Zur Ruhe kommen Klappt auch bei Kindern: Besserer Schlaf durch Achtsamkeitstraining

Wer Sorgen hat und unter Stress steht, schläft schlecht. Das geht Kindern genauso wie Erwachsenen. Eine Studie zeigt nun, dass ein gezieltes Achtsamkeitstraining auch den Jüngsten hilft, den Tag hinter sich zu lassen und zur Ruhe zu finden.

Schlafender Schüler
Ausgeschlafen funktioniert die Schule besser. Denn Schlafmangel wirkt sich auch auf das Gehirn aus, wie bereits frühere Studien zeigten. Bildrechte: Colourbox.de

Kinder, die in Familien mit Existenzsorgen und in Wohngebieten mit hoher Kriminalität aufwachsen, kommen abends oft schwer zur Ruhe. Auf Dauer gefährdet das ihre Gesundheit und ihren Lernerfolg. Wissenschaftler der Stanford University School of Medicine/USA haben jetzt herausgefunden, dass ein gezieltes Achtsamkeitstraining auch den Jüngsten helfen kann, schneller in einen erholsamen Schlaf zu finden und damit auch eine längere Erholungsphase haben.

Dazu wählten sie 1.000 Kinder der dritten und fünften Klassen aus zwei einkommensschwachen, hauptsächlich hispanischen Gemeinden mit hoher Gewaltrate in der San Francisco Bay Area aus. Die Kinder der einen Gemeinde erhielten in der Schule das Achtsamkeitstraining "Pure Power Curriculum", das ihnen helfen sollte, sich zu entspannen und hinter sich zu lassen, was sie erlebt hatten. Dafür lernten sie, ihre Aufmerksamkeit auf die Gegenwart zu lenken, bewusst, langsam und tief zu atmen. Auch Yoga-Elemente wurden trainiert.

Der Achtsamkeitsunterricht fand zwei Jahre lang jeweils zweimal pro Woche statt. Dabei lernten die Kinder auch, was Stress ist, wie er entsteht und wie man ihn mit den erlernten Techniken reduzieren kann. Ein gezieltes Schlaftraining gehörte jedoch nicht dazu. Die Kinder der zweiten Gemeinde erhielten das Training nicht und bildeten somit die Kontrollgruppe. Mit einer sogenannten Polysomnographie wurden die Teilnehmer beider Gruppen überwacht. Ihre Gehirnaktivität wurde mit einem EEG (Elektroenzephalogramm) aufgezeichnet, die Atem- und Herzfrequenz sowie die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen.

Eine Stunde Schlaf pro Nacht mehr

Das Ergebnis der Studie: Die Kinder, die am Achtsamkeitstraining teilnahmen, schliefen durchschnittlich 74 Minuten mehr als vor dieser Maßnahme. Das sei eine erhebliche Veränderung, schätzt Ruth O´Hara, Schlafexpertin und Professorin für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften in Stanford die Ergebnisse ein. Davon entfielen ca. 30 Minuten auf den REM-Schlaf (Rapid-Eye-Movement-Schlaf), also die Schlafphase in der wir träumen, in der Erinnerungen gefestigt werden und in der wir uns besonders gut erholen. Der REM-Schlaf sei wichtig für die neuronale Entwicklung und die Ausbildung kognitiver und emotionaler Funktionen, so die Studienleiterin.

Die Forscher gehen davon aus, dass den Kindern das Achtsamkeitstraining half, Stress abzubauen und damit schneller in einen erholsamen Schlaf zu finden. Sie stellten die Hypothese auf, dass Kinder durch Stressabbau eine Verbesserung des Schlafes erfahren könnten. Außerdem vermuten sie, dass die Atemarbeit die Aktivität des parasympathischen Nervensystems erhöht. Dieses ist wesentlich daran beteiligt, dass unser Stoffwechsel funktioniert und wir uns gut erholen können. Um genaueres darüber zu erfahren, planen die Wissenschaftler weitere Studien.

Ältere Kinder schlafen weniger

Während die Kinder durch das Achtsamkeitstraining mehr Schlaf bekamen, wurde es bei den Schülern der anderen Gemeinde um durchschnittlich 63 Minuten weniger. Christina Chick, die als Postdoktorandin für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Studie beteiligt war, verwundert das nicht. Ältere Kinder blieben länger auf, um Hausaufgaben zu machen, mit Freunden zu telefonieren oder Nachrichten zu schreiben. Außerdem spielten hormonelle Veränderungen und die Reifung des Gehirns eine Rolle. Insofern würde das Achtsamkeitstraining nicht nur den Schlaf verbessern und verlängern, sondern den entwicklungsbedingten Schlafverlust auch verhindern. Immerhin seien neun Stunden Nachtruhe nötig, um gesund heranzuwachsen, so die Wissenschaftler. Ihre Studie ist am 6. Juli 2021 im Journal of Clinical Sleep Medicine erschienen.

krm

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