Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Donnerstag: Kreml stellt Bedingungen für Getreidefreigabe

Russland fordert angesichts der in der Ukraine blockierten Getreideexporte den Westen erneut zu einer Aufhebung von Sanktionen auf. Bundeskanzler Olaf Scholz ist überzeugt, dass Russland den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen wird. Aus dem Osten des Landes werden unterdessen weitere schwere Kämpfe gemeldet. Die Deutsche Bahn will mit zusätzlichen Zügen ukrainisches Getreide bis ans Mittelmeer fahren. Mehr dazu in den aktuellen Ticker-Meldungen.

Weizenähren
Ukrainischer Weizen kann nicht exportiert werden Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

21:41 Uhr | Kreml verlangt Aufhebung von Sanktionen gegen Getreidefreigabe

Russland fordert angesichts der in der Ukraine blockierten Getreideexporte den Westen erneut zu einer Aufhebung von Sanktionen auf. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, der Westen solle "jene illegalen Entscheidungen aufheben, die die Frachtschiffe, die Ausfuhr von Getreide ... behindern". Die Ukraine hatte Russland zuvor Erpressung vorgeworfen und den Westen aufgefordert, die wegen Moskaus Angriffskrieg erlassenen Sanktionen unter keinen Umständen aufzuheben. Kiew wirft Russland vor, die für die Welternährung wichtige Weizenausfuhr zu verhindern.

20:58 Uhr | Lawrow wirft Selenskyj fehlende Verhandlungsbereitschaft vor

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj fehlende Verhandlungsbereitschaft vorgeworfen. Der Westen unterstütze Selenskyj auch noch in dieser Haltung, sagte Lawrow dem arabisch-sprachigen Ableger des staatlichen Fernsehkanals RT. Der Präsident der Ukraine hatte zuvor gesagt, er werde nur mit Kremlchef Wladimir Putin direkt verhandeln und das erst, wenn Russland sich auf die Grenzen vor dem 24. Februar zurückziehe. "Dass das nicht ernsthaft ist, muss man niemandem erklären und beweisen", sagte Lawrow.

Gleichzeitig warnte Lawrow Medienberichten zufolge den Westen vor der Lieferung von Waffen an die Ukraine, mit denen russisches Territorium angegriffen werden könne. Dies wäre ein "ernster Schritt in Richtung einer inakzeptablen Eskalation".

20:42 Uhr | Ungarn braucht Jahre für Unabhängigkeit von russischem Öl

Ungarn würde einem Regierungsvertreter zufolge bis zu vier Jahre benötigen, um von russischen Öl-Lieferungen loszukommen. Der Stabschef von Ministerpräsident Viktor Orban, Gergely Gulya, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, für den Umbau werde finanzielle Hilfe benötigt. Früheren Angaben zufolge beziffert das Land diese kurzfristig auf etwa 750 Millionen Euro, um Raffinerien zu modernisieren und eine Pipeline zu erweitern, die Öl aus Kroatien zuführt. Längerfristig könne der Umbau bis zu 18 Milliarden Euro kosten. Ungarn werde den geplanten Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland nur zustimmen, wenn bei allen Fragen eine Übereinkunft erzielt worden sei, sagt Gulya weiter.

16:44 Uhr | "Maximale Intensität" der Kämpfe im Donbass

Um den Donbass im Osten der Ukraine wird nach Angaben aus Kiew immer erbitterter gekämpft. Der Kampf habe seine maximale Intensität erreicht, sagte Vize-Verteidigungsministerin Ganna Malyar. Weiter hieß es: "Die feindlichen Truppen stürmen die Positionen unserer Truppen gleichzeitig aus mehreren Richtungen." Angesichts dieses Vorrückens der russischen Armee hätten die ukrainischen Soldaten "eine extrem schwierige und lange Kampfphase" vor sich.

