Eisenach Oldtimerfans aus ganz Europa beim Wartburgfahrer-Treffen "Heimweh"

Zweitakt-Geruch liegt über dem Eisenacher Festplatz Spicke: Bereits zum 22. Mal lädt der Allgemeine Wartburgfahrerclub Eisenach zu einem internationalen Treffen. Die Freunde des Eisenacher Autos kommen aus ganz Europa - ob aus Polen, Ungarn oder Tschechien, aus Norwegen, der Schweiz oder den Benelux-Ländern.

Mehrere Oldtimer stehen nebeneinander.
Bis zu 500 Oldtimer werden in diesem Jahr in Eisenach erwartet. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Das gab es in 22 Jahren noch nie: Kräftigen Regen zum Start am Freitagmorgen. Davon ließen sich die Wartburgfahrer aber nicht abschrecken. Zahlreiche Fahrzeuge hätten um 8 Uhr schon vor dem Tor gewartet, 130 wurden in den ersten 20 Minuten eingelassen, sagt Enrico Martin, der Vorsitzende des Allgemeinen Wartburgfahrerclubs Eisenach. Er rechnet in diesem Jahr wieder mit bis zu 500 Autos auf dem Gelände - "mehr passt nicht drauf". Zugelassen sind nur die Marken Wartburg und Melkus.

Wackeldackel und DDR-Straßenkarten

Kurz nachdem der Regen am Vormittag aufgehört hat, sieht der Platz aus wie in den Vorjahren: Die betagten Fahrzeuge stehen abgetrocknet und gewienert entlang der Fahrwege, stilecht mit Details aus DDR-Zeiten wie alten Aufklebern, Straßenkarten oder dem unvermeidlichen Wackeldackel hinter der Heckscheibe. Dahinter haben es sich die Besitzer in Campingstühlen bequem gemacht - zwischen Zelten und Wohnwagen auch die zum Teil ähnlich alt wie die Autos.

 Ein Wackeldackel in einem Auto.
Ein Wackeldackel darf bei einem Oldtimertreffen nicht fehlen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Alles mit der Hand

Was die Menschen hierher zieht? Natürlich zuallererst der Wartburg selbst, sagt Enrico Martin. "Die Autos gehörten zur Familie. Weil man so lange auf so ein Auto warten musste, war es auch so etwas wie ein Familienmitglied." Außerdem fasziniert die einfache Technik: "Ich brauche keinen Computer, um dieses Auto zu reparieren, sondern ich kann alles mit der Hand machen. Ich kann mir selber helfen - und man kann auch mal mit einem oder zwei Freunden einen Motor rausheben, was heute eigentlich unmöglich geworden ist."

Internationale Wartburg-Familie

Mittlerweile aber gibt es auch einen zweiten Grund, der viele hierherzieht: Die Wartburg-Fangemeinde ist über die Jahre selbst so etwas wie eine große Familie geworden. So erzählen viele, dass sie sich auf das Wiedersehen mit Bekannten freuen, die sie schon über Jahre kennen. Sie schätzen auch den internationalen Austausch mit Wartburg-Besitzern aus anderen Ländern Europas. "Man freut sich inzwischen fast mehr auf die Menschen als auf die Autos", sagt Enrico Martin, der von einem "wunderbaren Zusammenhalt" spricht.

Mehrere Oldtimer stehen nebeneinander.
Wartburg-Besitzer aus mehreren Ländern Europas sind in diesem Jahr nach Eisenach gekommen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Kein Gurt, dafür zieht‘s

Es gibt aber auch Menschen, die tatsächlich zum ersten Mal dabei sind - und auf der Anreise zum allerersten Mal in einem Wartburg saßen. Davon berichtet ein Grüppchen aus Sachsen-Anhalt und Sachsen. Von einem etwas verunsicherten Fahrgefühl erzählt der Neuling: so habe er vergeblich nach dem Sicherheitsgurt gegriffen. Und offen Fahren war auch nur so lange schön, bis der Regen anfing. Dass es trotz Verdeck im Auto kräftig zog, das Fenster auf der Fahrerseite nicht schloss - geschenkt, das Auto ist ja schließlich alt, alle waren schnell wieder trocken.

