Digitalisierung auf dem Land Ideal – Realität – Zukunft: Wie schnelles Internet der Altmark helfen kann

Ein junger Mann mit kurzem, dunkelblondem Haar steht lächelnd vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Ländliche Regionen wie die Altmark kämpfen mit schwindenden Einwohnerzahlen. Doch wie kann Digitalisierung diesen Trend verlangsamen? Das hat der Studierende Alexander Meyer untersucht. Damit seine Ideen zur Realität werden, müssen aber einige Hürden genommen werden.

Beim Stichwort "Landleben" kommen vielen sofort verschiedene Ideale in den Kopf: viel Ruhe, noch mehr Platz, grüne Natur – alles weitab der Hektik von überfüllten und stickigen Großstädten.

Ein junger mann mit dem Preis für eine Bachelor-Arbeit
Alexander Meyer gewann den Studierendenpreis des Landkreises Stendal. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Genau das fasziniert auch den 26-jährigen Studierenden Alexander Meyer: "Die Altmark ist dünn besiedelt und es gibt viele Möglichkeiten, hier weiter auszubauen. Hier kann man seinen Traum vom erschwinglichen Landleben umsetzen. Das ist auch mein Wunsch. Ich würde gern Tiere halten, da bietet es sich natürlich an, auf dem Land zu leben."

Meyer kommt gebürtig aus einem Dorf nahe Osnabrück in Niedersachsen und ist für sein BWL-Studium nach Stendal gezogen. Schnell ist ihm aufgefallen, dass die Altmark ein Problem mit schwindenden Einwohnerzahlen hat. "Da habe ich mir die Frage gestellt, warum das eigentlich so ist."

Studienpreis für Forschungsarbeit

Der Preis für eine Bachelor-Arbeit
Da ist das Ding! Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Dieser Frage hat Alexander Meyer eine Bachelorarbeit gewidmet. Für die hat er den Studierendenpreis des Landkreises Stendal gewonnen. Eine wichtige Erkenntnis der Arbeit: der Job bestimmt für viele Menschen den Wohnort, zieht die Leute in die Stadt.

"Wie will ich arbeiten, wie will ich leben? Wo will ich arbeiten, wo will ich leben? Aktuell sind diese Fragen noch untrennbar miteinander verbunden", analysiert der 26-Jährige. "Für die klassischen Bürojobs ist es aber nicht mehr nötig, jeden Tag ins Unternehmen zu fahren."

Corona als Wegbereiter für Homeoffice

Vor allem die Coronazeit habe den Menschen die Chancen der Heimarbeit vor Augen geführt. "Die Familie, die derzeit in Berlin wohnt, weil sie dort Arbeit hat, aber das Leben mit Kindern dort sehr ungünstig findet, hat in meiner Überlegung die Möglichkeit, in die Altmark zu ziehen. Und von hier aus für das Berliner Unternehmen zu arbeiten."

Die Argumente für ländliche Regionen wie die Altmark liegen auf der Hand: günstiger Wohnraum, Natur vor der Haustür, in der Regel weniger Stress bei der Suche nach Kita- oder Schulplätzen. Auch Alexander Meyer hat diese Vorteile für sich erkannt. Nach seinem nun abgeschlossenen BWL-Studium möchte der Wahl-Stendaler ein Psychologiestudium anfangen. In seinem Traumberuf Psychotherapeut hat er auf dem Land gute Chancen auf einen Kassensitz und damit auf eine eigene Praxis.

Ohne schnelles Internet geht nichts

Damit aber vor allem Bürojobs auch vom Land aus erledigt werden können, müssen die Voraussetzungen passen. "Die Grenzen dieser digitalen Möglichkeiten stehen und fallen mit der digitalen Infrastruktur, mit dem schnellen Internet. Das ist ein großes Problem", so der 26-Jährige.

Derzeit ist die Altmark dabei aufzuholen und schnelles Internet auch in die Dörfer zu bringen. Bis das aber soweit ist, lässt auch die Umsetzung der Heimarbeit auf sich warten. Manche Berufe können zudem nur vor Ort ausgeübt werden. Beispielsweise muss ein Lehrer vor der Klasse stehen. Und ein Maurer muss das Haus dort bauen, wo es auch stehen soll und ein Frisör kann die Haare nicht digital schneiden.

Co-Working-Spaces auch auf dem Land

Zudem haben im Lockdown einige Menschen für sich erkannt, dass ihnen bei der Heimarbeit die Decke auf den Kopf fällt. Doch dafür gibt es bereits eine Lösung, erklärt Alexander Meyer: "Wer sagt: 'Ich kann mir das nicht vorstellen, den ganzen Tag zu Hause in meiner Wohnung zu sitzen und zu arbeiten', sollte auch die Möglichkeit haben, sich in einen sogenannten Co-Working-Space einzumieten."

Ein Co-Working-Space, ist ein Büro, das sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus verschiedenen Unternehmen teilen. So haben sie soziale Kontakte auf der Arbeit ohne lange zum eigentlichen Unternehmen pendeln zu müssen. "In Großstädten ist gang und gäbe", berichtet Alexander Meyer. Im ländlichen Raum sei dieses Konzept noch eher selten zu finden.

Unterstützung durch Politik und Wirtschaft

Generell sind die Ansätze in der Bachelorarbeit noch Zukunftsmusik. Doch sie könnten sich laut Studierendenpreis-Jury als wertvoll erweisen. So stellte der Geschäftsführer der IHK-Geschäftsstelle Salzwedel, Sebastian Weyl, fest: "Die vorliegende Arbeit liefert damit Impulse, um den Lebens- und Wirtschaftsraum Altmark nachhaltig und zukunftssicher weiterzuentwickeln."

Ob und wie die Impulse umgesetzt werden, liegt vor allem an Wirtschaft und Politik. Das Landleben kann neue Ideen durchaus gebrauchen.

MDR (Jan-Malte Wagener, Max Schörm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT | 09. Dezember 2021 | 13:30 Uhr

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