Zukunftswerkstatt Dresden 5G-Technik verlegt Klassenraum in die Arktis

Im "5G Lab" der Zukunftswerkstatt an der TU Dresden forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur 5G-Mobilfunktechnologie. Drei junge Start-ups haben am Donnerstag ihre Ideen zur Anwendung von 5G vorgestellt und sich die Frage gestellt: "Wie kann 5G die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit bewältigen?" Ein Projekt kommt dabei von zwei Dresdnerinnen, die 5G in der Grundschule anwenden möchten.

Zwei junge Frauen stehen neben einem Bildschirm auf dem "Heartucate" steht
Mit "Heartucate" wollen Anna Kirchberg (links) und Franziska Weser (rechts) den Kindern in der Grundschule wieder den Spaß am Lernen zurückbringen. Bildrechte: Viktoria Schackow

Was wie Zukunftsmusik klingt, ist für Anna Kirchberg und Franziska Weser Lebensinhalt geworden. "Heartucate" soll die Neugier der Kinder fördern und Lernen so wieder spaßiger und damit auch leichter werden lassen. Orientiert haben sie sich dabei am Prinzip von Escape Rooms, bei denen Menschen in Räume eingeschlossen werden und mit Hilfe von kleinen Rätseln ihren Weg zurück in die Freiheit finden müssen.

Digitale Schnitzeljagd als Unterrichtskonzept

Die Idee von "Heartucate": eine digitale Schnitzeljagd - realisierbar mit sogenannten "Mixed Reality"-Brillen und modernster Technik. Die scannt den Klassenraum und beamt die Schülerinnen und Schüler in eine fremde Welt.

Die Kinder finden sich dann in der Artkis wieder und gehen dort erstmal auf Entdeckungsreise und sehen sich um und finden allerlei Sachen, interaktive Elemente, sehen vielleicht das ein oder andere arktische Tier und sehen eben auch eine Forschungsstation, die in der Artkis von der Wissenschaft betrieben wird.

Anna Kirchberg und Franziska Weser Start-up-Gründerinnen

Perspektivisch sollen dann zum Beispiel der Regenwald oder auch der Mars dazukommen. Dort können die Kinder dann in Kleingruppe auf Expeditionen gehen.

Ein Roboter mit Greifarm wird von einem jungen Mann mit Hilfe einer VR-Brille bedient.
Im 5G Lab der TU Dresden wird die Anwendung der fünften Mobilfunktechnik-Generation in verschiedenen Bereichen erforscht. Hier soll ein Roboter aus Deutschland ein Regal in Las Vegas packen können. Bildrechte: Viktoria Schackow

Innere Motivation wecken, statt Leistungsdruck steigern

Nach einer Forsa-Umfrage ist die Burnout-Rate von Grundschulkindern in den vergangenen zehn Jahren um 114 Prozent zugenommen. Anna Kirchberg ist Grundschullehrerin und kennt dieses Problem aus ihrem Unterricht.

Ich erlebe das tagtäglich, dass Kinder so großen Leistungsdruck verspüren von sich selbst, von ihren Eltern aus, dass sie wirklich beispielsweise Schmerzen, wie Bauchweh, bekommen.

Anna Kirchberg Grundschullehrerin

Viele Kinder würden mit sehr negativen Gefühlen lernen, sagt sie. Daran können auch Eltern oder Großeltern Schuld sein - oft ungewollt durch Anreize - also zum Beispiel zehn Euro für jede Eins auf dem Zeugnis. Diesen Leistungsdruck wollen die beiden mit "Heartucate" aufbrechen. Lernen soll von innen heraus Spaß bereiten und nicht von außen durch Anreize motiviert sein.

Diese innere Neugier, die Kinder ja haben und die den Erwachsenen leider schon häufig verloren gegangen ist, diesen Drang, etwas zu entdecken und etwas zu erforschen und neugierig einfach loszulegen, das wollen wir wieder wecken!

