Waldbrände Freiwillige Dienstzeit im Katastrophenschutz: Feuerwehrchef kritisiert die Idee

Vier bis sechs Wochen sollen Freiwillige im Katastrophenschutz helfen – so eine Idee aus Sachsen-Anhalt. Der Feuerwehrchef des Landes findet die Idee aus mehreren Gründen nicht ausgereift. Vor dem Hintergrund der aktuellen Waldbrände hatte Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) die freiwillige Dienstzeit vorgeschlagen. Außerdem will sie, dass Erste-Hilfe-Kurse deutlich häufiger aufgefrischt werden.

Freiwillige Feuerwehrleute des Internationalen Katastrophenschutz Deutschland „@fire“ laufen durch ein Brandgebiet.
Derzeit sind viele Feuerwehrleute bei Waldbränden im Einsatz – unter anderem in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Bildrechte: dpa

Die Idee aus dem Innenministerium, eine freiwillige Dienstzeit im Katastrophenschutz einzuführen, sieht der Chef des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen-Anhalt, Kai-Uwe Lohse, kritisch. "Aktionismus ist ein schlechter Ratgeber", sagte er auf Anfrage der "Deutschen Presse-Agentur".

Kai-Uwe Lohse, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands Sachsen-Anhalt e.V.
Kai-Uwe Lohse sagt, wenige Wochen im Katastrophenschutz würden keinen Effekt haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es gebe bereits Einstiegsmöglichkeiten für Menschen, die sich für das Ehrenamt interessierten. Daran müsse man weiter feilen. "Für wenige Wochen irgendwo mitzumachen, bringt nix." Bei der Feuerwehr sei man zu schlecht aufgestellt, um solche "Kurzauftritte zu betreuen", sagte Lohse.

Vier bis sechs Wochen könnte der freiwillige Dienst dauern

Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) hatte kürzlich eine freiwillige Dienstzeit für alle 35- bis 60-Jährigen im Katastrophenschutz ins Spiel gebracht. Dafür kämen laut Zieschang unter anderem die Freiwilligen Feuerwehren oder das Technische Hilfswerk (THW) infrage.

"Diese freiwillige Dienstzeit könnte insgesamt vier bis sechs Wochen dauern und gestückelt über mehrere Jahre hinweg absolviert werden", hieß es aus dem Ministerium. Bereits ehrenamtlich Tätige in den entsprechenden Bereichen wären von dem Dienst ausgenommen.

Mit der freiwilligen Dienstzeit sollen laut Ministerin Fähigkeiten zur Bewältigung von Katastrophen erlernt und damit der Brand- und Katastrophenschutz dauerhaft und nachhaltig gestärkt werden. Die Gesellschaft könne "so insgesamt handlungsfähiger und widerstandsfähiger in Krisensituationen werden", sagte Zieschang.

Idee: Erste-Hilfe-Kurse alle fünf Jahre

Zusätzlich zu dem Vorstoß regte Zieschang eine Verbesserung der Erste-Hilfe-Fertigkeiten der Bevölkerung an. "Jeder Erwachsene sollte deshalb regelmäßig, also etwa alle fünf Jahre, seine Kenntnisse mit einem Erste-Hilfe-Kurs auffrischen", so die Ministerin.

Das praktische Wissen aus den Erste-Hilfe-Kursen helfe nicht nur bei größeren Katastrophenfällen, sondern auch im Alltag, etwa bei Verkehrsunfällen oder einem Schwächeanfall an heißen Sommertagen. Arbeitgeber könnten ihren Mitarbeitern entsprechende Angebote machen.

Explosionsgefahr im Wald: Kampf gegen Flammen und alte Geschosse 22 min
Explosionsgefahr im Wald: Kampf gegen Flammen und alte Geschosse Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Viele Einsatzkräfte bei Waldbränden

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer waren und sind in den vergangenen Wochen vor allem bei Waldbränden im Einsatz gewesen. In Sachsen-Anhalt hatte es unter anderem im Landkreis Stendal gebrannt. In Sachsen wird seit Wochen gegen Waldbrände in der Sächsischen Schweiz gekämpft.

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dpa, MDR (Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 07. August 2022 | 17:00 Uhr

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