Kult-Modell aus der DDR Das "Krause-Duo" - es fährt und fährt und fährt

Das Krause-Duo ist Kult. Einst gab es den "motorisierten Krankenfahrstuhl" auf Rezept. Heute sind die noch wenigen vorhandenen Examplare unter Fans heiß begehrt. Heute gibt es auch ein dreirädriges Elektrofahrzeug im Handel, das stark an das "Krause-Duo" erinnert.

Krause-Duo
Die "Zweitakt-Freunde Wallhöfen" bei einer ihrer geliebten Ausfahrten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein "Krause-Duo" ist im Straßenverkehr ein echter Hingucker und bei Oldtimertreffen immer wieder gern gesehen. Die einst in Brandis bei Leipzig gebauten Modelle sind bei Sammlern äußerst beliebt. Und das über den Osten hinaus. Bei Bremen etwa haben Duo-Fans sich zu den "Zweitakt-Freunde Wallhöfen" zusammengeschlossen. Regelmäßig touren sie mit ihren "Krause-Duos" durch die Gegend.

Krause-Duo - Cord Puvogel sitzt während der Fahrt im Krause Duo
Cord Puvogel mit Hund Schneewittchen auf Tour im Krause-Duo. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Cord Puvogel ist einer von ihnen. Neben ihm im Zweisitzer (fast) immer mit an Bord ist sein Hund Schneewittchen. Puvogel war auf einer Reise durch Mecklenburg-Vorpommern auf das "Krause-Duo" gekommen. Sofort war er Feuer und Flamme. "So ein kleines Nummernschildchen dran, das musst du haben. Meine Augen klebten an der Windschutzscheibe", erinnert er sich noch heute daran.

Zweitakt-Freunde Wallhöfen - Helmut Koslowski
"Das sind Kultfahrzeuge", sagt Helmut Koslowski von den "Zweitakt-Freunden Wallhöfen". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Helmut Koslowski geht bei den "Zweitakt-Freunden Wallhöfen" seiner Krause-Duo-Leidenschaft nach und schraubt dort auch mit Gleichgesinnten an den Kultmodellen herum. "Das machte richtig Laune, mit so einem Teil zu fahren", sagt er. "Das sind Kultfahrzeuge und die werden heutzutage gesucht. Früher im Osten haben sie die weggeschmissen".

DDR-Produktionsstätte in Brandis bei Leipzig - und die Sache mit der Simson

Ab 1970 wurde das "Krause Duo" in Brandis bei Leipzig gebaut. Der motorisierte Krankenfahrstuhl , der immerhin bis zu 55 km/h drauf hatte, wurde mit Bauteilen einer Simson-Schwalbe ausgestattet. Das "Krause-Duo" ist deswegen auch unter dem Namen "Simson-Duo" bekannt. Wiederzufinden waren etwa "vorne die Lampe, der vordere Kotflügel und die bei der Schwalbe vorn zusammengefügten Kotflügel - hier allerdings auseinander", erklärt Günter Taubert, der als Werksmitarbeiter in der Brandiser Produktionsstätte tätig war.

Zwei Männer in zwei Krause-Duo
Eine Helmpflicht bestand zu DDR-Zeiten nicht. Im Notfall sollten die dünnen Überrollbügel - rechts im Bild gut zu sehen - schützen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu DDR-Zeiten gab es das "Krause-Duo" dabei nur auf Rezept und es wurde über die staatliche Sozialversicherung bezahlt. Dafür mussten aber 3.000 bis 4.000 DDR Mark hingelegt werden. Immerhin waren dann die Reparaturkosten inklusive - und alle sechs Jahre konnte ein neues Modell beantragt werden. Als Fahrvorraussetzung genügte ein Mopedführerschein. Nach der Wende kaufte die Treuhand das Werk. 1992 endete die Betriebserlaubnis für das Werk - und damit die Produktion.

Wieso heißt das Gefährt "Krause-Duo"? Seit Mitte der 1940er-Jahre hat die 1880 in Leipzig gegründete Firma "Louis Krause" Krankenfahrstühle hergestellt, die Menschen mit Behinderungen wieder Mobilität schenken sollten. Diese mussten zunächst noch mit der Hand bewegt werden.