Anna Kirchberg Lehrerin

Dresdnerinnen starten in Leipzig durch

Anna und Franziska kommen gebürtig aus Dresden, wohnen jetzt in Leipzig und Berlin. Beide kennen sich schon seit ihrer Schulzeit. Jetzt haben sie sich wieder zusammengefunden um ein "Zebra Start-up" zu gründen: "Das heißt, es geht nicht nur ums Geldverdienen, sondern darum, dass mit dem Geld ein positiver Wandel vorangebracht werden kann." Mit "Heartucate" wollen sie 5G nutzen, um Bildung auf ein neues Level zu bringen.

Die Möglichkeit, genau das zu tun, bekommen Anna Kirchberg und Franziska Weser in der Zukunftswerkstatt der TU Dresden. Unter dem Titel "Solve for Tomorrow. 5G for Society" (dt.: Lösung für Morgen. 5G für die Gesellschaft) und unterstützt vom Unternehmen Samsung haben viele junge Menschen im vergangenen Oktober ihre Ideen eingereicht. Nach verschiedenen Runden und einem Bootcamp in Berlin stehen neben Annas und Franziskas Projekt nun zwei weitere Ideen final fest, die nun auch von Frank Fitzek betreut werden. Er ist Koordinator vom "5G Lab Germany" und sieht die neue Mobilfunktechnologie als Wirtschaftsförderung.

Ein Mann mit weißem Hemd (Prof. Fitzek) steht vor einem Bildschirm
Prof. Dr. Frank Fitzek, 5G-Experte Bildrechte: Viktoria Schackow

5G wird der Treiber der Digitalisierung sein. Aber auch das Kommunizieren mit Maschinen. Während 4G das Kommunizieren mit Menschen betrifft, soziale Netzwerke oder auch Netflix - all das, was wir heute benutzen. 5G ist der Treiber, dass zum Beispiel irgendwann mal ein automatisiertes Taxi vorfährt, wo sie dann einsteigen. Das werden dann so wie wir heute den Strom aus der Steckdose beziehen, als gegeben hinnehmen.

Prof. Dr. Frank Fitzek

Die Diskussion um die neue 5G Mobilfunktechnologie dauert noch an und der Weg zu selbstfahrenden Taxen oder Brillen, die Schulklassen virtuell in die Arktis oder die Wüste schicken, ist noch weit. Doch die beiden Gründerinnen von "Heartucate" sind zuversichtlich und haben vergangenen Freitag die ersten Fördermittel erhalten. So kommen sie Schritt für Schritt ihrem Ziel näher.

Darum geht es bei den beiden anderen vorgestellten 5G-Projekten

Hyperspecs

Dr. Diwaker Jha stellte in der Zukunftswerkstatt das Projekt "Hyperspecs" vor, was sich mit der Entwicklung eines Fühwarnsystems von Gaslecks beschäftigt. Mithilfe modernster Kameratechnik können zum Beispiel Lecks an Gasleitungen in Wohnhäusern erkannt und dementsprechend behoben werden. So soll natürlich die persönliche aber auch die Sicherheit der Umwelt mit Drohnen und Robotern gewährleistet werden.

Grapes

An "Grapes" arbeiten junge Menschen aus dem Iran, Equador und vielen anderen Ländern zusammen, um unbegrenzte Speicherkapazität für Spiele oder anderen leistungsstarke Anwendungen zu liefern. Auf einer Plattform zusammengefasst, können Nutzerinnen und Nutzer die Rechenleistung einfach überblicken und organisieren. Das "Rendern" (Zusammenfassen) dieser Daten passiert auf dezentralen Servern (ähnlich einer Cloud) und schont deshalb den Akku des Endgerätes.

Viktoria Schackow
Bildrechte: MDR

Über die Autorin Die rheinische Frohnatur Viktoria Schackow zog wegen des Studiums vor sechs Jahren von Düsseldorf nach Magdeburg. Nach einem Bachelor in Anglistischen Kulturwissenschaften folgte ein Masterstudium, Sozial- und Gesundheitsjournalismus, an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Sie war schon als freie Mitarbeiterin in Hörfunk und Online bei MDR SACHSEN-ANHALT tätig. Seit März ist sie Volontärin beim MDR.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.08.2020 | 17:40 Uhr

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