Chronobiologie Das letzte Mal die Zeit umstellen?

Sommer- oder Winterzeit? Die Frage zum Thema Zeitumstellung wurde 2018 heiß diskutiert. Für beides gibt es Argumente, die dafür, aber auch dagegen sprechen.

Symbolbild - Zeitumstellung - Zeigeruhr auf buntem Herbstlaub
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Die Zeitumstellung soll abgeschafft werden. Doch was kommt dann: Sommer- oder Winterzeit? Wie man es macht, für einige Länder hat es Vorteile, für andere eher Nachteile. Europaweit einheitliche Zeitzonen könnten, je nachdem, wo man lebt, sogar auf Kosten der Gesundheit gehen.

Wenn man europaweit eine einheitliche Zeitzone haben will, dann sollte es aus Rücksicht auf Länder wie Ungarn oder Polen die Sommerzeit sein. Das wäre aber unter gesundheitlichen Aspekten für uns in Deutschland ein Nachteil. Deshalb sind gleiche Zeitzonen eigentlich nicht sinnvoll.

Dr. Steffen Schädlich, Schlafmediziner

Und eine Stunde Zeitunterschied ist eigentlich kein Problem. Bisher gibt es in der EU geografisch bedingt bereits drei Zeitzonen- zwischen Portugal und Russland liegen zwei Stunden Unterschied. Damit hat man sich seit vielen Jahren arrangiert.

Was wäre, wenn wir ganzjährig Sommerzeit hätten?

Auf jeden Fall bräuchten wir morgens alle mehr Kaffee! Und die Morgenmuffel unter uns hätten wahrscheinlich noch schlechtere Laune. Denn die Crux an der Geschichte: Zwar wäre es ganzjährig abends eine Stunde länger hell, gleichzeitig würde das aber auch bedeuten, dass es früh noch eine Stunde länger dunkel ist. Und damit würde vielen von uns das Aufstehen noch schwerer fallen. Wäre das ganze Jahr über Sommerzeit, würde zum Beispiel im Dezember die Sonne in Leipzig erst nach 9 Uhr aufgehen. Zur Winterzeit wäre es bereits kurz nach 8 Uhr soweit. Außerdem entspricht die sogenannte Winterzeit eher unserem biologischen Rhythmus.

Mich stört der Begriff 'Winterzeit'. Wir reden eigentlich von der "Normalzeit" und die wäre, wie der Name schon sagt, für uns gesundheitlich am besten, weil sie einfach unserer normalen Zeit entspricht.

Dr. Steffen Schädlich

Die Erklärung ist einfach: Abends zum Schlafengehen sollte es dunkel und morgens zum Aufwachen hell sein, denn Dunkelheit macht müde, helles Licht munter. Verantwortlich dafür sind Sinneszellen in unseren Augen. Sie entscheiden, ob Schlaf- oder Aufwach-Hormone im Körper produziert werden.  

Dr. Steffen Schädlich, Leiter der Spezialambulanz für Schlafmedizin am Krankenhaus Martha Maria in Halle/Saale betreut täglich Patienten mit Schlafproblemen. Für ihn gibt es noch einen weiteren Grund, warum wir mit Einführung der Sommerzeit schlechter aus den Federn kommen: Wir schlafen zu wenig.

Wenn es im Sommer abends länger hell ist, fällt es schwer, eher ins Bett zu gehen. Der Wecker klingelt früh aber trotzdem. Dann schlafen wir zu kurz und der REM-Schlaf am Morgen fehlt. Zu der Zeit ist der Traumschlaf am intensivsten, ihn brauchen wir dringend, um Dinge vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis abzuspeichern und psychisch gesund zu bleiben.

Dr. Steffen Schädlich

Ein weiterer Vorteil, wenn wir uns in Deutschland für die Winterzeit, also die Normalzeit entscheiden: Dann gehen auch die Sonnenuhren wieder richtig.

Sonnenuhr
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Dienstags direkt | 23. Oktober 2018 | 20:00 Uhr