Seismologie und Corona Plötzlich schwingt die Erde leiser

Weniger Verkehr, weniger Schadstoffe, blauer Himmel ohne Kondensstreifen – die Corona-Krise hat viele Auswirkungen auf die Umwelt. Und es gibt noch eine, die Forschern jetzt aufgefallen ist. Denn die Tatsache, dass Millionen Menschen zuhause festsitzen, hat offenbar einen messbaren Einfluss auf die Schwingungen der Erde: unser Planet wird ruhiger.

Eine fast leere Straße in Jakarta
Corona legt das Leben in vielen Ländern lahm - auch hier in Jakarta. Seismologen können das messen. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Die Tage jetzt erinnern Seismologen an die Weihnachtszeit. Auch dann messen sie deutlich, dass die Schwingungen der Erdkruste, die wir verursachen, nachlassen. So beschreibt es Thomas Lecocq im Magazin "nature". Dr. Lecoq ist Seismologe am Königlichen Observatorium von Belgien in Brüssel, wo er den Rückgang der Schwingungen beobachtet hat. Verkehr, Industrie – alles was wir tun, erzeugt diese Schwingungen. Jede einzelne ist vielleicht klein. Aber insgesamt ist unsere Tätigkeit für Seismologen messbar.

Und dieses seismische Hintergrundrauschen, das den Forschern sonst die Arbeit sogar erschwert, wird immer leiser. Es ist jetzt auch tagsüber so leise, wie sonst nur nachts, so Thomas Leloq gegenüber "DailyScience Brussels". "Das Hintergrundgeräusch ist so gering, dass wir Studien in Betracht ziehen können, die normalerweise nicht möglich wären."

Insgesamt gingen die Schwingungen seit dem Shut-down um 30 bis 50 Prozent zurück. Sollte das anhalten, können Detektoren in Städten auf der ganzen Welt die Orte von Erdbeben-Nachbeben möglicherweise besser als sonst erkennen, sagt Andy Frassetto, Seismologe an den Incorporated Research Institutions for Seismology in Washington DC ebenfalls in "nature". Leloq bestätigt das. Selbst Seismometer an der Oberfläche können jetzt Wellen messen, die sonst nur an 100 Meter tief vergrabenen Detektoren aufgefangen werden konnten.

Vor allem Seismometer in bewohnten Gebieten profitieren jetzt vom Shutdown – siehe Twitterlinks unter dem Absatz. Viele der Anlagen sind jedoch bewusst in abgelegenen Gebieten oder tiefen Bohrlöchern aufgestellt worden. Für diese ist der Unterschied eher gering.

Links und Dokumente

Den Bericht in "nature" finden Sie hier.
Der Artikel aus "DailyScienceBrussels" ist hier nachzulesen
Die Forscher suchen noch Seismologen, die sich an weiteren Untersuchungen beteiligen. Falls Sie das möchten, können Sie sich in diesem Dokument anmelden.

gp

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