Cannabis Kiffen während der Schwangerschaft erhöht Autismus-Risiko

Neue Daten aus Kanada zeigen: Wenn werdende Mütter während ihrer Schwangerschaft Cannabis konsumieren, haben ihre Kinder später ein höheres Risiko, an Autismus zu erkranken.

Symbolbild: Eine Schwangere raucht eine Bong.
Zum Glück nur ein gestelltes Symbolfoto: Cannabisgebrauch in der Schwangerschaft ist offenbar sehr riskant für die ungeborenen Kinder. Bildrechte: Colourbox.de

Wissenschaftler vom der Geburtsklinik im Krankenhaus der kanadischen Hauptstadt Ottawa haben Daten zu Cannabis und Schwangerschaft ausgewertet. Dabei haben sie ein potenzielles Risiko für die Babys entdeckt. Wie das Team um den Geburtsmediziner Mark Walker in der Fachzeitschrift Nature Medicine berichtet, hatten die Kinder ein signifikant höheres Risiko, an Autismus zu erkranken, wenn die Mütter während der Schwangerschaft gekifft haben.

Kinder kiffender Mütter haben ein höheres Autismus-Risiko

Grundlage der Studie sind Daten aus den Jahren 2007 bis 2012. Damals erhoben Statistiker im kanadischen Bundesstaat Ontario bei insgesamt 500.000 Geburten, ob die Mütter Drogen konsumiert hatten. Rund 3.000 von ihnen berichteten von Cannabisgebrauch, allerdings oft in Kombination mit anderen Substanzen. 13,4 Prozent hatten auch Kokain genutzt, 11,3 Prozent nahmen verschriebene Medikamente, 4,4 Prozent Methadon und 3,8 Prozent tranken neben dem Kiffen.

Die Forscher rechneten schließlich alle Kinder heraus, die vor ihrem vierten Lebensjahr gestorben waren und berechneten das Risiko an Autismus zu erkranken. Hatten die Mütter während der Schwangerschaft Cannabis genommen, entwickelten vier von 1.000 Kindern Autismus. Bei Kindern, die der Droge nicht im Mutterleib ausgesetzt waren, waren es nur 2,42 von 1.000.

Cannabis nicht sicher während Schwangerschaft und Stillzeit

Die Autoren der Studie weisen ausdrücklich darauf hin, dass ihre Daten keine Aussagen zur Ursache und Wirkung erlauben. In den Befragungen gab es keine Angaben zur konsumierten Cannabismenge, zur Häufigkeit des Konsums oder der Art der Aufnahme. Lediglich das statistisch signifikante gemeinsame Vorkommen von Konsum der Mütter und Autismus der Kinder ist hier belegt. Da Cannabis in Kanada 2018 legalisiert wurde, wollen die Mediziner die Öffentlichkeit mit ihrer Studie warnen.

Nur weil der Konsum der Droge erlaubt sei, heiße das nicht, dass er auch gefahrlos sei für schwangere oder stillende Frauen. Jüngere Statistiken zeigten allerdings, dass die Zahl der kiffenden Mütter wachse. "Das ist besorgniserregend, weil wir wenig darüber wissen, wie Cannabis schwangere Frauen und ihre Babys beeinflusst. Werdende Eltern sollten sich über die möglichen Risiken informieren, und wir hoffen, dass Studien wie die unsere hier einen Beitrag leisten", sagt Erstautor Mark Walker.

Cannabinole sind wichtige Botenstoffe im Embryo

Die Mediziner vermuten, dass Cannabis das Botenstoffsystem im Embryo stört. Der berauschende Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) passiere die Plazenta und dringe in den Kreislauf des wachsenden Kindes ein. Dort allerdings gebe es ein sensibles Endocannabinoidsystem, die für die Entwicklung des Nervensystems zentral sei. Es würde durch das THC gestört. Bereits vorangegangene Studien hatten außerdem gezeigt, dass Cannabis das Risiko einer Frühgeburt erhöht.

(ens)

Update 12.8.: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, in den Embryos gebe es ein sensibles System endogener Cannabinoider. Um Missverständnisse zu meiden, haben wir das hier durch den korrekten Fachbegriff "Endocannabinoidsystem" ersetzt.

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