Paarpsychologie Glückliche Beziehung, guter Sex: Alles eine Frage der "Liebessprache"

Wenn's im Liebesleben hakt, liegt das möglicherweise daran, dass die Beziehung ein böhmisches Dorf ist. Oder ein spanisches. Die Liebessprache der Partnerin oder des Partners zu sprechen und zu verstehen könnte helfen. Empathie ist hingegen wohl nicht so wichtig, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Älteres Paar mit Lebkuchenherz, das sich vergnügte auf dem Jahrmarkt küsst. Aufschrift auf Herz: Ich liebe Dich. Frau streckt Herz Richtung Kamera, dadurch Tiefenunschärfe im Vordergrund.
Geschenk, Worte, Küsschen: Alles Amtssprachen der Liebe! Bildrechte: imago/Westend61

Offiziell eine gemeinsame Sprache zu sprechen, reicht für gewöhnlich nicht. Das wissen Eltern, die sich mit ihren pubertären Zöglingen unterhalten, das wissen Bürgerinnen und Bürger, die beim Bauamt vorsprechen, das wissen in diesen Tagen alle, die vor der Steuererklärung sitzen. Und Liebespaare wissen das auch. Mit dem Unterschied, dass es der Steuererklärung herzlich egal ist, ob sie gemocht wird oder nicht – diese Grundfrage in einer romantischen Beziehung aber nicht ganz unerheblich bleibt.

Soll heißen: Nicht nur eine gemeinsame Sprache für verbale Kommunikation, sondern auch eine gemeinsame Sprache der Liebe zu sprechen, könnte für den Erfolg einer Partnerschaft von Vorteil sein. Lass es lieber gleich fünf Sprachen sein, hat sich der US-amerikanische Paartherapeut Gary Chapman gedacht und definierte Anfang der Neunziger die fünf Sprachen der Liebe, mit folgender Grammatik:

  • Worte der Bestätigung und Anerkennung: Wer diese Liebessprache spricht, drückt Zuneigung durch Lob aus, vielleicht auch ohne es zu merken.
  • Hilfsbereitschaft und Diensthandlungen: Hilfeleistungen sind für Menschen mit dieser Liebessprache ein Ausdruck der Zuneigung.
  • Körperliche Berührungen: Zärtlichkeit und Nähe als Zeichen der Liebe stehen über der gesprochenen Sprache.
  • Schenken: Klingt materiell, ist aber ein Ausdruck von Wertschätzung. Nicht der Gegenwert in Geld, sondern die Geste und Idee des Geschenks sind das Zeichen der Zuneigung
  • Exklusive Zweisamkeit: Hat was von Schenken, hier geht es aber um Zeit für fokussierte, aufmerksame Zweisamkeit als Zeichen der Anerkennung.

Irgendwie, so die Idee des Ganzen, hat wohl jeder eine Muttersprache der Liebe. Toll, wenn beide Liebenden die gleiche Sprache sprechen. Tun aber halt nicht alle. Doch wie das mit Sprachen eben so ist, müssen die Fertigkeiten des Sprechens und Verstehens nicht gleichermaßen ausgeprägt vorhanden sein: Gut ist es, die Sprache der Partnerin oder des Partners zumindest zu verstehen. Und idealerweise auch deren oder dessen Muttersprache etwas zu lernen, so dass bei Bedarf in mehreren Liebessprachen kommuniziert werden kann.

Liebessprachen: Populäre Idee, wenig erforscht

Soweit ist Chapmans Konzept recht schlüssig – und vielleicht ist auch das der Grund, warum bisher verhältnismäßig wenig an dessen Mechanismen geforscht wurde. Olha Mostova von der Universität Warschau wollte es jetzt aber doch genauer wissen, denn möglicherweise ist es am Ende ja völlig unerheblich, welche Liebessprache wir sprechen. Hauptsache die Pheromone stimmen, und so.

