"Reichsbürger" Sachsens Verfassungsschutz warnt vor "Gemeinwohldörfern"

Der sächsische Verfassungsschutz beobachtet mit Sorge den Aufbau sogenannter Gemeinwohldörfer im Freistaat. Zuletzt war bekannt geworden, dass Reichsbürger in Ostsachsen und im Erzgebirge zwei Schlösser gekauft haben. Dahinter soll der bekannte Reichsbürger Peter Fitzek stecken. Auch in Schönebeck in Sachsen-Anhalt hat Fitzek nach Informationen von MDR AKTUELL versucht Grundstücke zu erwerben.

Eingangsschild des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen in Dresden
Der Verfassungsschutz beobachtet die Aktivitäten sogenannter Reichsbürger. Bildrechte: imago/momentphoto/Killig

Meist kommen sie an den Wochenenden, erzählt Achim Junker, der Bürgermeister von Boxberg bei Görlitz. Dutzende, manchmal sogar knapp 100 Personen, vom Esoteriker bis zum Neonazi, wuselten dann um das Bärwalder Schloss herum, beseitigten Gestrüpp, werkelten am Dach und räumten auf.

Unruhe in der Bevölkerung

Bürgermeister Junker sagt: "Das ist schon in Ordnung, wenn Ordnung geschaffen wird. Es ist aber eine gewisse Unruhe in der Bevölkerung, weil ja das Königreich Deutschland dahinter stecken soll und das bringt in dem kleinen Örtchen Bärwalde natürlich Unruhe und wir hatten dazu auch schon eine Einwohnerversammlung und so weiter. Wir sind mit Polizei, Verfassungsschutz und so weiter in Zusammenarbeit. Und im Augenblick ist noch nichts Schlimmes in Anführungsstrichen passiert."

Das Königreich Deutschland, das ist eine sektenartige Gruppierung um den Reichsbürger Peter Fitzek. Der gebürtige Hallenser hat sich selbst zum König der Gruppe ernannt, mit Zepter und Reichsapfel, verbreitet rechtsextremistische Ideologien und Verschwörungstheorien und lebt von den Spenden seiner Anhänger. Fitzek selbst behauptet, über 4.000 Menschen hätten sich ihm bereits angeschlossen.

Der Präsident des sächsischen Amtes für Verfassungsschutz, Dirk-Martin Christian, warnt deshalb: "Das sind Menschen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland ablehnen. Sie leben in einer Fantasiewelt, sie gründen Fantasiestaaten wie dieses Königreich."

Lausitz und Erzgebirge

Und das nicht nur in Bärwalde in der Lausitz, sondern auch im erzgebirgischen Wolfsgrün bei Aue. Auch dort haben die Reichsbürger um Peter Fitzek ein Schlösschen an der Talsperre Eibenstock erworben, teilt der Verfassungsschutz mit.

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An beiden Orten verfolgten sie das Ziel, autarke sogenannte Gemeinwohldörfer zu gründen, so Dirk-Martin Christian. Er sagt: "Wir sehen, dass sich sektenähnliche Gemeinschaften sich herausbilden, weil man schottet sich ab, es gibt kein Korrektiv, die verlieren den Beug zur Außenwelt. Und wenn man dann die Gewaltbereitschaft und die Waffenaffinität hinzunimmt, dann ist das schon eine Bestrebung von hoher Relevanz."

Anstieg von Straftaten

Reichsbürger seien oft aggressive Menschen, so der Verfassungsschutzpräsident. Menschen, die es zum Beispiel ablehnen Steuern zu zahlen oder mit Führerschein Auto zu fahren und die sich dann auch mit Behörden anlegen. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Straftaten, die von Reichsbürgern ausgingen, in Sachsen um mehr als ein Viertel gestiegen.

Auch Peter Fitzek musste bereits in Haft, unter anderem wegen unzulässiger Versicherungsgeschäfte. Fitzek selbst antwortete nicht auf eine Anfrage von MDR AKTUELL. 

Das in den Jahren 1922/23 erbaute Schloss in Bärwalde diente zu DDR-Zeiten als Lungenklinik. Heute ist das denkmalgeschützte Gebäude in Privatbesitz und dient zu Wohnzwecken.
Das in den Jahren 1922/23 erbaute Schloss in Bärwalde diente zu DDR-Zeiten als Lungenklinik. Heute ist das denkmalgeschützte Gebäude in Privatbesitz und dient zu Wohnzwecken. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Juni 2022 | 06:00 Uhr

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