Kulturhauptstadt 2025 Festival "Pochen" zeigt in Chemnitz multimediale Kunst über Daten und Digitalisierung

Wo hinterlassen wir Datenspuren? Was passiert mit unseren Daten? Und was sind überhaupt Daten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die 3. Chemnitzer Biennale "Pochen", die Donnerstagabend eröffnet wurde.

Blick in einen leeren Innenraum
Die Medienkunst bei der Chemnitzer Biennale "Pochen" setzt sich 2022 mit dem digitalen Wandel auseinander. Das Werk des US-Künstlers Evan Roth ist eine Collage aus Fotos vom alltäglichen Surfen. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Bei dem multimedialen Kunstfestival "Pochen" im Chemnitzer Wirkbau werden Arbeiten von mehr als 20 internationalen Künstlern und Kollektiven gezeigt. Jedes Werk soll als Symbol dafür stehen, dass Kunst helfen kann, unsere komplexe, digitale Welt besser zu verstehen.

"Wir erleben, dass unsere Welt immer mehr durchdrungen ist von digitalen Veränderungen und Informationen. Wir erleben aber auch, dass es uns schwerfällt, damit umzugehen", sagt Festivalleiter Benjamin Gruner. Das sei an den Corona-Demonstrationen zu sehen, wo Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse abgelehnt würden. "Wir befinden uns in einem postfaktischen Zeitalter, wo man gar nicht mehr weiß, was ist wahr, was ist nicht wahr, was ist real, was ist nicht real", so Gruner weiter. Genau deshalb hätten sich die "Pochen"-Veranstalter für das Thema Daten entschieden.

Chemnitzer werden Teil der Daten-Kunst

In der riesigen Fabrikhalle sind unter anderem Bildercollagen und Videoinstallationen zu sehen. Einige Kunstwerke laden sogar dazu ein, selbst Teil des Ganzen zu werden. Auch das Berliner Museum der Werte hat auf die Mithilfe der Chemnitzerinnen und Chemnitzer gesetzt. Im Vorfeld des Festivals waren sie zu sogenannten Datenspaziergängen durch die Stadt eingeladen. Mithilfe einer speziellen App wurde so zum Beispiel die Qualität der Gehwegplatten erkundet.

"Wenn man vor einer Gehwegplatte steht und merkt, die ist zerbrochen oder gekrümmt, dann kann man mit dieser App GPS-Daten erheben, indem man einen speziellen Knopf drückt", erklärt Bennet Etsiwah. Indem die Teilnehmenden ganz oft auf dieser App auf Knöpfe gedrückt hätten, seien Punkte bestimmt worden, welche die defekten Platten markieren. Auf dieser Grundlage habe man dann eine digitale Karte generiert, so Etsiwah. "Das Gleiche haben wir auch mit Radwegen oder Grünflächen gemacht, wo wir nach der Ausschilderung beziehungsweise der Aufenthaltsqualität geschaut haben."

Stimmungsbild über Chemnitz als Teil des Kunstfestivals

Wie sehen die Chemnitzerinnen und Chemnitzer ihre Stadt, die 2025 Europäische Kulturhauptstadt sein wird? Und wie wird die Stadt von anderen gesehen? Dazu hat die MDRfragt- Redaktion Anfang September eine Umfrage durchgeführt. Sie soll in regelmäßigen Abständen wiederholt werden und so ein Stimmungsbild über Chemnitz liefern. Die Ergebnisse der ersten Befragung, an der knapp 20.000 Menschen aus Mittelsachsen teilgenommen haben, werden ebenfalls im Rahmen des "Pochen"-Festivals präsentiert.

Dazu kommt eine ständig erweiterte Analyse von Medienveröffentlichungen über Chemnitz durch die Firma evAI. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) wird nachvollzogen, ob sich die Wahrnehmung von Chemnitz durch mediale Berichterstattungen in den nächsten Monaten und Jahren verändert und inwieweit die Aktivitäten im Rahmen der Kulturhauptstadt sich auf dieses öffentliche Bild von Chemnitz auswirken.

MDR SACHSEN stellt Videoformat für die Kulturhauptstadt vor

Außerdem stellt das Landesfunkhaus Sachsen die Idee für ein neues Format vor, das derzeit für mehrere Social-Media-Kanäle entwickelt wird. "Das erste Format wird ein Videoformat sein, wo wir zusammen mit Reinhardt Lüder sein Chemnitz entdecken", sagt Projektleiter Gunter Neumann. "Herr Lüder ist Diplomingenieur und Mathe-/Physiklehrer und in unserem Projekt ist er ein Stellvertreter für die Generation der über 50-Jährigen. Als solcher wird er selber die Dinge an uns herantragen, die er uns zeigen möchte. Und er wird auch die Fragen stellen, die er fragen möchte."

Die Kollegen des MDR seien eher Begleiter und nicht Journalisten, die etwas vorgeben oder durch Fragen lenken wollen. Vielmehr solle der Protagonist sein Chemnitz und das seiner Altersgruppe zeigen. In den kommenden zweieinhalb Jahren sollen weitere Protagonisten für das Projekt gewonnen werden.

vier Bildschirme in einem Innenraum
Der MDR präsentiert auf der "Pochen" Biennale die Ergebnisse einer Umfrage zum Stimmungsbild über Chemnitz und ein neues Videoformat für die Kulturhauptstadt 2025. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Stellvertreter sollen ihr Chemnitz zeigen

Vorstellbar wäre zum Beispiel, eine 20-Jährige, die ganz sicher eine völlige andere Sicht auf Chemnitz hat, sagt Neumann. "Sie macht vielleicht irgendwelche Raves, setzt sich vielleicht mit dem Gendern auseinander oder mit der Stellung von jungen Frauen in der Gesellschaft heute", erzählt er. "Und die zwei Vertreter von verschiedenen Generationen würden wir natürlich auch versuchen, zusammenzubringen", blickt Neumann schon einmal in die Zukunft.

Das Projekt stehe gerade erst am Anfang und man hoffe, dass in den nächsten zweieinhalb Jahren vier bis fünf Stellvertreter und Stellvertreterinnen auf den Weg gebracht werden könnten, deren Welten man zeigen und auch miteinander verbinden kann. Perspektivisch sollen die Beteiligten als Stellvertreter der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 sich und ihre Stadt auf Youtube, Instagram oder Twitter vorstellen und dabei generationsübergreifend miteinander ins Gespräch kommen.

MDR (ali)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 30. September 2022 | 19:00 Uhr

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