Heimat Mitteldeutschland Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich.

Ihre Eltern kamen als Studenten oder Vertragsarbeiter aus Angola oder Mozambique in die DDR. Andere fanden in Deutschland Zuflucht und eine neue Heimat. Sie sind hier zuhause, haben einen deutschen Pass, einen Beruf und Familien gegründet. Doch noch immer werden sie mit Vorurteilen und Ablehnung konfrontiert, denn sie sind Schwarz.

Filmemacher Ared Hubert und Juliana Gombe
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Manuel Rost trainiert seit Sommer 2020 die erste Herrenmannschaft des FC Rot-Weiß-Erfurt und traut sich zu, den Erfolg vergangener Tage zurückzuholen. Er wurde in einem kleinen Dorf bei Gotha geboren. Verwunderten Blicke, Fragen nach seiner Herkunft und das häufige Daraufhinweisen, dass er "anders" aussieht, begleiten ihn seit der Kindheit. Am schwierigsten ist es für ihn, wenn es ihn im Alltag eiskalt erwischt.

Manuel Rost
Manuel Rost, geboren in Remstädt bei Gotha Bildrechte: MDR/FC Rot-Weiß Erfurt

Der Moment, in dem es passiert ist immer unangenehm und mit Schmerzen verbunden. Zumindest mit emotionalen Schmerzen. Und das ist auch der Punkt, den ich den Leuten zu vermitteln versuche, dass das sehr weh tut. Dass man das nur schwer beschreiben kann, was das innerlich mit einem macht.

Manuel Rost

Engagement für friedliches Miteinander

Juliana Luisa Gombe ist in Magdeburg zu Hause. Menschen, die sie wegen ihrer Hautfarbe in eine Schublade stecken wollen oder gar beleidigen, negiert sie. Denn der Umgang mit Menschen ist Julianas Beruf. Die Sozial-Beraterin arbeitet bei der Volkssolidarität und unterstützt dort Menschen mit Behinderung.

Die Mutter von drei erwachsenen Kindern umsorgt zudem seit zwei Jahren ein Pflegekind. Dass der siebenjährige Liam weiß ist, stört manche Menschen. Juliana versucht zu zeigen, dass Liebe keine Frage der Hautfarbe ist.

Juliana Luisa Gombe
Juliana Luisa Gombe, geboren in Angola Bildrechte: MDR/Ared Hubert

Ich werde gefragt: Wieso machst du sowas? – Ja, wieso? Weil ich Kinder ganz besonders liebe, weil ich den Menschen liebe und ich kann mir nicht vorstellen, dass da ein Kind ohne Mama ist.

Juliana versucht, das friedliche Miteinander in der Stadt zu fördern. Außerdem engagiert sie sich in der Flüchtlingshilfe. Für ihr großes Engagement im Verein "TOLL e.V." bekommt sie 2018 das Bundesverdienstkreuz.

Vertrauen in die Polizei schaffen

Doreen Denstädt ist Polizistin in Thüringen. Als Jugendliche war für sie die Polizei ein rotes Tuch. Sie erlebte die "Baseballschlägerjahre" - eine Zeit der Gewalt zwischen rechten und linken Gruppierungen in Erfurt Nord. Als Schwarzes Mädchen musste sie schauen, wo sie Halt, Zuflucht und Schutz finden konnte. Die Unterscheidung von Gut und Böse war für sie damals klarer als heute.

Doreen Denstädt
Doreen Denstädt, geboren in Saalfeld Bildrechte: MDR/Ared Hubert

Damals war es halt so: man konnte die Leute erkennen. Die hatten Springerstiefel an, die hatten weiße Schnürsenkel. Da hat man schon von Weitem erkannt, von dem halte ich mich besser fern. Heute ich es so, dass sich Alltagsrassismus auch hinter einer normalen Person verstecken kann. Und ich glaube, das ist das Anstrengende: wenn man zum Bäcker geht, dass man es mit Alltagsrassismus zu tun bekommen kann, obwohl man nicht damit rechnet.

Doreen Denstädt

Dass es viele Gruppen von Menschen gibt, die kein Vertrauen in die Polizei haben, möchte Doreen Denstädt ändern. Für das Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen konzipierte sie darum ein Antirassismus-Seminar.

Der Regisseur Ared Hubert

Ared Hubert ist in Dresden geboren. Heute arbeitet er als Regisseur für den MDR. Sein Vater kam als Student aus Guinea in die DDR. Die Erfahrung von hier zu sein und doch nicht dazuzugehören, ist Teil seiner Lebensrealität. Auf seiner Reise durch Mitteldeutschland trifft er Menschen, die, wie er, Schwarze Deutsche sind. Ein sehr persönlicher Austausch über Angst, Wut, Verzweiflung, Glück, Erfolg und das latente Gefühl stets mit Vorurteile konfrontiert zu sein.

Der Film

wird am 11.11. 2021, 22.40 Uhr im MDR Fernsehen in der Sendereihe "Nah dran" gezeigt.

Ab 6. November ist er in der Mediathek abrufbar.

Themenbeitrag im Nah-dran-Magazin

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 11. November 2021 | 22:40 Uhr