17.05.2019 | 16:30 Uhr 22 Busse aus Sachsen rollen zum Ikarus-Treffen - Fan aus Schneeberg immer dabei

Sie waren aus dem DDR-Berufsverkehr nicht wegzudenken, die Busse der Marke "Ikarus". Noch immer pflegen Enthusiasten historische Busse aus ungarischer Produktion. Alle zwei Jahren fahren sie ihre Schätzchen aus zu einem großen Treffen. Dieses Mal geht es nach Cottbus. Nicht fehlen darf dabei René Junghans aus Schneeberg. Der Familienvater ist ein echter Busfan.

Am Sonnabend findet in Cottbus das inzwischen 6. Ikarus-Treffen in Deutschland statt. In diesem Zusammenhang veranstaltet das Unternehmen Cottbusverkehr einen Tag der offenen Tür auf seinem Betriebshof und bei der Parkeisenbahn. René Junghans vom Freundeskreis Ikarus sagte: "Wir erwarten rund 50 Ikarus-Busse aus den fünfziger bis neunziger Jahren." 22 Fahrzeuge rollten aus Sachsen nach Cottbus. "Die ungarischen Kollegen reisen mit drei Ikarus-Bussen an", so Junghans. Aus Polen seien zwei und aus Tschechien sei ein Ikarus angemeldet. Erstmals ist der ein historischen Bus aus Hoyerswerda dabei.

                              

René Junghans aus Schneeberg ist ein echter Busfan, fotografiert seit knapp 20 Jahren Busse und dokumentiert deren Geschichte. Mehrere zehntausend Fotos hat der 34-Jährige in seinem Archiv. "Jeder hat halt so seinen Spleen, manche bauen sich Modelleisenbahnen, andere gehen gerne in die Kneipe zum Entspannen", sagt er. Bussen hinterher zu jagen, ist für den Erzgebirger ein Ausgleich zum Beruf. Junghans arbeitet als Handformer in einer Gießerei.

 Lebensläufen der Busse auf der Spur

So manchen Bus, der in Deutschland seinen Dienst beendet hat, hat Junghans schon im Ausland aufgespürt. Er erzählt, Linienbusse würden zuerst mit öffentlicher Förderung fabrikneu an kommunale Busbetriebe geliefert, wechselten dann nach einigen Jahren zu Subunternehmern. Die privaten Betreiber setzten ältere Fahrzeuge im Schülerverkehr oder auf Nebenstrecken ein. Später würden die Busse dann nach Osteuropa verkauft, wo sie noch über Jahre treue Dienste leisteten.

Oft verrät die Lackierung den Fachleuten die Herkunft der Busse. Für seine Recherche fotografiert er Busse nicht nur von allen vier Seiten, sondern auch immer das Typenschild, das meist an der Einstiegstür angebracht ist. Mit den Angaben darauf lässt sich jedes Fahrzeug identifizieren. Manche Fahrer seien zwar skeptisch bei so viel Interesse, die meisten Bus-Chauffeure aber doch offen und freundlich. In seiner erzgebirgischen Heimat kennt man den Busfan freilich und gibt ihm Bescheid, wenn ein neues Gefährt zur Flotte stößt.

 Erinnerungen an Kindheit im Ikarus

Auf Internetforen tauschen sich Busbegeisterte über Grenzen hinweg aus. Junghans selbst hat zwar keinen Busführerschein, fährt aber zumindest einen kleinen VW-Bus. "Das hat aber nix mit meinem Hobby zu tun, sondern ganz praktische Gründe", sagt der Familienvater. Er mag übrigens besonders Busse der Marke "Neoplan" – "wegen deren besonderer Ästhetik".

Noch gut erinnert sich Junghans aber auch an die Ikarus-Busse aus seiner Kindheit. "Als Knirps bin ich kaum an die Haltewunschtaste hoch über der Drucklufttür gekommen." Heute sind solche Halteknöpfe viel tiefer an den Haltestangen angebracht; Fahrgäste müssen nicht mal aufstehen, um diese zu drücken. Mit weiteren Mitstreitern aus Sachsen und Thüringen engagiert er sich im "Freundeskreis Ikarus" und ist mit dabei, wenn alle zwei Jahre ein stetig wachsendes Ikarus-Treffen organisiert wird.

Die Geschichte der Ikarus-Busse Die Wurzeln des ungarischen Unternehmens "Ikarus" reichen bis 1895 zurück. Die Omnibusse für verschiedene Einsatzgebiete wurden über Jahrzehnte hinweg weltweit verkauft. In der sozialistischen Staatengemeinschaft war Ikarus im Rahmen der Aufgabenteilung der Hauptlieferant für Busse. Allein in die DDR sollen zwischen 1952 und 1990 etwa 30.000 Busse verschiedener Größen und für verschiedene Einsatzgebiete geliefert worden sein. Ikarus galt mit einer Jahresproduktion von etwa 15.000 Fahrzeugen zeitweise als weltgrößter Busproduzent. Sogar in den USA waren Ikarus-Busse im Einsatz. Als legendär in Europa galten die Typenreihen 55, 66 sowie die ab 1967 vorgestellte Baureihe 200, die ständig weiterentwickelt wurde. Der Bushersteller hat für seine Fahrzeuge im Laufe der Zeit zahlreiche Design-Preise erhalten, aber auch Ehrungen für technische Entwicklungen. In Deutschland endete die Ära der Ikarus-Busse im August 2010 nach 58 Jahren. Der letzte Ikarus-Gelenkbus vom Typ 280.03 fuhr vom sächsischen Zittau aus im Schülerverkehr.

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.05.2019 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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