Hochwasserschutz Dresdner Stolz: Pumpwerk schafft 90 Badewannen pro Sekunde

Während des Augusthochwassers 2002 füllt Frank Männig Sandsäcke und rettet Akten aus seinem überfluteten Büro. 20 Jahre später steigt er für den MDR in die teils unterirdische Anlage eines Hochwasserpumpwerkes hinab. Mit ihren sechs riesigen Pumpen schluckt sie bis zu 90 Badewannen voller Wasser je Sekunde und könnte damit nicht nur die Innenstadt in Dresden vor einer Flutwelle wie vor 20 Jahren retten.

Eine Maschine steht in einer Halle.
Motoren, Pumpen und Lüftungen: Ein Blick in das unterirdische Maschinenherz des Hochwasserpumpwerkes unterhalb des Elbufers nahe der Waldschlösschenbrücke. Bildrechte: MDR/Wiebke Müller

Auf dem Schreibtisch von Frank Männig finden sich neben vielen technischen Dokumenten auch Dankesschreiben. "Im Hochwasserjahr 2013 hat sich die Universitätsklinik bei uns bedankt, dass wir sie geschützt haben und ihre Keller trocken geblieben sind", erklärt der Kanalnetz-Chef der Stadtentwässerung Dresden. Zu verdanken hatten sie das der drei Jahre zuvor errichteten Pumpspeicheranlage in Dresden-Johannstadt, die 2013 ihr Können erstmals unter Beweis stellen konnte. Sie ist eine von drei nach 2002 neu gebauten derartigen Pumpwerken in Dresden.

Ein Mann steht vor einem Schaubild.
Kanalnetz-Gebietsleiter Frank Männig hat die Flut 2002 miterlebt und erklärt die moderne Technik im Hochwasserpumpwerk Dresden-Johannstadt. Bildrechte: MDR/Wiebke Müller

Tückisches Grundhochwasser war 2002 die dritte Flut

Für Frank Männig sind die Ereignisse vor 20 Jahren immer noch sehr präsent. Dresden hatte mit gleich drei Hochwassern zu kämpfen. "Zuerst von den Nebenflüssen wie dem Kaitzbach und der Weißeritz, das zweite etwas später von der Elbe und danach kam das Grundhochwasser, was noch länger anhielt."

17 Millionen Euro flossen für das Pumpwerk am Elbufer

Männig hatte seinen Arbeitsplatz damals im Klärwerk der Stadtentwässerung in Kaditz und musste mit ansehen, wie das Elbehochwasser die Anlage unter Wasser setzte. "Die Flut kam aus einer Richtung, aus der wir sie nicht vermutet hatten", erinnert er sich. Eine Lehre aus der Rekordflut von 2002, die er verinnerlichte. Die Erkenntnisse flossen in das 17 Millionen Euro teure Hochwasserpumpwerk in Dresden-Johannstadt, das von 2008 bis 2010 erbaut wurde. Schon drei Jahre später erwies sich dann tatsächlich für alle Fälle gerüstet.

Eine Person sitzt in einem Auto der Stadtentwässerung Dresden.
Ein Einsatzfahrzeug der Stadtentwässerung Dresden steht am Elbufer. Die städtische Firma betreibt in Dresden mehrere Hochwasserpumpwerke. Bildrechte: MDR/Wiebke Müller

Sechs Riesen-Pumpen schaffen 90 Badewannen pro Sekunde

"Dank der Anlage konnten wir 2013 den Wasserstand in der Kanalisation auf normalem Niveau halten", erklärt Männigs Mitarbeiter, Thomas Klengel. Das technische Prinzip: Sechs riesige unterirdische Pumpen saugen das Hochwasser aus der Kanalisation und pumpen es in die Elbe. Theoretisch sind 18 Kubikmeter Förderleistung pro Sekunde möglich. "Das sind 90 Badewannen voll", erklärt Klengel. Beim Hochwasser 2013 reichten zehn Kubikmeter pro Sekunde aus, um unterirdische Wasserschäden in der Stadt zu verhindern.

Das Kanalnetz ist wie ein Geflecht aus Adern. Die Gefahr lauert manchmal auch weitab des Flusses.

Frank Männig Gebietsleiter für den Kanalnetzbetrieb der Stadtentwässerung Dresden

Auf der Autobahn eine Gefahr wie auch im Kanalnetz: Rückstaus

Das Kanalnetz in Dresden hat eine Länge von insgesamt 1.800 Kilometern, erzählt Männig. "Es ist wie ein Geflecht aus Adern. Die Gefahr lauert manchmal auch weitab des Flusses." Am gefährlichsten seien Rückstaus von Abwasser an Tiefpunkten im Gelände, erklärt der Ingenieur. Mann könne sich das Kanalnetz wie einen unterirdischen See vorstellen, der bei anhaltender Flut oder Starkregen anschwillt und bald oberirdisch Straßen und Häuser unter Wasser setzen würde.

Pumpwerk hat keine Probleme mit Flutwellen bis 9,24 Meter

Die Leistung der automatischen Anlage mit vielen Mess-Sensoren und Schaltschränken ist auf ein hundertjähriges Hochwasser von 9,24 Metern ausgelegt. Diese Marke berechneten Wasserexperten nach 2002 neu für die Stadt Dresden. Vor dem Jahr 2002 betrug diese Marke nur etwas über acht Meter. Das war zu niedrig, wie sich herausstellte. Heute habe die Stadtentwässerung dank modernerer Wettervorhersage etwa 14 Tage Vorwarnzeit, um sich auf ein Elbhochwasser vorbereiten zu können, beruhigt Frank Männig.

Ein Mann steht an einer Maschine.
Thomas Klengel von der Stadtentwässerung Dresden führt das Notstromaggregat im Pumwerk Johannstadt vor. Bildrechte: MDR/Wiebke Müller

Drei Tage lang pumpen auch bei Stromausfall

Eines will auch Thomas Klengel noch live zeigen: Per Knopfdruck wirft er in etwa zehn Metern Tiefe unter dem Elbufer ein riesengroßes Notstrom-Aggregat an. Der dröhnende Dieselmotor lässt dessen Power erahnen. "Damit können wir drei Tage lang ununterbrochen pumpen. Bei Hochwasser ist die Stadtentwässerung damit unabhängig vom Stromlieferanten", erklärt Klengel und man sieht ihm den Stolz darauf an.

Chemnitz investiert Millionen ins Kanalnetz

Auch die Stadt Chemnitz hat ihr rund 1.000 Kilometer langes Kanalnetz krisenfest gemacht. "Die Investitionssummen für die Kanalsanierung beliefen sich in den vergangenen Jahren auf jährlich 15 bis 20 Millionen Euro", sagt Pressesprecherin Beate Bodnàr vom Entsorgungsbetrieb der Stadt Chemnitz (ESC) MDR SACHSEN. Einlaufende Warnmeldungen des Landeshochwasserzentrums würden über ein Meldesystem innerbetrieblich weitergegeben. "Somit erhält auch die Kläranlage, die täglich 24 Stunden personell besetzt ist, und damit auch der Bereich Kanalnetz unmittelbar Warninformationen und kann entsprechend reagieren."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 12. August 2022 | 19:00 Uhr

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