Gas aus Russland SKW Stickstoffwerke Piesteritz besorgt über Gasdrosselung

Weil Russland die Gaslieferungen nach Deutschland eingeschränkt hat, fürchten die Stickstoffwerke Piesteritz um ihren Umsatz. Im Juni und Juli will man die Produktion zurückfahren.

SKW Stickstoffwerke Piesteritz, 2016
Ohne Gas kann in Piesteritz nur wenig produziert werden. Bildrechte: IMAGO / Steinach

Die Stickstoffwerke Piesteritz im Landkreis Wittenberg blicken mit Sorge auf die gedrosselten Erdgaslieferungen aus Russland. Geschäftsführer Carsten Franzke sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Montag, bei voller Auslastung sei man einer der größten industriellen Erdgasverbraucher Deutschlands. Bereits Ende vergangenen Jahres habe man wegen der hohen Gaspreise die Produktion drosseln müssen.

In den Werken wird unter anderem Stickstoffdünger sowie der Dieselzusatz AdBlue hergestellt. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) bezeichnete das Unternehmen als systemrelevant für Ostdeutschland. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, das Werk sei ein Herzstück der Stickstoffproduktion in Deutschland. Ziel müsse sein, Wertschöpfungsketten zu erhalten, aber auch Gas einzusparen und die Speicher zu füllen.

Eine Collage aus einem Bild vom neuen E-Bus in Halle, Michael Kellner und zwei Hände, die trockene Erde halten. 1 min
Bildrechte: MDR/dpa/Stadtwerke Halle

Gedrosselte Produktion

Noch findet SKW trotz der Preiserhöhungen ausreichend Abnehmer für seine Produkte. Viele Landwirte hatten mangels Alternativen die teuren Düngemittel aus dem Werk vor der Düngesaison im Frühjahr noch bezahlt, sagte Franzke.

Doch bei anhaltend hohen Erdgaspreisen drohten Wettbewerber aus dem Ausland, SKW das Wasser abzugraben. Produzenten in Russland, den USA und auch Nigeria könnten wegen deutlich niedrigerer Erdgaspreise aktuell günstiger produzieren als deutsche Hersteller, erklärte Franzke.

Hier könnte die Politik mit Importzöllen entgegensteuern. Auch um sich angesichts der rasanten Entwicklungen am Markt etwas Luft zu verschaffen, habe man sich dazu entschieden, die jährliche Generalreparatur der Anlagen auf die erste Jahreshälfte vorzuziehen, sagte Franzke. Zwischen Juni und Juli werde die Produktion auf eine Mindestauslastung von etwa 85 Prozent gedrosselt.

dpa/MDR (André Damm, Max Schörm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 27. Juni 2022 | 06:30 Uhr

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