16:03 Uhr | Reichster Mann der Ukraine will Russland verklagen

Der reichste Mann der Ukraine will Russland wegen hoher Verluste nach der Bombardierung von Stahlwerken in Mariupol verklagen. "Wir werden Russland definitiv verklagen und Schadenersatz für alle Verluste und verloren gegangene Firmen verlangen", kündigte Rinat Achmetow, Besitzer des größten ukrainischen Stahlherstellers Metinvest, an. 17 bis 20 Milliarden Dollar seien durch den Angriff Russlands verloren gegangen. Zu Metinvest von Milliardär Achmetow gehören neben dem Stahlwerk Asowstal auch die Iljitsch Eisen- und Stahlwerke in Mariupol.

13:51 Uhr | Update: Noch keine Entscheidung zu Asow-Regiment

In Russland gibt es offenbar vorerst doch keine Entscheidung zur Einstufung des ukrainischen Asow-Regiments. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, wurde der geplante Gerichtsprozess auf Ende Juni verschoben. Die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau fordert, das Asow-Regiments als terroristische Organisation einzustufen. Mitglieder des Regiments zählen zu den Kämpfern, die zuletzt in Mariupol von russischen Truppen gefangen genommen worden sind. Für die Mitgliedschaft in einer als terroristisch verbotenen Organisation drohen in Russland bis zu 20 Jahre Haft.

12:10 Uhr | Scholz wertet Putins Krieg in der Ukraine als Fehlschlag

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Ansicht von Bundeskanzler Olaf Scholz seine strategischen Ziele in der Ukraine verfehlt. Scholz sagte auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos, eine Einnahme der gesamten Ukraine durch Russland scheine heute weiter entfernt als noch zu Beginn des Krieges. Zudem werde die Nato um Schweden und Finnland erweitert. Putin habe die Geschlossenheit der EU, der G7 und der Nato unterschätzt. Die Brutalität des russischen Kriegs habe zudem die Ukrainerinnen und Ukrainer als Nation enger zusammengeschweißt als je zuvor. "Putin darf seinen Krieg nicht gewinnen. Und ich bin überzeugt: Er wird ihn nicht gewinnen", sagte Scholz.

10:51 Uhr | IWF: Fast 30 Länder haben Probleme wegen gestiegener Preise

Durch die gestiegenen Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten als Folge des Ukraine-Krieges geraten immer mehr Länder nach Angaben des Internationalen Währungsfonds in Schwierigkeiten.

"Inzwischen haben fast 30 Länder wegen der Nahrungsmittelpreise Probleme mit ihrer Zahlungsbilanz bekommen", sagt IWF-Chefin Kristalina Georgiewa dem Magazin "Spiegel". Einige Länder hätten den IWF um Unterstützung gebeten. Ihnen werde mit einem speziellen Fonds für arme Länder zu null Prozent Zinsen geholfen. Zudem werde geprüft, was internationale Institutionen tun könnten, um die Nahrungsmittelproduktion effizienter zu machen.

09:26 Uhr | Entscheidung über Soldaten aus Mariupol erwartet

In Russland entscheidet der Oberste Gerichtshof heute über das Schicksal der ukrainischen Kämpfer aus dem Stahlwerk in Mariupol. Die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau fordert, die Männer als Terroristen einzustufen. Die Kämpfer hatten sich wochenlang auf dem Gelände des Stahlwerks verschanzt, bevor sie sich den russischen Einheiten ergaben. Die Ukraine hofft auf einen Gefangenenaustausch.

07:56 Uhr | Offenbar Tausende ukrainische Kriegsgefangene

In den von Russland unterstützten Separatisten-Gebieten Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine werden nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass rund 8.000 ukrainische Kriegsgefangene festgehalten. Tass zitiert einen Vertreter der selbst ernannten Volksrepublik Luhansk mit den Worten: "Es gibt viele Gefangene. Natürlich gibt es mehr von ihnen auf dem Territorium der Volksrepublik Donezk, aber wir haben auch genug, und jetzt liegt die Gesamtzahl irgendwo in der Größenordnung von 8.000." Den Angaben zufolge kommen jeden Tag weitere ukrainische Kriegsgefangene hinzu.

