Protest für Klimaschutz Nur noch wenige Baumbesetzer im Losser Forst

Ein Mann steht vor einem Bücherregal
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Vor einem Jahr haben sich in der Altmark bei Seehausen Baumbesetzer einquartiert. Sie protestieren gegen den Bau der Autobahn und für Klimaschutz. Ihre Hütten befinden sich genau dort, wo die Fahrbahn der A14 langführen soll. Es ist der einzige Abschnitt, für den es noch kein Baurecht gibt. In vier Wochen wird sich das Bundesverfassungsgericht mit einem Einspruch einer Umweltorganisation beschäftigen.

Protestcamp Baumbesetzer Losser Forst
Vor einem Jahr haben sich in der Altmark bei Seehausen Baumbesetzer auf der A14-Trasse einquartiert. Sie protestieren gegen den Bau der Autobahn. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Als vor sechs Wochen das Sturmtief "Zeynep" über Sachsen-Anhalt fegte, da wurde in Seehausen die höchste Geschwindigkeit gemessen. Mit 119 Kilometern pro Stunde pfiff der Wind übers Land und auch durch den Losser Forst.

Einige Baumhäuser der A14-Protestierer wurden derart in Mitleidenschaft gezogen, dass sie herabzustürzen drohten. Der Landkreis Stendal als sogenannte Versammlungsbehörde hat die Nutzung untersagt. Es wurden Metall-Zäune um die Bäume gezogen.

Nur noch wenige Protestierer im Wald

"Wir nutzen die Baumhäuser nicht", versichert eine junge Baumbesetzerin. Man lasse die Behausung ohnehin von Fachleuten prüfen, sagt sie.

Wir sind ja gar nicht auf Konfrontation aus.

Baumbesetzerin im Losser Forst

Neben den rund 15 Baumhäusern gibt es mittlerweile auch zwei Bauwagen, die offensichtlich derzeit bevorzugt bewohnt werden. Bei einem Vor-Ort-Termin sind drei Frauen und ein Mann in dem Privatwald in Losse. Im vergangenen Sommer waren zeitweise mehr als 20 Aktivisten im Wald. Es gehört zum Prinzip der Protestierer, dass sie ihre Namen nicht nennen. Doch bei diesem Besuch sind sie nicht vermummt und reden Deutsch.

In den vergangenen Monaten blieb im Losser Forst offenbar alles friedlich. "Momentan hört man überhaupt nichts", sagt Seehausens Bürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler). Das sei auch schon im Winter so gewesen. Er wisse gar nicht, wie viele Leute dort überhaupt noch seien. "Die Baumbesetzer sind hier bei der Bevölkerung kein Thema mehr."

Ruhe nach aufgeheizten Monaten

Im vergangenen Jahr hatte das noch anders ausgesehen. Dort wurden Sympathisanten der Baumbesetzer mit einem Paintballgewehr angegriffen. Außerdem gab es größere Demonstrationen in Seehausen. Massiver Polizeieinsatz war nötig, um linkes und rechtes Lager zu trennen. Es schaukelte sich hoch. "Ein Ansatz zur Eskalation war vorhanden", sagt Bürgermeister Kloth. Auch die AfD habe die Stimmung angeheizt, als sie im Wald von den Protestierern alte Wahlplakate zurückforderte. "Aus meiner Sicht alles völlig lächerliche Dinge", wie Kloth sagt.

Durch zwei Entscheidungen von Verwaltungsgerichten im Sommer des vergangenen Jahres hatten die Baumbesetzer Recht bekommen. Ihr Protest gilt offiziell als Versammlung. Eine erste Allgemeinverfügung des Landkreises Stendal wurde gekippt. Mittlerweile hat die Behörde eine weitere Verfügung mit Dutzenden Auflagen erlassen. "Diese dienen dem Schutz der Teilnehmer", sagt Landrat Patrick Puhlmann (SPD). Die Auflagen haben mittlerweile auch juristischen Bestand.

