Fußball | Regionalliga FC Eilenburg braucht einen Punkt und Hilfe aus Berlin

38. Spieltag

Tränen oder Ungewissheit - der letzte Spieltag in der ersten Regionalliga-Saison des FC Eilenburg wird eine Zerreißprobe für das Nervenkostüm. Alles ist möglich. In der eigenen Hand haben es die Nordsachsen nicht mehr.

Das Team des FC Eilenburg steht in einer Reihe.
FC Eilenburg: Ein eingeschworener "Haufen" Feierabend-Fußballer hofft auf ein zweites Jahr in der Regionalliga. Bildrechte: IMAGO / opokupix

Der FC Eilenburg sah im ersten Saisondrittel wie der sichere Absteiger aus. Die Elf von Nico Knaubel stand ohne Sieg und mit nur vier Punkten am Tabellenende. Mit viel Herzblut, Leidenschaft und Können wurde eine bemerkenswerte Aufholjagd gestartet, die den Aufsteiger bis auf den 16. Platz führte. Am Sonntag im Duell gegen Hertha BSC II (13 Uhr im Ticker und der Live-Konferenz) reicht ein Punkt, um diesen Platz abzusichern. Ob dieser tatsächlich zum Klassenerhalt reichen wird, hängt vom BFC Dynamo ab. Seit Samstag und der Niederlage von Viktoria Berlin steht fest, dass es vier Absteiger geben wird.

Vor 17 Jahren war es ähnlich dramatisch

Möglicherweise müssen sogar fünf Teams in der Oberliga, derr 16. Platz reicht nur zum Ligaverbleib, wenn der BFC Dynamo die Relegationsspiele gewinnt. Diese Entscheidung fällt erst am 4. Juni. Im schlimmsten Fall könnte am Sonntag auch der Abstieg feststehen. Es wird eine Zerreißprobe für das Nervenkostüm. "Für uns ist das wieder eine neue Situation", sagt Knaubel.

Wobei das nicht so ganz stimmt. 2005 brauchte der FC Eilenburg in seiner ersten Saison in der vierthöchsten Liga (damals Oberliga) im letzten Spiel noch einen Punkt. Gegner war damals Germania Halberstadt. Der FCE mit Knaubel als Abwehrchef gewann durch einen Treffer von Mario Schaaf und feierte den Klassenerhalt. Damals waren 700 Zuschauer live dabei. Eine Zahl, die aktuell utopisch ist. Um dennoch viele Fans in dem wichtigen Spiel hinter sich zu haben, lockt der FCE mit kostenlosem Eintritt.

Knaubel: Duisburg statt Eilenburg?

"Wir haben den klassischen 'Feierabendfußball' mit dem geringsten Etat aller Regionalligisten dank einer verschworenen Truppe so perfektioniert, dass wir ein Jahr lang zu den besten 25 Teams des Fußball- Ostens gehörten", sagte Präsident Steffen Tänzer im Vorfeld voller Stolz und legte nach: "Ich hoffe, wir können das nächste Saison wieder genießen."

Was Feierabend-Fußball bedeutet, wird auch vor dem Hertha-Spiel deutlich. Statt seine Mannschaft auf das Duell gegen die Berliner vorzubereiten, weilt Knaubel als Landesauswahltrainer mit der sächsischen U16 zum Länderpokal in Duisburg. Knaubel ist beim Sächsischen Fußballverband angestellt, Fußball in Eilenburg bedeutet für ihn - wie für alle bis auf den Platzwart m Verein - Hobby nach dem Job. Und das kann mitunter bitter sein. "Es wäre total schade, wenn ich bei unserem letzten Spiel nicht dabei sein. Wenn es der Spielplan ermöglicht, werde ich dabei sein"; kündigte Knaubel an.

Bartlog hofft - Bangen um Defensiv-Trio

Apropos Hoffnung. Die hat auch Christoph Bartlog. Der gebürtige Eilenburger war der Pechvogel der Saison, riss sich am 2. Spieltag das Kreuzband und kämpfte sich in den letzten Monaten zurück. Sein Ziel war es, wenigstens noch einmal auf dem Rasen zu stehen. Im Trainingsprozess ist der 30-Jährige wieder. Die Form von einst, muss noch kommen. "Ich würde Bartschi gern Einsatzminuten schenken, wenn es der Spielstand erlaubt", so Knaubel, der vor dem Duell gegen die Hertha um ein Defensiv-Trio bangt. Der Einsatz von Anton Rücker (zuletzt Corona), Raimison dos Santos (Oberschenkel) und Ricardo Michael (Knöchel) ist ungewiss. Bei Tzonantan Moutsa (10. Gelbe) ist der Fall klar und die Pause sicher.

Hertha BSC II: Auf dem Zettel der Scouts

Dabei wird es eine starke Defensive brauchen. Die Hertha-Bubis sind eine der besten Rückrunden-Mannschaften der Liga. 36 Punkte holte das Team von Trainer Ante Covic in den bislang 18 Partien der zweiten Halbserie. Die letzte Pleite setzte es Anfang März – 0:1 verlor der Bundesliganachwuchs im Hauptstadtduell bei Regionalligaprimus BFC. Seitdem sammelten die Hertha-Bubis 21 Zähler aus neun Spielen. Am letzten Wochenende wendete der 19-jährige Torjäger Scherhant mit einem Last-Minute-Treffer gegen Energie Cottbus die erste Niederlage seit mehr als zwei Monaten ab. "Der Gegner hätte den Sack deutlich früher zu machen müssen. Wir haben den Glauben aber nicht verloren und sind drangeblieben. Das war kein gutes Spiel von uns, wir freuen uns aber, dass wir unsere Serie ausgebaut haben“, urteilte Trainer Ante Covic nach dem Spiel.

Ex-Torjäger Marschall in seiner alten Heimat

Auf den Zettel einiger Scouts haben es Spieler der Hertha schon geschafft. Die Topscorer Timur Gayret (14 Tore/10 Vorlagen) und Derry Scherhant (14 Tore/8 Vorlagen) dürften nicht nur einen Verehrer haben. Am Sonntag werden sie unter anderem von Timo Röttger (Hallescher FC) und Olaf Marschall (Chefscout des 1. FC Kaiserslautern) unter die Lupe genommen. Auf wen der gebürtige Nordsachse Marschall ein Auge geworfen hat, wollte er nicht verraten. "Ich komme vorrangig wegen den Hertha-Spielern, aber wenn sich ein Eilenburger empfiehlt, warum nicht", lachte der 56-Jährige.

Olaf Marschall
Bildrechte: imago images / Eibner

Sanny Stephan

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 15. Mai 2022 | 16:00 Uhr

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