1955 schließlich legte die Firma mit dem motorisierten "Piccolo Trumpf" den Grundstein für das heutige "Krause-Duo". Auch der Vorgänger war bereits ein Zweisitzer auf drei Rädern.

Krause-Duo Piccolo - Raik Alvermann
Der "Piccolo Trumpf" war das Vorgängermodell des "Krause-Duos". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Heute auch Kult bei Jüngeren

Auch junge Leute entdecken das Krause-Duo heute wieder für sich. Der Lebensmitteltechnologe René Denker gelangte über seine Liebe zur Simson S51 schlussendlich auch zu dem dreirädrigen motorisierten Kultgefährt. Besonders zu schätzen weiß er, dass es einfach gebaut ist. "Wenn da dran etwas kaputt ist, muss ich nicht in die Werkstatt, sondern regle das selbst", erklärt Denker.

Während die älteren Fans eher auf Originalität achten und originalgetreu restaurieren, reizt die Jugend die Vielseitigkeit des Fahrzeugs und die Möglichkeit das Duo individuell umbauen zu können. Und weil es noch so viele Liebhaber gibt, die an alten Modellen herumschrauben und sie in Gang halten wollen, werden die Ersatzteile heute sogar noch hergestellt.

Schneller als "normale" Mopeds Krause-Duos gehören quasi zu Gewinnern der Einheit. Laut Einigungsvertrag dürfen diese weiterhin mit 60km/h durch die Straßen düsen, obwohl die Höchstgeschwindigkeit bei Kleinkrafträdern bis zu 50 Kubikzentimeter Hubraum 45 km/h beträgt. Das wurde für alle Kleinkrafträder der DDR, die vor dem 28. Februar 1992 erstmals in den Verkehr gekommen sind, so verankert, um sie den bundesdeutschen Kleinkrafträdern gleichzustellen.

Zudem wird hier so nur der Führerschein AM benötigt, der bereits auch mit 16 Jahren erworben werden kann.

Neu-Produktion nicht erlaubt - aus Schrott wird Neues

Reinhold Stambusch aus Bohmte bei Osnabrück verkaufte schon in den 1980er-Jahren Simson-Mopeds aus der DDR. Nach der Wende erweiterte er sein Geschäft. Er hatte von der Treuhand sämtliche Restbestände aus Brandis aufgekauft und baut Krause-Duos seither neu auf. "Das war ja schon ein Kuriosum als Fahrzeug", so der Bauschlosser.

Ein Mann in einer Garage mit einem grünen Motoroller
Reinhold Stambusch kaufte von der Treuhand alle Brandis-Bestände auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Warum sollten die hier nicht auch fahren?", sagte sich Stambusch. Dabei steht er vor einer besonderen Herausforderung: Nur wenn das neu aufgebaute Duo einen Original-Rahmen mit alter Fahrgestellnummer hat, darf es in den Verkehr gebracht werden. Eine Neu-Produktion ist nicht erlaubt.

Motorisierte Dreirad-Variante mit E-Antrieb aus Fernost

Seit drei Jahren gibt es ein motorisiertes Dreirad-Modell mit E-Antrieb im Handel, das in seiner Funktionalität stark an das Krause-Duo erinnert. Mit maximal 45 km/h liegt die erreichbare Spitzengeschwindigkeit des für stolze 7.000 Euro zu habenden Modells unter dem des Krause-Duos. Anders als das DDR-Kultmodell kommt die aus China importierte Variante mit Rückwärtsgang daher und die Sitze befinden sich aus Platzspargründen hintereinander.

Elektrofahrzeug Dreirad
Das E-Modell kommt auf drei Rädern und mit zwei sich hintereinander befindenden Sitzen daher. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wir brauchen kleine, leichte Fahrzeuge, die wenig Strom verbrauchen und auch wenig kosten und die sich dann auch quasi jeder leisten kann", ist sich Händler Walther Reuschling sicher. "Wenn wir mit dem Klimaschutz vorankommen wollen in dem Bereich, dann wäre es wichtig, den Gesamtenergieverbrauch zu senken", betont er und hofft, dass auch das die dreirädrige Elektro-Variante ihre Fans findet.

ein Krause Duo 9 min
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Umschau Di 28.07.2020 20:15Uhr 09:06 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 28. Juli 2020 | 20:15 Uhr