Bildung Bereits 5.000 ukrainische Kinder an Sachsens Schulen

Raja Kraus, Autorin, Reporterin
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Rund 5.000 Kinder aus der Ukraine gehen inzwischen in Sachsen zur Schule. Die Aufnahme ist für Schüler und Lehrkräfte sehr herausfordernd. Das Kultusministerium plant deshalb Veränderungen in den Integrationskonzepten.

Grundschüler aus der Ukraine sitzen in der für ukrainische Kinder eröffneten Schule in einem Klassenzimmer.
Noch immer fehlen laut sächsischem Lehrverband fast 600 Lehrkräfte für ukrainische Schüler. Bildrechte: dpa

Die Schule als sozialer Ort und auch als Schutzraum: Das soll sie für Kinder und Jugendliche, die aus der Ukraine geflüchtet sind, nun vor allem erstmal sein. Ziel sei, "diese ukrainischen Kinder aufzufangen, ihnen einen gewissen Hort zu geben, ihnen eine schöne Umgebung zu bieten", sagt Michael Jung, stellvertretender Vorsitzender des sächsischen Lehrerverbands.

Dass das einigermaßen gelinge, liege aber nicht an der Politik, sagt Jung: "Sondern es war einzig und allein wieder die Zivilcourage der Bürgerinnen und Bürger, der Lehrerinnen und Lehrer, der Schulleitungen vor Ort."

Neuaufnahme entspricht 30 bis 40 neuen Schulen

Rund 5.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine gehen jetzt schon in Sachsen zur Schule, sagt Roman Schulz, Sprecher des sächsischen Landesamts für Schule und Bildung. Sein Zwischenfazit: "Es läuft gut, es hat sich auch gut eingespielt. Ich möchte aber nicht verschweigen, dass es trotzdem eine riesige Herausforderung ist. Also auch, wenn was läuft, ist es nicht einfach."

Die Neuaufnahme so vieler Schülerinnen und Schüler: Statistisch entspreche das schnell 30 bis 40 ganzen Schulen, die der Freistaat aufbauen müsste. Praktisch läuft es natürlich anders und sehr unterschiedlich. Ein Kind kann zum Beispiel in eine deutsche Klasse kommen oder in eine schon bestehende "DaZ"-Klasse ("DaZ": Deutsch als Zweitsprache). Oder eine neue, ukrainische Klasse wird gegründet.

Piwarz: bisherige Schulintegrationskonzepte neu denken

In Dresden gibt es sogar eine ganz neue Schule: die Ukraine-Schule. Wer per Online-Unterricht noch einzelne Fächer an der Heimatschule in der Ukraine belegen kann, darf auch das tun. Dieser Freiraum sei gewollt und nötig, erklärt Sachsens Kultusminister Christian Piwarz: "Weil wir einfach mit einer Situation konfrontiert sind, wie wir sie so noch nicht gehabt haben. Wir haben eine große Anzahl an Eltern mit schulpflichtigen Kindern, mit einer durch die Bank weg guten, schulischen Vorbildung. Und entsprechend müssen wir die bisherigen Konzepte, die sehr stark auf Integration, teilweise Alphabetisierung gesetzt haben, jetzt komplett anders denken."

195 Lehrkräfte und 35 Schulassistenten für die ukrainischen Schülerinnen und Schüler hat das Land bisher zusätzlich eingestellt. Michael Jung vom sächsischen Lehrerverband sagt, es fehlten trotzdem noch um die 600 weitere, die Ukrainisch sprächen.

Weiterhin Angebote in ukrainischer Sprache

Und dann sind da noch die Fragen: Wie lange bleiben die ukrainischen Familien? Wie geht es im neuen Schuljahr weiter? Kultusminister Christian Piwarz: "Da ist es dann eben notwendig, sinnvolle Integrationsangebote zu unterbreiten und gleichzeitig die Option der Rückkehr weiter im Hinterkopf zu haben, ergo eben auch weiterhin Angebote in ukrainischer Sprache vorzuhalten."

Außerdem – das sei den Behörden in der Ukraine wichtig – sollen ukrainische Schülerinnen und Schüler im neuen Schuljahr auch an deutschen Schulen ukrainische Abschlüsse machen können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Mai 2022 | 06:15 Uhr

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