Corona-Krise Azubis und Unternehmen finden schwerer zueinander

Schon seit Jahren herrscht in Deutschland Fachkräftemangel. Für junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, bedeutet das gute Zukunftsaussichten. Doch die Corona-Krise hat auch hier ihre Spuren hinterlassen.

Ein Ausbildungsmeister erklärt einem Auszubildenden das Feilen an einem Metallteil.
Nur wenige Unternehmen planen derzeit Neueinstellungen Bildrechte: dpa

In Zeiten wie diesen neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen – das will gut überlegt sein. Noch immer sind viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Und das sei keine gute Ausgangslage für Neueinstellungen, erklärt Ute Zacharias vom Allgemeinen Arbeitgeberverband Thüringen. Zacharias zufolge sind viele Unternehmen derzeit verhalten bei Neueinstellungen, da es vorrangig darum gehe, die bereits im Unternehmen beschäftigten Mitarbeiter zu halten.

Mehr junge Arbeitslose im Juli

Das Zögern der Arbeitgeber hat damit Auswirkungen für Berufseinsteigerinnen- und einsteiger, also für alle, die mit der Ausbildung oder dem Studium fertig geworden sind. Zudem hatten Unternehmen während des Corona-Lockdowns Arbeitsverträge in Probezeit gekündigt. Das spiegelt sich auch in den neuesten Zahlen der Landesarbeitsagentur Sachsen wieder. Im Juli waren vor allem Menschen unter 25 von Arbeitslosigkeit betroffen – insgesamt 12.700 und damit 2.400 mehr als noch im Vorjahr. Auch für Schulabgängerinnen und -abgänger, die in diesem Frühjahr einen Ausbildungsplatz gesucht haben, war die Situation nicht einfach, betont Zacharias.

Es war schwierig, in Corona-Zeiten Auszubildende zu akquirieren, weil es keine Berufsmessen, Schulbesuche oder Tage der offenen Tür gab.

Ute Zacharias Allgemeiner Arbeitgeberverband Thüringen

Freie Plätze für Azubis vorhanden

Mittlerweile stellen viele Unternehmen aber wieder Auszubildende ein, sagt Simone Danek, Zuständige für die Aus- und Weiterbildung bei der IHK Halle-Dessau. Es gebe genügend freie Ausbildungsplätze, auf die sich die jungen Leute noch bewerben könnten.

«Azubis gesucht» steht auf einem Banner am Stand einer Firma beim Forum Berufsstart Mitteldeutschland in Erfurt. Das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern will 2019 zum Jahr der Nachwuchs- und Fachkräftesicherung machen. Im Vorjahr war die Zahl neuer Ausbildungsverträge zwar auf 1980 gestiegen. Dennoch blieb etwa jede dritte Lehrstelle im Handwerk unbesetzt.
Unternehmen stellen wieder Azubis ein Bildrechte: dpa

Danek zufolge gibt es allein bei der Lehrstellenbörse der IHK Halle-Dessau noch 400 freie Plätze in nahezu 70 Berufen. Allerdings gebe es etwas weniger Eintragungen zum jetzigen Zeitpunkt. Das hänge damit zusammen, dass das Bewerbungsgeschehen quasi unterbrochen gewesen sei. In einigen Unternehmen hätten keine Bewerbungsgespräche stattgefunden.

Die andere Seite war laut Danek, dass bei Jugendlichen und Eltern, auch coronabedingt, die Ausbildung nicht unbedingt oben auf der Tagesordnung gestanden hätte. Danek hofft, dass sich die Schulabgängerinnen und -abgänger nun an die Bewerbung machen. Die aktuellen Auszubildenden seien von der Krise verschont geblieben. So hätten im Sommer unter Hygieneauflagen alle Prüfungen stattfinden können.

Thüringer Firmen wollen Azubis halten

Auch die Thüringer Arbeitgeber versuchen, ihre Auszubildenden zu halten. Darüber freut sich Ute Zacharias vom Arbeitgeberverband. Es sei wirklich eine gute Nachricht im Moment, dass die Unternehmen sich sehr stark engagieren würden. Viele Gespräche mit Firmen zeigten, dass wirklich versucht werde, die Auszubildenden im Unternehmen zu halten und auch die Plätze, die sie bisher angeboten haben, weiter anzubieten. 

Damit das klappt und die Unternehmen ihre Ausbildungsplätze vielleicht sogar erhöhen können, gibt es vom Bund seit 1. August die Ausbildungsprämie. Kleine und mittelständische Unternehmen, die von der Corona-Krise besonders betroffen sind, können dann bis zu 3.000 Euro bekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. August 2020 | 05:00 Uhr

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