06:38 Uhr | Russische Truppen in Vororten von Sewerodonezk

Im Osten der Ukraine sind russische Truppen offenbar in Vororte der strategisch wichtigen Industriestadt Sewerodonezk vorgedrungen. Der Gouverneur der Region nannte die Situation sehr schwierig. Es gebe heftige Kämpfe. Nach seinen Angaben befinden sich noch etwa 15.000 Menschen in der Stadt und in den umliegenden Dörfern. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einer Videoansprache, dass in dem Frontabschnitt "der Feind in Bezug auf die Ausrüstung und die Anzahl der Soldaten deutlich überlegen" sei.

Moskau hatte in den vergangenen Tagen die Offensive rund um Sewerodonezk massiv ausgeweitet. Die Stadt und ihr Nachbarort Lyssytschansk gelten als letzte Orte in der Region, in der ukrainische Kämpfer noch Widerstand leisten. In Lyssytschansk hat die Polizei dem Gouverneur zufolge mindestens 150 Tote in einem Massengrab bestattet.

04:25 Uhr | Ukraine berichtet von schweren Gefechten im Donbass

Dem ukrainischen Militär zufolge treiben die russischen Streitkräfte ihre Großoffensive im Donbass voran. "Die Besatzer beschossen mehr als 40 Städte in den Regionen Donezk und Luhansk und zerstörten oder beschädigten 47 zivile Einrichtungen, darunter 38 Häuser und eine Schule", teilten die ukrainischen Streitkräfte auf Facebook mit. Fünf Zivilisten seien gestorben, zwölf verwundet worden. Die ukrainische Armee habe zehn feindliche Angriffe abgewehrt, vier Panzer und vier Drohnen zerstört und 62 "feindliche Soldaten" getötet.

01:10 Uhr | Bahn will ukrainisches Getreide bis ans Mittelmeer fahren

Die Deutsche Bahn will die Ukraine stärker beim Getreideexport unterstützen. "Angesichts der drohenden Hungersnot in Teilen der Welt und des enormen Bedarfs, Millionen von Tonnen ukrainisches Getreide in die Welt zu exportieren, werden wir als DB Cargo in Abstimmung mit dem Bund weitere Aufträge und Zugfahrten organisieren", sagte die Chefin für den Bahn-Frachtverkehr, Sigrid Nikutta, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Zurzeit fahre die Bahn mit Tochtergesellschaften in Polen und Rumänien mehrere Züge täglich mit Getreide an verschiedene Seehäfen. "Nun geht es darum, diese Agrarexporte auszuweiten. Ziel sind tragfähige Verbindungen bis an die Seehäfen der Nordsee und des Schwarz- und Mittelmeeres", sagte Nikutta.

Wegen der Blockade der ukrainischen Schwarzmeerhäfen durch Russland ist die Ukraine dringend auf alternative Exportwege angewiesen, um Getreide ins Ausland zu exportieren. Zurzeit stecken in der Ukraine nach Angaben der Vereinten Nationen knapp 25 Millionen Tonnen Getreide fest.

00:05 Uhr | Selenskyj enttäuscht über Gipfel von Davos

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Beratungen beim Weltwirtschaftsforum in Davos kritisiert, weil der Gipfel kein klares Signal Richtung Russland gesendet habe. "Egal, was der russische Staat tut, es gibt jemanden, der sagt: Lasst uns seine Interessen berücksichtigen", sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Das geschehe "trotz Tausender russischer Raketen, die die Ukraine treffen." Der Präsident kritisierte in diesem Zusammenhang den früheren US-Außenminister Henry Kissinger. Dieser hatte gesagt, dass ein Frieden für die Ukraine wohl nur mit Gebietsabtretungen an Russland zu erreichen sei.

Selenskyj war am Mittwoch per Video zu einer Gesprächsrunde in Davos zugeschaltet worden und hatte dabei deutlich gemacht, dass die Ukraine kein Gebiet abgeben werden. "Die Ukraine kämpft, bis sie ihr gesamtes Territorium zurück hat." Er sei bereit zu Gesprächen mit Moskau, wenn Russland sich auf die Frontlinien von vor dem 24. Februar zurückziehe.

00:00 Uhr | Ticker am Donnerstag, 26. Mai 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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