnostiziert worden als andere Hunde. Die Rasse zeige Prädispositionen für 24 von 43 (55,8 %) spezifischen Erkrankungen.

Angesichts der anhaltenden Popularität der Rasse sollte die Körperform der typischen Englischen Bulldoggen als Haustiere in Richtung moderaterer körperlicher Eigenschaften neu definiert werden.

Dan O’Neill, Royal Veterinary College

Der Analyse zufolge haben sie ein 38,12-mal höheres Risiko, Hautfalten-Dermatitis zu entwickeln als andere Hunde. Und auch bei den Augen sieht es schlecht aus: Das Risiko eine Augenerkrankung zu entwickeln, die als Nickhautdrüsenvorfall (auch „cherry eye“ genannt) bezeichnet wird, sei 26,79-mal höher als bei anderen Hunden. Bei einem Nickhautdrüsenvorfall steht das dritte Augenlid des Hundes als eine Art rote geschwollene Masse im unteren Auge hervor. Außerdem haben die Tiere auch noch ein 24,32-mal höheres Risiko für Unterkieferprognathie – bei der der Unterkiefer im Vergleich zum Oberkiefer zu lang ist – und ein 19,20-mal höheres Risiko für ein brachyzephalisches obstruktives Atemwegssyndrom. Letzteres kann zu schweren Atemproblemen bis hin zu Atemnot führen.

Englische Bulldogge
Sehr süß, aber auch sehr krank: Englische Bulldoggen-Welpen haben kein langes Leben vor sich. Bildrechte: IMAGO / Addictive Stock

Nur bei Zahnerkrankungen, Herzgeräuschen und Flohbefall hatten die Englischen Bulldoggen in der Untersuchung ein geringeres Risiko als andere Hunderassen.

Geringe Lebenserwartung

Doch die Tiere in der Untersuchung haben nicht nur ein erhöhtes Krankheits-Risiko, sondern sie sind auch jünger gewesen. Nur 9,7 Prozent der Englischen Bulldoggen seien demnach älter als acht Jahre gewesen. Bei den anderen Hunderassen habe die Quote bei etwas mehr als einem Viertel gelegen. Das spreche dafür, dass Englische Bulldoggen aufgrund ihrer schlechteren allgemeinen Gesundheit weniger lange leben, so das Forschungsteam.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die allgemeine Gesundheit der Englischen Bulldogge viel schlechter ist als die anderer Hunde.

Dan O’Neill, Royal Veterinary College

Der leitende Studienautor Dan O’Neill bilanziert deshalb, dass Englische Bulldoggen eine viel schlechtere Gesundheit hätten als andere Hunderassen. Am meisten besorge ihn bei all den Gesundheitsproblemen der Tiere jedoch, dass Hautfaltendermatitis und Atemprobleme direkt mit dem extremen Körperbau zusammenhängen, auf den selektiv gezüchtet werde. Deshalb könnten andere Zuchtstandards schnell dafür sorgen, dass die Tiere künftig gesünder leben können. Das Team bietet deshalb an, anhand weiterer Forschungen passende Merkmale zu identifizieren.

Gegenentwurf Continental Bulldog

Eine Bulldogge am Strand.
Mehr Schnauze, athletischerer Körperbau: Die Continental Bulldog. Bildrechte: IMAGO / Ardea

Die gesundheitlichen Probleme der Englischen Bulldogge sind Freunden der Rasse natürlich nicht neu. Deshalb gab es bereits in der Vergangenheit Bemühungen, die Zuchtstandards zu verändern. So versuchte eine Schweizer Züchterin im Jahr 2001 eine mittelgroße Bulldogge zu züchten, die alle vom Tierschutz geforderten Voraussetzungen an einen gesunden Hund erfüllen sollte. Doch sie stieß damit schnell auf Widerstand, da der standardgebende Zuchtverband in England eine Rückkreuzung der Englischen Bulldogge ablehnte. Das Zuchtprogramm war trotzdem ein Erfolg: Die Tiere waren deutlich gesünder als ihre Verwandten. Diese Hunde haben einen athletischeren Körperbau und einen weniger gedrungenen Schädel, der sie freier atmen lässt. Die neue Rasse heißt Continental Bulldog und ist seit März 2022 vom Zucht-Dachverband FCI provisorisch anerkannt.

(kie)

Gert Haucke mit seinen Hunden. 29 min
Bildrechte: imago/teutopress
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