Thermostat statt Tempomat

Ein anderer in der Runde erzählt davon, dass im Regen die Scheibenwischer ausfielen, "angestrengtes Fahren" die Folge war - und amüsiert sich darüber, dass er zu Hause in seiner Dusche wasserabweisendes Nano-Glas eingebaut hat - ob sich damit nicht auch die Frontscheibe des Wartburg beschichten ließe? Ein Dritter erzählt, er fahre im Wartburg nicht nach Tempomat, sondern nach Thermostat: "Wenn es dann an die 90 bis 95 Grad rangeht, nimmt man automatisch das Gas weg und hofft, dass es bergab geht."

Bis nach Kroatien in den Urlaub

Solche Erlebnisse hemmen echte Wartburg-Fans nicht. Einige nutzen ihre Oldtimer nicht nur für die Fahrten zu den Treffen in ganz Deutschland, sondern auch für den Urlaub. "Damit ist man natürlich Gesprächsthema auf dem Campingplatz", sagt ein jüngerer Mann, der von der entschleunigenden Wirkung des Wartburgfahrens schwärmt. "Man kommt total runter aus dem Alltag." Andreas Hamann ist mit seinem Wartburg Baujahr 1963 sogar bis nach Kroatien gefahren - eine Strecke 800 Kilometer.

Ein Mann steht neben einem Auto.
Bis nach Kroatien ist Oldtimerfan Andreas Hamann mit seinem Wartburg gefahren. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Und Christian Braun aus dem sächsischen Pommsen zieht einen passenden Wohnwagen mit seinem ebenfalls rund 60 Jahre alten Wartburg Camping. "Livestyle-Auto würde man heute sagen", meint er und verweist auf das Schiebedach und die gebogene gelbe Scheibe am Heck.

Ein Mann mit Hut vor einem Wohnwagen.
Christian Braun fährt seinen rund 60 Jahre alten Wartburg zum Camping. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Ersatzteile immer dabei

Wer mit einem Oldtimer unterwegs ist, sorgt vor. Alle berichten, dass sie nicht nur immer einen Werkzeugkasten dabeihaben, sondern meist auch Ersatzteile. Keilriemen, Zylinderkopfdichtung, Zündkerzen - was halt so kaputtgeht. Aber meist, so berichten gleich mehrere, fällt ohnehin nur das aus, was man nicht dabeihat. Dabei sind vermutlich wenige Alltagsautos so gut gepflegt und gewartet wie diese Oldtimer. Nachschub an Ersatzteilen finden die Besitzer auch auf dem Treffen. Gleich mehrere Händler haben ihre Stände aufgebaut, die schon am Freitagvormittag gut besucht sind.

Mehrere Menschen stehen vor einem Stand für Ersatzteile.
Beim Wartburgfahrer-Treffen "Heimweh" gibt es an kleinen Ständen auch Ersatzteile zu kaufen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Filme aus dem Werksarchiv

Am Samstag werden die Fahrzeuge von 10 bis 16 Uhr bewertet und prämiert, dafür hat der Verein als Veranstalter wieder kundige Juroren gewonnen. Um 21 Uhr heißt es dann "Ganz großes Kino": Enrico Martin zeigt erstmals öffentlich zwei Filme aus dem Archiv des einstigen Automobilwerks Eisenach, die er digitalisiert hat. Sie wurden Anfang der 1980er-Jahre aufgenommen, bei dem einen geht es ums Spritsparen. In den kommenden Jahren sollen weitere Archiv-Filme folgen, kündigt Martin an, "auch ganz alte Schätze vom 311er Wartburg und von den Rennsportwagen".

Ein Mann steht vor einem Oldtimer.
Enrico Martin, der Vorsitzende des Allgemeinen Wartburgfahrerclubs Eisenach. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Für Sonntagnachmittag ist eine gemeinsame Ausfahrt durch den Thüringer Wald Richtung Inselsberg geplant. Die ganze Zeit über ist der Platz für Besucher geöffnet, die eingeladen sind, die Oldtimer anzuschauen und Benzingespräche zu führen. Erst am Montag klingt das Treffen aus - mit einem langen Frühstück und einem anschließenden Hupkonzert am Vormittag.

MDR (jn)

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