Leberentzündung Gehäufte Hepatitis-Fälle bei Kindern – RKI sieht auch einen Fall in Deutschland

Seit dem Jahresbeginn haben Mediziner in mehreren Ländern schwere Leberentzündungen (Hepatitis) bei über 100 Kindern festgestellt. Das RKi hat jetzt auch einen Verdachtsfall in Deutschland ermittelt.

Kind auf einer Intensivstation
Kind auf einer Intensivstation (Symbolfoto): In Großbritannien wurden eine Reihe von Kindern wegen Hepatitis-Erkrankungen in Kliniken behandelt. Bildrechte: Colourbox.de

Nach einer Reihe von mysteriösen Hepatitisinfektionen bei Kindern im Verinigten Königreich, den USA und Spanien hat nun auch das Robert Koch-Institut in Deutschland ein erstes, in diesem Jahr an Hepatitis erkranktes Kind gemeldet. Laut dem RKI habe sich der nicht näher beschriebene Fall bereits im Januar ereignet. Zu der Meldung kam es, nachdem Deutschlands oberste Seuchenschutzbehörde Anfang April die Fachgesellschaften aufgefordert hatte, nach Fällen Ausschau zu halten, die der Beschreibung der Weltgesundheitsorganisation WHO entsprechen.

Eine Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, oft – aber nicht immer – verursacht durch Hepatitis-Viren. Diese Viren vom Typ Hepatitis A bis E spielen bei den aktuellen Fällen wahrscheinlich keine Rolle. Im Vereinigten Königreich seit Jahresbeginn insgesamt 81 Kinder an Hepatitis erkrankt, einige davon so schwer, dass sie in Krankenhäusern behandelt werden müssen und nun eine Lebertransplantation benötigen. Die Zahl der Fälle liegt weit über der üblichen Menge von Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beobachtet den Ausbruch daher.

Fälle in Spanien, USA und Israel

Auch aus Spanien wurden drei Fälle gemeldet, ebeso aus dem US-Bundesstaat Alabama, wo es laut einem Bericht von Science neun bestätigte Fälle geben soll. In Israel berichtete das Gesundheitsministerium von insgesamt zwölf Fällen in den vergangenen Monaten von akuter Hepatitis bei Kindern ohne erkennbaren Grund, die in zwei Krankenhäuser eingewiesen worden waren. Die Fälle würden untersucht. In Israel werden Kinder standardmäßig gegen Hepatitis A und B geimpft.

Die meisten betroffenen Kinder sind zwischen zwei und fünf Jahren alt. Alle Erkrankungen ereigneten sich seit Jahresbeginn. Die Häufung solcher Fälle gilt als extrem ungewöhnlich. Allein zwischen Februar und März seien in den meisten Regionen so viele Fälle schwerer Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern aufgetreten, wie sonst in einem ganzen Jahr.

Infektion mit Adenoviren mögliche Ursache

In Europa melden Behörden Verdachtsfälle aus Dänemark, Irland und den Niederlanden. Die britischen und US-amerikanischen Ärzte sehen derzeit vor allem eine Infektion mit Adenoviren als mögliche Ursache. Diese Viren verursachen sonst eigentlich vor allem leichte Erkältungen (und wurden während der Pandemie bekannt, weil die Impfstoffhersteller Astrazeneca und Johnson & Johnson genetisch veränderte Adenoviren als Träger ihrer Impfstoffe nutzten).

Bei insgesamt 74 der betroffenen Kinder konnten solche Adenoviren inzwischen nachgewiesen werden. Bei den besonders schweren Fällen tauchte einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung zufolge aufällig oft der Adenovirus-Typ 41F auf. Eine Leberentzündung gehört eigentlich nicht zu den Folgen einer Adenovirus-Infektion, das Virus könnte aber möglicherweise ein Kofaktor sein, also eine von mehreren Ursachen. Eine andere Theorie ist, dass die Kinder in einem für sie ungünstigen Alter mit dem Erreger konfrontiert worden sind, weil die Lockdowns der vergangenen Jahren die sonst üblichen früheren Kontakte verhindert hat.

Auch eine Infektion mit Sars-CoV-2 wird als mögliche Ursache in Betracht gezogen. Eine Coronaimpfung wiederum schließt die Weltgesundheitsorganisation WHO als Ursache aus. Die Mehrheit der Kinder sei nicht gegen Covid-19 geimpft worden, teilte die WHO mit.

Anzeichen für Hepatitis: Gelbsucht und Erbrechen

Die in Großbritannien beschriebenen Symptome sind laut einem Bericht der UK Health Security Agency vor allem Gelbsucht (74,1 Prozent), Erbrechen (72,8 Prozent), blasser Stuhlgang (58,0 Prozent) sowie Durchfall (49,4 Prozent) und Übelkeit (39,5 Prozent). Zudem waren 55,6 Prozent der Kinder apathisch, 29,6 Prozent bekamen Fieber und 19,8 Prozent Husten, Schnupfen und Halsschmerzen.

Alle Kinder seien zuvor vollständig gesund gewesen, heißt es in dem Bericht. Die gute Nachricht lautet zugleich, dass die meisten auch ohne medizinische Eingriffe wieder auf dem Weg der Besserung seien.

(ens)

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