Putins Pressekonferenz - Nichts Neues im Osten

Viel Neues erfuhr die versammelte Weltpresse nicht, als sich Russlands Präsident Putin am 20. Dezember in Moskau auf seiner Jahres-PK stellte. Dass die russische Wirtschaft boome, hatte man irgendwie schon mal gehört und auf kritische Fragen gab Putin ausweichende Antworten. Alles wie immer also.

Vladimir Putin bei einer Pressekonferenz.
Bühnen-Präsenz: Russland Präsident Putin eröffnet die Jahres-PK in Moskau. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Fast anderthalb Stunden harrten hunderte Journalisten aus, bis endlich Bewegung in den Saal des Moskauer World Trade Centers kam. "Wenn ich ein anständiger Mensch bin, muss ich es irgendwann tun", sagte der Kremlherr lächelnd. Vor allem unter den hunderten Provinzjournalisten im Publikum kam Freude auf. Die Rede war nicht etwa von einer wichtigen politischen Entscheidung. Vielmehr erklärte Putin, dass er irgendwann wieder heiraten werde, nachdem ein Journalist des Boulevard-Mediums Lifenews ihn danach fragte. Dutzende russische Onlinemedien griffen die Nachricht auf, Psychologen nahmen für Zeitungen Putins Antwort auseinander und Russlands bekanntester Rock-Star Sergej Schnurow veröffentlichte gar ein kurzes Gedicht.

Vladimir Putin
Gewohnt väterlich: Präsident: Putin erklärt vier Stunden lang Russland und die Welt. Bildrechte: imago/Xinhua

Nichts Neues im Osten

Viel Neues hatte Putin darüber hinaus nicht in Petto. Zu Beginn der fast vierstündigen Sendung sprach Putin über die Erfolge der russischen Wirtschaft. Schob traditionell die Schuld am gespannten Verhältnis zum Westen dem Westen in die Schuhe. Russland werde als Konkurrent einfach zu sehr gefürchtet. Den amerikanischen Präsidenten nannte er dennoch kumpelhaft Donald, als er den Abzug der US-Truppen aus Syrien lobte. Auch die Warnung vor einer steigenden Gefahr des atomaren Krieges, angesichts des Streits um den INF-Abrüstungsvertrag, klang für ausländische Beobachter dramatisch. Das heimische Publikum dagegen ist Putins weltpolitische Einschätzungen und nukleare Warnungen längst gewohnt. Später werden kremlnahe Experten Putins Auftritt als friedfertig beschreiben. 

Ein Korrespondent bei einer Pressekonferenz.
Auf kritische Fragen gab es wenig zufrieden stellende Antworten. Bildrechte: imago/Xinhua

Sozialismus? Nein, Danke!

Tatsächlich bemüht sich Putin bei innenpolitischen Themen um Gelassenheit. Einer möglichen Rückkehr zum Sozialismus, laut jüngsten Umfragen von einer Mehrheit der Russen gewünscht, erteilte er eine Absage. Wirkliche Kritik in Fragen einiger unabhängiger russischer Journalisten wiegelte er ab. Angesprochen auf Russlands berüchtigte Privatarmee "Wagner" leugnete Putin zwar nicht deren Existenz, erklärte jedoch, dass diese international ihre Geschäftsinteressen verfolgen dürfe. Im Übrigen sei es Aufgabe der Staatsanwaltschaft, die Rechtmäßigkeit von Wagners Tätigkeit zu überprüfen. Auch auf die Frage nach Folter in russischen Gefängnissen schob Putin die Verantwortung auf die Justiz, die solche Fälle untersuchen müsse.


Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im TV: 20.12.2018 | 19:30 Uhr

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