Waldkliniken Eisenberg Erste aktive Klinik-Synagoge in Deutschland eingeweiht

In thüringischen Eisenberg ist eine neue Synagoge eingeweiht worden. Es ist neben Erfurt, Jena und Nordhausen das vierte aktive jüdische Gotteshaus in Thüringen. Das Besondere: Die Synagoge befindet sich in einem Krankenhaus.

Erste aktive Klinik-Synagoge in Deutschland

Im Bistro der Waldkliniken Eisenberg herrscht festliche Stimmung. Menschen unterhalten sich, Kellner eilen geschäftig hin und her. Die Herren tragen Kippa, das Essen ist koscher: In den Waldkliniken wird eine Synagoge einweiht. Es ist die erste aktive Synagoge in einem Krankenhaus in Deutschland. David-Ruben Thies ist Geschäftsführer der Waldkliniken. Er sagt, christliche oder muslimische Angebote gebe es bereits an vielen Orten: "Wir haben dann relativ schnell festgestellt, Angebote für jüdische Patienten gibt es eigentlich nirgends." Es fange mit den Fragen an, wo jüdische Patienten beten oder koscher essen könnten. Es gebe zwar jüdische Krankenhäuser. Die hätten aber keine aktive Synagoge oder böten koscheres Essen an, sagt David-Ruben Thies: "Da war klar: Wir müssen es wagen."

Thies und sein Team holten sich Unterstützung aus der jüdischen Gemeinschaft. Als Schirmherr gewannen sie den Berliner Rabbiner Yitzack Ehrenberg. Er beriet in der Frage, wie eine Klinik aussehen muss, in der sich auch strenggläubige Juden wohlfühlen können: Von zertifiziert koscherem Essen über Möglichkeiten, am Schabbat einen Aufzug benutzen zu können, bis hin zu der frisch eingeweihten kleinen Synagoge mit 16 Plätzen, in der Männer und Frauen getrennt sitzen können.  

Älteste und jüngste Synagoge stehen in Thüringen

Bei der Einweihung war auch der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow zugegen. Er durfte die Torarolle neben anderen Ehrengästen ein Stückchen tragen – eine besondere Ehre. Der Linken-Politiker stellt die Ereignisse des Tages in den Kontext eines dunklen Teils der Landesgeschichte. Denn in Thüringen waren die Nationalsozialisten bereits ab 1930 an der Regierung beteiligt: "Wir wissen, dass die Technik der Zerstörung, also die Verbrennungsöfen von Auschwitz, auch unser Erbe sind, sie sind aus Erfurt. Und deshalb ist ein gelebtes jüdisches Leben für uns eine starke Bereicherung."

Das neue Bettenhaus der Waldkliniken Eisenberg
Die Synagoge befindet sich im Neubau der Waldkliniken Eisenberg. Bildrechte: dpa

Nichts zeige dies besser als die Eröffnung eines Synagogen-Neubaus, betonte Ramelow: "Wenn ich darauf hinweisen darf: Es ist die erste Synagoge in einem Krankenhaus in ganz Deutschland. Die älteste Synagoge ist in Erfurt, die jüngste Synagoge ist hier in den Waldkliniken in Eisenberg, und da geht mir mein Herz auf, und ich freue mich sehr darüber."

Knobloch: "Neue Synagogen, neues Leben, neue Hoffnung"

Unter den Ehrengästen des Tages ist auch die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Für die Holocaust-Überlebende ist die Neueinweihung einer Synagoge immer etwas ganz Besonderes: "Es ist etwas sehr tiefgehendes, eine Synagoge einzuweihen und darüber nachzudenken – ich hab ja brennende Synagogen gesehen – dass diese neue Synagoge zum Leben erweckt wird, dass diese Synagoge wieder etwas darstellt, was vielleicht in Zukunft erhalten werden kann. Dass sich die Vergangenheit nicht so in den Vordergrund drängt, wie es manchmal ist: Neue Synagogen, neues Leben, neue Hoffnung, auf etwas, dass das jüdische Leben ungehindert und in Freiheit leben kann und auch die Zukunft gestalten kann."

In Eisenberg selbst, einer Kreisstadt mit etwas über 10.000 Einwohnern im Saale-Holzland-Kreis gibt es – bisher zumindest – keine jüdische Gemeinde. Die kleine Synagoge wird in Zukunft wohl vor allem von Patienten des Klinikums genutzt und mit Leben gefüllt werden. Für die Patienten ist diese Synagoge und das Gefühl, auch als strenggläubiger Jude willkommen zu sein, von unschätzbarem Wert – davon ist Schirmherr Rabbi Yitzack Ehrenberg überzeugt: "Wenn ein Patient, insbesondere als jüdischer Mensch, in ein Krankenhaus kommt, ist das seelisch bereits eine schwierige Situation. Aber wenn dieser Mensch weiß: Es gibt eine Synagoge, koscheres Essen und viel Sympathie für Juden, dann sind das schon 50 Prozent der Heilung."

Und vor allem darum geht es ja in einem Krankenhaus.

Rabbiner Elischa M. Portnoy 4 min
Bildrechte: Elischa M. Portnoy
4 min

Geboren in der Ukraine, kam Portnoy 1997 nach Deutschland. Der studierte Elektrotechnikingenieur absolvierte das Rabbinerseminar in Berlin, er ist heute tätig als Gemeinderabbiner in Dessau und Halle.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 16.09.2022 15:30Uhr 04:02 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Mai 2022 | 12:10 Uhr