Wohngemeinschaft auf dem Land Pfarrhof Pehritzsch: Ein offenes Tor für alle

In Pehritzsch nahe Leipzig leben mehrere Familien gemeinsam auf einem ehemaligen Pfarrhof. Sie fühlen sich im Glauben verbunden. Im Mittelpunkt steht aber das gemeinsame Handeln gemäß ihres Mottos: "Schraube, Liebe, Hoffnung."

Frau vor Infokasten
Auf dem Pfarrhof Pehritzsch leben insgesamt 20 Menschen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einladend liegt der ehemalige Pfarrhof von Pehritzsch in der Gemeinde Jesewitz in Nordsachsen zwischen Wiesen und Bäumen. In der Ferne ist die Dorfkirche zu sehen. Zum Hof selbst gehören eine Kapelle, das alte Pfarrhaus und ein Werkstättentrakt. Den Kern bildet das Wohnhaus, ein früheres Stiftungsgebäude mit Gästebetrieb.

Ein Raum für praktisch gelebten Glauben

Seit 2016 leben hier mehrere Familien gemeinsam. Sie bilden nicht nur eine Wohngemeinschaft, sondern fühlen sich darüber hinaus im praktisch gelebten Glauben verbunden, wie Ulrike Hippe erklärt.

2016 hat sie den Hof zusammen mit anderen Familien von der Evangelischen Landeskirche günstig gekauft. Das Grundstück ist gepachtet. Die Entscheidung, raus aus der Stadt und aufs Land zu ziehen, war eine bewusste: "Unser Motto 'Schraube, Liebe, Hoffnung' fasst uns gut zusammen. Wir sind Menschen mit vielen Ideen, versuchen aber, nicht in der Theorie zu bleiben sondern den Glauben in den Alltag zu holen."

Unter diesem Titel ist die Wohngemeinschaft Teil eines 2014 von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) in Leben gerufenen Projekts. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es mehr als 50 sogenannte Erprobungsräume. Nach Angaben der EKM sind diese Räume eine Erweiterung oder Ergänzung zum traditionellen Sonntagsgottesdienst in der Kirche. Demnach verstehen sie sich "als einen Prozess zur Förderung anderer Gemeindeformen", also wenn "Christen an anderen Orten, zu anderen Zeiten oder auf andere Weise zusammenkommen".

Ein offenes Tor für alle

In Pehritzsch ist die Werkstatt einer dieser Räume. Doch selbst mit insgesamt 20 Menschen in einem Wohngebäude braucht nach Erfahrung von Ulrike Hippe im Alltag konkrete Absprachen, um Gemeinschaft zu erleben. Deswegen gibt es täglich gegen 18 Uhr eine etwa zehnminütige Abendandacht in der Hofkapelle und jeden Dienstag ein gemeinsames Abendessen.

Das Miteinander geht aber auch über den Hof hinaus. Als zum Beispiel im Winter ein gehbehindertes, älteres Paar immer wieder eingeschneit wurde, rückten die Pehritzscher täglich an, um das Haus freizuschaufeln, wie die 62-jährige Betroffene, Maren Albrecht, erzählt. Außerdem gibt es die Möglichkeit zu gemeinsamen wöchentlichen Essen, eine Fahrradwerkstatt, einen Werkzeugausleih. Hin und wieder finden auch Kulturveranstaltungen statt. An dem Leben auf dem Hof schätzt sie vor allem die "Leichtigkeit der Begegnung".

So steht das Tor zum Hof anderen Menschen im Wortsinne stets offen: "Ich denke, wir haben uns für ein Leben entschieden, das andere Menschen inspirieren kann. Damit das passiert, muss man es aber auch zeigen."

Die Bewohner des Pfarrhauses Pehritzsch bilden neben dem Erprobungsraum "Schraube, Liebe, Hoffnung" die Lebensgemeinschaft "die Konspirative" und den Verein "CVJM Therebinthia e.V.".

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 30. September 2021 | 22:40 Uhr