Landkreis behält Waldbesetzer im Blick

Protestcamp Baumbesetzer Losser Forst
Aus Sicherheitsgründen hat der Landkreis Metallzäune um die Baumhäuser aufgestellt. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Behördenmitarbeiter kommen wöchentlich und manchmal sogar noch häufiger in den Wald, wie Pressesprecherin Angela Vogel mitteilt. Es gehe dabei nicht darum, Mängel festzustellen, sondern darum, Gefahren zu erkennen. So seien die Protestierenden auf die derzeit erhöhte Waldbrandgefahr hingewiesen worden. Derzeit gilt im Losser Forst die zweithöchste Warnstufe vier. Es gehe für den Landkreis darum, mit dem "mildesten Mittel" die Gefahrenlage abzustellen, so die Pressesprecherin. So seien nach dem Sturm die Zäune um die betroffenen Bäume mit den instabilen Baumhäusern montiert worden.

Schon vor einem Jahr sah Bürgermeister Kloth einen Waldbrand als das fürchterlichste Szenario an. In den vergangenen Jahren hatte es rings um Seehausen öfters heftig gebrannt. Feuerwehrleute mussten sich in Lebensgefahr begeben. Dies wolle er den Kameraden nicht zumuten, um unvernünftigen Leuten zu helfen.

A14-Projekt fast nicht mehr zu stoppen

Während die Baumbesetzter im Losser Forst ausharren, schreiten die Bauarbeiten zur A14 fast in Sichtweite voran. Mit Hochdruck wird an der Brücke über die Elbe nach Wittenberge gebaut. Es ist eines der aufwendigsten Bauprojekte des gesamten A14-Baus.

Allerdings gibt es für den Bauabschnitt, auf dem sich die Protestierer befinden, noch kein Baurecht. Vor einem Jahr hatten die Naturfreunde Sachsen-Anhalt auf den letzten Drücker noch eine Klage eingereicht. Es geht um nicht berücksichtigte Naturschutzvorschriften. Ab dem 26. April beschäftigt sich das Bundesverfassungsgericht mit der Klage.

Bürgermeister Kloth geht nicht davon aus, dass die Klage noch irgendetwas verändert.

Ich gehe hundertprozentig davon aus, dass es planmäßig weitergeht und die Autobahn gebaut wird.

Rüdiger Kloth (Freie Wähler), Bürgermeister von Seehausen

Kloth hofft, dass sie 2025, spätestens aber 2026 fertig wird.

Nach Gerichtsentscheid droht Camp-Räumung

Im vergangenen Jahr hatte der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei einer Baustellenfreigabe im benachbarten Rochau versichert, dass das Geld für die bauvorbereitenden Arbeiten zur Verfügung steht. Es solle kein Zeitverzug mehr entstehen. Mit einer positiven Gerichtsentscheidung könnte es für die Baumbesetzer auch wieder stürmisch werden. Dann droht die baldige Räumung des Camps.

Für die Protestierer ist der Autobahnbau der falsche Weg in die Zukunft. Es würden die wertvollsten Ressourcen, die intakte Natur, Artenvielfalt und feuchte Böden, zerstört, sagt Zoltan Schäfer. Das ohnehin schon trockene Land würde noch weiter mit Beton versiegelt. "Der A14-Bau verhindert eine Verkehrswende", sagt er.

Der junge Grünenpolitiker Schäfer gehört zu den altmärkischen Aktiven, die am Seehäuser Bahnhof das Unterstützerumfeld der Baumbesetzer bilden. Für das erste Aprilwochenende organisiert Schäfer eine Protestfahrt "mit Inlinern, Skateboards, E-Bikes, E-Autos, Rikschas, Pferdekutschen, Kettcars oder Fahrrädern" von Wittenberge nach Seehausen.

MDR (Bernd-Volker Brahms, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. April 2022 | 12:00 Uhr

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