Nahverkehr Überfüllte Züge? So lief der Start des 9-Euro-Tickets in Halle

Das 9-Euro-Ticket soll Pendler und Reisende entlasten. Schon vor dem Start wurden Zehntausende Tickets in Sachsen-Anhalt verkauft. Das befürchtete Chaos blieb am ersten Tag aber aus – zumindest in Halle. Das könnte sich zum Wochenende ändern, schätzen manche Reisende.

Junge Frau mit Kaffeebecher in einem Bahnhof
Überfüllte Züge oder alles wie immer: Unser Autor hat sich zum Start des 9-Euro-Tickets am Bahnhof in Halle umgesehen. Bildrechte: MDR/Daniel Salpius

Für Bahnreisende am Hauptbahnhof in Halle hat sich der Start des 9-Euro-Tickets im ÖPNV am Mittwoch eher entspannt gestaltet. Heillos überfüllte Züge sind Berufspendlern weitestgehend erspart geblieben. Das hat eine Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT am Morgen vor Ort ergeben.

"Es war vielleicht ein kleines bisschen voller als sonst", hat etwa Britta Grinda beobachtet, die zirka dreimal in der Woche beruflich von Sangerhausen nach Halle pendelt. Dass das auch so entspannt bleibt, glaubt sie allerdings nicht. "Wenn die Reisenden, die das Ticket für die Freizeit nutzen, dazu kommen, wird es bestimmt noch voller", schätzt die Pendlerin. Das 9-Euro-Ticket findet Britta Grinda dennoch "wunderbar". Sie werde über die drei Monate, in denen es zu haben ist, schätzungsweise 600 Euro sparen. "Das finde ich toll."

Wenn die Reisenden, die das Ticket für die Freizeit nutzen, dazu kommen, wird es bestimmt noch voller.

Britta Grinda, Pendlerin

Bahn statt Auto

Sein Auto stehen lassen hat auch Christian aus Halle. "Ich habe mir gerade das Ticket geholt und teste es jetzt aus", erzählte er kurz vor Abfahrt seines Zuges nach Leipzig. Normal pendelt er die Strecke von Halle in die Messestadt täglich mit dem Auto. Die aktuellen Spritpreise seien jedoch Grund genug, es mit dem 9-Euro-Ticket zu probieren. "Vor Corona war ich schon einmal einen Monat lang auf die S-Bahn umgeschwenkt, aber in der Pandemie galt es dann, Kontakte zu vermeiden."

Die Straßenbahn war wegen des neuen Tickets so voll, dass ich zum Bahnhof laufen musste.

Nico, Reisender

Für Nico aus Magdeburg fiel der Start des 9-Euro-Tickets am Mittwoch glücklich mit dem Beginn einer schon länger geplanten Reise in die Alpen zusammen. "Ohne das Ticket hätte ich 140 Euro für die Strecke gezahlt." Allerdings mit dem Fernverkehr. Dass er nun auf Regionalverkehr umschwenken musste, um das bundesweit gültige Sonder-Ticket zu nutzen, stört ihn trotz erheblich längerer Fahrzeit aber nicht. "Ich habe es nicht eilig und Entschleunigung ist ohnehin Ziel meiner Reise. Entschleunigt wurde er dann auch schon am frühen Morgen in Magdeburg: Zum Bahnhof musste Nico laufen, weil die Straßenbahn überfüllt war.

Überfüllte Straßenbahnen auch andernorts

Junge Frau mit Kaffeebecher in einem Bahnhof
Charlotte Reinhardt pendelt regelmäßig von Leipzig nach Halle. Bildrechte: MDR/Daniel Salpius

Der Straßenbahnverkehr hatte offenbar aber auch andernorts mit höheren Fahrgastzahlen zu kämpfen. Das berichtete Charlotte Reinhardt, die von Leipzig nach Halle pendelt. "In der Tram in Leipzig war es richtig voll. Total absurd." In der S-Bahn sei es dann wieder normal gewesen. "Wobei es ohnehin in der S-Bahn immer relativ voll ist. Noch voller wäre also doof." Dass es dazu sicher noch kommen wird, befürchtet Charlotte Reinhardt aber schon. "Viele meiner Freunde wollen sich das 9-Euro-Ticket noch holen und das Auto stehen lassen. Es ist ja gerade einmal der erste Tag."

Sascha Becker dagegen war der Start des 9-Euro-Tickets gar nicht mehr recht bewusst am Mittwochmorgen. Der Student pendelt täglich mit seinem Studenten-Ticket nach Halle. "Mir ist es auch nicht aufgefallen, es war ein ganz normaler S-Bahn-Tag." 

Mehr Fahrgäste am Wochenende erwartet

Das bestätigte auch Pendlerin Lena Dreier. Sie denkt, dass es eher am Wochenende voll werden könnte, wenn die Leute Ausflüge ins Umland unternähmen. Sie selbst hatte das 9-Euro-Ticket noch nicht. "Im Zug konnte ich es mir nicht kaufen, aber ich hole es mir jetzt", so Lena Dreier. Sie überlege sogar, mit dem Ticket in den Urlaub zu fahren und hoffe generell, dass das Angebot auch langfristig bestehen bleibt. "Denn ich verzichte bewusst für die Umwelt auf ein eigenes Auto, obwohl das mit drei Kindern sehr umständlich ist." Ein dauerhaft günstiger ÖPNV wäre da eine Entlastung für sie.

Junge Frau mit Fahrrad in einem Bahnhof
Lena Dreier würde sich wünschen, dass das Ticket noch länger gilt. Bildrechte: MDR/Daniel Salpius

Hüskens: Genug freie Plätze

Wie in Halle stellte sich die Situation am ersten Tag überall in Sachsen-Anhalt dar. Der günstige Fahrschein wurde genutzt – zu überfüllten Verkehrsmitteln kam es allerdings zunächst nicht. "Die Züge waren gut gefüllt, man hat aber überall einen Platz gefunden. So soll das aber auch sein", sagte Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) am Mittwochmorgen am Magdeburger Hauptbahnhof. Auch laut Bundespolizei gab es bis zum Mittag kein Chaos an den Bahnhöfen.

Das Sonderticket gilt seit Mittwoch bundesweit im öffentlichen Personennahverkehr und damit nicht in Fernzügen oder Fernbussen. Die Verbraucher sollen damit angesichts der stark gestiegenen Energiekosten entlastet werden.

Mehr zum Thema: 9-Euro-Ticket gestartet

MDR (Daniel Salpius); dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. Juni 2022 | 05:10 Uhr

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