Erinnerung 100 Jahre Bahnstrecke Arendsee – Salzwedel

Runde Jubiläen werden normalerweise groß gefeiert. In der westlichen Altmark dürfte aber eher Wehmut mitschwingen: In diesen Tagen wäre die Bahnstrecke Arendsee – Salzwedel 100 Jahre alt geworden. Noch liegen zwar die Gleise, Züge sind aber nicht in Sicht – ein Rückblick.

Blick auf den Bahnhof Arendsee vom Beginn des 20. Jahrhunderts sowie 1995
Der Bahnhof Arendsee im Jahr 1995. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf den Bahnhof Arendsee vom Beginn des 20. Jahrhunderts sowie 1995
Über die Eröffnung der Bahnstrecke wurde 1922 in der Zeitung berichtet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Westaltmark wird in diesen Tagen an die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Seehausen-Arendsee erinnert. Der Arendseer Heimatforscher Eckehard Schwarz erklärt bei MDR SACHSEN-ANHALT, zur Eröffnung der staatlichen Nebenbahnstrecke am 3. Mai 1922 sei die Verbindung volksfestartig mit Gästen an jeder Station gefeiert worden. "In Ritze hat man, sonst gab es immer Blumen für die Frauen, zum Beispiel Zigaretten verteilt an die Ehrengäste in den ersten Wagen", so Schwarz.

Eigentlich konnte dieses Kur- und Bäderwesen nur so gut funktionieren, wie Besucher kommen. Und dazu war die Eisenbahn nötig.

Historiker Eckehard Schwarz

Arendsee wurde 1922 zum Eisenbahnknoten

Mit Spaten und Schaufeln wurde die 23 Kilometer lange Strecke seinerzeit errichtet. In Arendsee gab es da bereits einen Bahnanschluss: einerseits eine regelspurige Kleinbahnstrecke nach Stendal über Rossau bei Osterburg und Borstel, andererseits im Abschnitt nach Geestgottberg und weiter nach Wittenberge. Beide Verbindungen bestanden seit November beziehungsweise Dezember 1908. Der 1922 ebenfalls mit eröffnete neue Staatsbahnhof von Arendsee stand gegenüber dem Kleinbahnhof. Beide Strecken wurden mit einem Verbindungsgleis verknüpft.

Auf einer Karte ist die Bahnstrecke Salzwedel-Arendsee verzeichnet, im Hintergrund ist eine Fahrplantabelle zu sehen
Der Verlauf der Bahnstrecke Salzwedel-Arendsee. Bildrechte: MDR/André Plaul

Auf der Bahnstrecke Salzwedel – Arendsee waren zunächst nur drei Zugpaare täglich unterwegs, die für die überwiegend flache Strecke noch 46 Minuten benötigten. Schnell wuchs dann die Bedeutung des Bahnknotens Arendsee – für den Gütertransport durch die Altmark und für Berufspendler, etwa zum Industriestandort Wittenberge mit dem Elbhafen. Zu DDR-Zeiten wurde der Bahnanschluss des Kurortes dann vor allem durch Bade- und Urlaubsgäste sowie für Schulklassen genutzt.

Nach der Wende verlor Arendsee den Bahnanschluss

Blick auf den Bahnhof Arendsee vom Beginn des 20. Jahrhunderts sowie 1995
Nach der Wende wurde die Strecke stillgelegt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

50 Jahre nach Beginn der Bahn-Blütezeit in Arendsee wurde dann schon der Niedergang eingeläutet. Mit zunehmender Bedeutung des Straßenverkehrs endete auf der Kleinbahn nach Stendal zunächst der Güter- und bis 1979 auch der komplette Personenverkehr. Die Bahnstrecke Salzwedel-Arendsee-Wittenberge blieb zunächst erhalten, wurde nach der Wende wegen zurückgehender Fahrgastzahlen aber zur Kostenfrage.

Außerdem war die Verbindung im Vergleich zum Pkw wenig attraktiv: Laut Jahresfahrplan für 1992 benötigte ein Zug auf der 48 Kilometer langen Gesamtstrecke über 75 Minuten Fahrzeit. Zum Dezember 2004 wurde der regelmäßige Personenverkehr, der zuletzt mit klimatisierten Dieselwagen gefahren wurde, auf der Strecke eingestellt. Seitdem ist die Trasse in privater Hand, eine Wiederinbetriebnahme des Personenverkehrs aber nicht abzusehen.

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MDR (Katharina Häckl, André Plaul), inhaltliche Beratung: Eckehard Schwarz, Literatur: Wolfgang List, Kleinbahnen der Altmark, transpress 1979)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Mai 2022 | 08:30 Uhr

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