Verkündigungssendung Das Wort zum Tag bei MDR SACHSEN

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Daniel Schmidt.

Sonnabend, 02.07.2022: Training

"Ach schön, dass Sie da sind. Dann kommen Sie mal durch, Opa ist gerade beim Training."Ein sportlicher junger Mann tritt zur Seite und bittet mich ins Haus. Auf dem Weg durch den Flur und die Küche, hinein in die gute Stube, habe ich einen Moment Zeit, mir bildlich auszumalen, was mich erwarten wird. In welcher Trainingsposition werde ich den Großvater wohl vorfinden? Vor meinem geistigen Auge erscheint ein fitter, alter Mann, der auf einem Heimtrainer etwas für seine Gesundheit tut. So wird man eben 90 Jahre alt, mutmaße ich.  Deshalb bin ich bei ihm zu Besuch.

Pfarrer Daniel Schmidt 2 min
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gesprochen von Pfarrer Daniel Schmidt

MDR SACHSEN Sa 02.07.2022 05:47Uhr 02:02 min

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Als ich dann in die Stube trete, finde ich ein vollkommen anderes Bild vor. Ein zierlicher älterer Herr sitzt in einem Ohrensessel. Eine kleine runde Lesebrille vorn auf der Nase, ein Stift in der einen und die Herrnhuter Losungen in der anderen Hand. Er blickt zu mir rüber und lächelt. "Ich bin gerade beim Training", begrüßt er mich mit den gleichen Worten, wie sein Enkel. Ich muss wohl ein wenig verdutzt dreinschauen, denn er weist mir einen Platz neben sich und bringt mir sein Training näher. Seit vielen Jahren liest er jeden Morgen die Losungen und macht sich Notizen dazu. Der Heftrand ist voller Bemerkungen zu den biblischen Worten der vergangenen Tage dieses Jahres. Das mache ihn innerlich stark, erklärt er mir. Nicht viele Tage habe es gegeben, an denen er dieses Training ausfallen lassen musste. "So bin ich auf alles gut vorbereitet. Wenn das Leben wieder mal ganz dicke kommt, bin ich gewappnet." "Schild des Glaubens" geht es mir durch den Kopf. Paulus benutzt dieses Bild als er der Gemeinde in Ephesos zum Glauben ermutigt. (Eph 6,16)

Der Jubilar erzählt mir von Enkeln und Urenkeln, von Freunden und Verwandten, für die er Gott jeden Tag dankt. Er erzählt aber auch von der schweren Krankheit seiner Frau und ihrem Tod und von seiner Trauer. Von eigener Krankheit und den Ängsten damit. In all diesen Erfahrungen klingt sein tiefes Vertrauen in den einen Gott an. Tief beeindruckt verlasse ich später am Vormittag ein wirklich gut trainiertes Gemeindeglied.

Freitag, 01.07.2022: Durst

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gesprochen von Pfarrer Daniel Schmidt

MDR SACHSEN Fr 01.07.2022 06:47Uhr 01:55 min

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Zum allabendlichen Ritual dieser Tage gehört bei uns zuhause das Gießen. Mit Kanne und Schlauch bestückt gehen die Bewohner des Hauses die vielen Rabatten, Kübel und Anlagen rund um die Kirche und das Pfarrhaus ab und bewässern, was da blüht und grünt. Von der kleinsten Blume im Topf bis hin zur großen buschigen Hecke haben alle es nötig. Den meisten Pflanzen kann man förmlich ansehen, wie sie darauf warten, dass dem drängenden Durst Abhilfe geschaffen wird. Blätter und Köpfe der Blüten hängen herunter und wirken in der Abendsonne schlaff und ohne Spannkraft. Bereits kleine Mengen des kühlenden Nass schaffen da Abhilfe. Lohn der anstrengenden Arbeit mit Kanne und Schlauch ist dann aber die merkliche Veränderung der Pflanzen. Sie gewinnen Lebenskraft aus dem Wasser, das ihnen an die Wurzeln gegossen wird.

"Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott." (Psalm 42,3) heißt es im Psalm 42. Die dürstende Seele ist in den Anforderungen des Lebens oft nicht so leicht so leicht zu erkennen, wie es bei den Pflanzen im Sommer der Fall ist. Den Beter des Psalms habe ich dagegen wie eine der Pflanze auf unserem Hof vor Augen. Kraft und Stärke sind verzehrt von den Anstrengungen des Lebens. Alles sehnt sich nach der Stärkung, die Abhilfe schafft und wieder neue Spannung in Körper und Geist bringt. Ihm ist das bewusst und er spricht es aus: "Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott." (Psalm 42,3)

Vielleicht geht es ihm leichter von den Lippen, weil er auf ein Versprechen blicken kann, dass seine Not adressiert. Er weiß, wo seine Seele die Nötige Erfrischung herbekommt. "Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." (Offenbarung 21,6), lautet das Versprechen Gottes.  Du musst den Kopf nicht hängen lassen. Spannkraft kehrt zurück. Erfrischung für alle, die dieser Zusage Glauben schenken.

Donnerstag, 30.06.2022: Glaubenskerne 

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gesprochen von Pfarrer Daniel Schmidt

MDR SACHSEN Do 30.06.2022 05:47Uhr 01:59 min

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"Ich mag ja nur die ohne Kerne." "Na so schlimm sind die Kerne auch nicht. Da musst du eben mal ein bisschen drauf kauen. Die sind sogar richtig gut. Daraus macht man Traubenkernöl, das ist gesund, Omega drei und so." So richtig überzeugt scheint der Konfirmand von den Ausführungen seiner Mitkonfirmandin noch nicht zu sein. Er hält an seiner Meinung fest: Trauben ohne Kern sind viel leichter zu essen. die Kerne stören doch nur. "Aber ohne die Kerne gäbe es gar keine neuen Trauben. Die sind nämlich der Samen für neue Weinstöcke. Und dann gibt’s wieder mehr Trauben.", führt seine Freundin nun final aus. Restlich überzeugt ist er davon zwar noch nicht, aber er denkt darüber eine Weile nach.

Vielleicht war das ein Teil der Idee, die Jesus hatte, als er sich selbst, Gott und die Menschen mit dem Bild vom Weinstock verglich: "Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Reben, mein Vater der Weingärtner." (Joh 15,1+5) Dieser Gedanke ist gerade Thema in der Runde. Und im wahrsten Sinne des Wortes sind wir gleich zum Kern der Sache vorgedrungen. Jesus verspricht, dass wir mit ihm wachsen werden, dass er uns stärkt und Kraft gibt. Süß und saftig, wie Weintrauben schmecken diese Zusagen. In manchen Anforderungen wird es da sperriger, als wir es uns wünschen: Wer kann schon seine Feinde einfach lieben. Das muss man erst einmal durchkauen, um es verdauen zu können.

Zu einer richtigen Traube, die nicht nur gut schmeckt, sondern auch weitergeben kann, was in ihr angelegt ist, gehört mehr als das süße, saftige Außenherum. In den Kernen der Weintraube liegt die Zukunft der Frucht. Im Bild stehen sie für Stärkendes, wie die Konfirmandin mit dem Traubenkernöl schon erklärt hat. Die Kraft, die wir durch Jesus beziehen, liegt eben auch ganz besonders in den Kernen, die manchmal ein wenig störend wirken. Aus diesen Glaubenskernen wächst Neues. Es ist die Möglichkeit weiterzugeben, was uns stärkt und neue Früchte zu erhalten. 

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Daniel Schmidt

Daniel Schmidt

geb. 05.10.1978 in Kyritz | 1985-1991: Grundschule Neustadt/Dosse | 1991-1998: Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, Abitur | 1998-1999: Wehrdienst | 1999-2003: Grundstudium an der HU zu Berlin | 2004: Studium "Master of Divinity" an der University of Stellenbosch Südafrika | 2005-2007: Hauptstudium an der HU zu Berlin - Erstes theologisches Examen | 2007-2009: Vikariat in der Ev. Stadtkirchengemeinde St.-Laurentius Berlin-Köpenick | 2009: Zweites theologisches Examen | Pfarrstellen: 2009-2010: Ev. Stadtkirchengemeinde St.-Laurentius Berlin-Köpenick; seit April 2010: Stadtpfarrer der Ev. Kirchengemeinde Rothenburg/Oberlausitz | verheiratet, ein Sohn und eine Tochter

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.