Der Geruch der Partnerin oder des Partners sorgt aber nach der ersten Verliebtheitsphase nicht zwangsläufig für eine funktionierende Beziehung („Okay, Darling, ich mach noch die Wäsche, bring den Müll raus und am Wochenende fahren wir an die Küste, nur wir zwei, denn du riechst so gut.“). Um zu verstehen, wie Liebessprachen funktionieren, hat das Team um Olha Mostova insgesamt einhundert heterosexuelle Paare untersucht. Die Teilnehmenden waren zwischen 17 und 58 Jahre alt und zwischen einem halben Jahr und 24 Jahre zusammen. Die Probandinnen und Probanden mussten bewerten, welche Liebessprache sie vorzugsweise verwendeten, um ihre Liebe auszudrücken. Und welche von der Partnerin oder dem Partner verwendet wird, um ihnen das Gefühl zu geben, geliebt zu werden.

Fremdsprachenkenntnisse machen froh

Mit diesen Daten konnten die Forschenden auswerten, wo Gegensätze aufeinander prallten, wie zufrieden Paare in ihrer Beziehung sind, wie erfüllt das Sexleben ist und welche Empathie die Teilnehmenden an den Tag legen. Gezeigt hat sich: Männer wie auch Frauen finden es gut, wenn die Partnerin oder der Partner die eigene Liebessprache zu sprechen weiß. Das zeige sich sowohl im Beziehungs- als auch im Sexleben. Gleichzeitig mache es die Liebenden offenbar zufriedener, die bevorzugte Sprache des Partners oder der Partnerin zu verwenden.

Junger Mann in T-Shirt mit kurzen schwarzen Haaren (Rücken zum Bild) überreicht seiner lächelnden Freundin mit schwarzen schulterlangen Haaren im gestreifen geknöpften Oberteil ein eingepacktes Geschenk, während sie zusammen an einem Tisch in einem Café sitzen.
Wer wird denn Geschenke als materiell abtun! Was für Sprechende der Geschenkesprache zählt sind die Idee, Geste und Kreativität des Geschenks. Bildrechte: imago images/mavoimages

Ganz offensichtlich ist das aber tatsächlich eher mit schlichten Sprachkenntnissen als mit Einfühlungsvermögen verbunden. Die Forschenden konnten zwar zeigen, dass Empathie in den Beziehungserfahrungen von Männern eine kleine Rolle spielte – bei Frauen jedoch nicht. Alles in allem sehen sie ihre Annahmen nicht bestätigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Empathievermögen und dem Sprechen und Verstehen einer gemeinsamen Liebessprache gibt. Und auch keinen zwischen Empathie und gutem Sex.

Sprachen kann man lernen

Auch wenn sich vermuten lässt, dass Liebessprachen universell sind, muss die Studie mit der Einschränkung leben, nur heterosexuelle Paare auf dem Tableau zu haben. Wissenschaftliche Folgeuntersuchungen könnten zeigen, ob die Ergebnisse auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften zutreffend sind. Weiterhin gibt es in der Studie keine Aussagen, welche Rolle Liebessprachen im Beziehungsleben polyamouröser Menschen einnehmen. Außerdem sollte untersucht werden, so die Forschenden, ob eine Übereinstimmung der gleichen Liebessprache tatsächlich automatisch zu mehr Zufriedenheit führt.

Fakt ist allerdings jetzt schon: Wenn’s in der Liebelei hakt, könnte es helfen, ein Wörterbuch zu Rate zu ziehen und am Sprachverständnis zu schrauben. Diese Erkenntnis gilt auch für die professionelle Paartherapie. Und dann ist’s wohl wie mit Spanisch und Altgriechisch, mit Teenage- und Steuerdeutsch: Kann man alles lernen. Geht immerhin um ein gutes Miteinander. Und guten Sex.

flo

Links/Studien

Die Studie I love the way you love me: Responding to partner’s love language preferences boosts satisfaction in romantic heterosexual couples. erschien am 22. Juni 2022 in PLoS ONE.

DOI: 10.1371/journal.pone.0269429

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