Bevölkerungsschutz Sachsens Landeshochwasserzentrum will Kampf gegen die Fluten vereinfachen

Die Flut von 2002 hat in Sachsen erheblichen Schaden angerichtet. Ganze Regionen lagen in Trümmern. Eine Konsequenz daraus war der Aufbau eines zentralen Landeshochwasserzentrums. Das kann Bürger und Kommunen heute auf vielen Wegen warnen.

Landeshochwasserzentrale - Ein großer Raum mit zahlreichen Computerbildschirmen, an denen Menschen arbeiten.
Im Landeshochwasserzentrum laufen alle Informationen zu Pegelständen aus ganz Sachsen zusammen. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Die Flut von 2002 hat in Sachsen ganze Landstriche verwüstet. Dabei zeigte sich, dass Frühwarnsysteme an vielen Stellen versagten oder gar nicht vorhanden waren. Zwar gab es regionale Hochwasserzentralen in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Bautzen - aber keine Instanz, bei der alle Informationen zusammenliefen. "Jede Hochwasserzentrale hat für ihren Bereich Hochwassermeldungen verschickt, beispielsweise Chemnitz für die Mulde und Dresden für die Elbe", sagt die Leiterin des Landeshochwasserzentrums Sachsen, Kristina Rieth. Zudem seien die Meldungen erst an die Ministerien und Regierungspräsidien gegangen, die sie wiederum an die Landkreise und Gemeinden weitergeleitet hätten - und das häufig per Fax.

Landeshochwasserzentrale - Eine Frau mit dunklen Haaren sitzt vor einem Computer und lächelt in die Kamera.
Kristina Rieth ist die Leiterin des Landeshochwasserzentrums Sachsen. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Die Hauptbestandteile des Landeshochwasserzentrums sind die Meldezentrale und die Vorhersagezentrale. In der Meldezentrale gehen alle Daten zu Pegelständen der Gewässer und Durchflüssen ein. Sie werden ebenso wie die Niederschlagsmengen beobachtet und ausgewertet.

Kristina Rieth Leiterin des Landeshochwasserzentrums Sachsen

Landeshochwasserzentrum als Konsequenz aus der Flut 2002

Die Kommunikation per Fax und über Behördenumwege kostete jede Menge Zeit. Zeit, die im Katastrophenfall besonders wertvoll ist. Als eine der Lehren aus der Flutkatastrophe von 2002 wurde deshalb noch im selben Jahr in Dresden-Klotzsche das Landeshochwasserzentrum eingerichtet. Dafür wurden die regionalen Hochwasserzentralen zusammengelegt.

"Die Hauptbestandteile des Landeshochwasserzentrums sind die Meldezentrale und die Vorhersagezentrale. Die Meldezentrale ist 6 bis 22 Uhr im Zweischichtbetrieb sieben Tage die Woche besetzt. Hier gehen alle Daten zu Pegelständen der Gewässer und Durchflüssen ein. Sie werden ebenso wie die Niederschlagsmengen beobachtet und ausgewertet", erklärt Kristina Rieth.

Landeshochwasserzentrale - Ein Monitor mit verschiedenen grafischen Abbildungen zu Pegelständen in Deutschland.
Auf einem großen Bildschirm sind die Informationen aller Landeshochwasserzentren in Deutschland zu sehen. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Direkter Draht zum Bürgermeister

Wenn die Pegel steigen, dann gehen die Nachrichten aus dem Zentrum in Dresden-Klotzsche, anders als früher, direkt zum betroffenen Gemeinden oder zur Feuerwehr. Das geschieht auch noch per Fax, aber inzwischen ebenfalls per SMS, E-Mail oder über die Internetseite. "Wir haben das System immer wieder angepasst. 2015 haben wir eingeführt, dass die Bürgermeister der Gemeinden in unserem System selbst eintragen können, wie sie ihre Nachrichten von uns empfangen wollen. Wichtig ist aber, dass sie eine Erreichbarkeit angeben", erklärt die Leiterin des Landeshochwasserzentrums.

Unser System wurde 2015 automatisiert. Die Pegeldaten werden alle 15 Minuten gemessen. Sie fließen in Echtzeit in unser System ein und werden mit kurzer Verzögerung auch im Internet bereitgestellt.

Kristina Rieth Leiterin des Landeshochwasserzentrums Sachsen

Pegelstände werden automatisiert erfasst

Zudem gebe es Eilbenachrichtigungen, die von den Empfängern bestätigt werden müssen. "Das soll sicherstellen, dass die Nachricht auch bei demjenigen ankommt, der von Hochwasser betroffen ist", sagt Rieth. Das sei auch eine Lehre aus dem Flutsommer 2002 gewesen. Ob die Faxe damals wirklich gelesen worden seien, habe man nicht immer gewusst.

Einzug gehalten hat die Digitalisierung auch bei der Erfassung der Pegeldaten. "Unser System wurde 2015 automatisiert. Die Pegeldaten werden alle 15 Minuten gemessen. Sie fließen in Echtzeit in unser System ein und werden mit kurzer Verzögerung im Internet bereitgestellt", sagt Rieth.

Hochwasserfrühwarnung als neues Angebot

Zuletzt ist die Hochwasserfrühwarnung hinzu gekommen. "Das ist eine Abschätzung der Hochwassergefahr in kleinen Einzugsgebieten für die kommenden 24 Stunden. Die wird auf unserer Internetseite jede Stunde aktualisiert."

Bei hoher Gefährdung müssten Betroffene auch auf die Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) achten. "Der DWD warnt ja auch vor lokalen Ereignissen. Das geht mit unserem pegelbasierten Vorhersagesystem nicht", so Rieth. Wer mit seinem Haus oder Betrieb potenziell hochwassergefährdet ist, kann sich auch direkt vom Landeshochwasserzentrum warnen lassen. "Das ist über einen Antrag bei der jeweiligen Gemeinde möglich", sagt Kristina Rieth.

  • Tipp: Interesierte können am Sonnabend, 13. August, von 13 bis 17 Uhr die Landeshochwasserzentrale, Zur Wetterwarte 3, 01109 Dresden, zum Tag der offenen Tür besuchen.

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MDR (sth)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 12. August 2022 | 19:00 Uhr

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