Geänderte Corona-Verordnung Omikron-Variante ist der Grund für verkürzten Genesenenstatus

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Getestet, geimpft oder genesen – das war lange der Dreiklang im Kampf gegen das Coronavirus. Dabei galt jemand bislang als genesen, dessen Infektion nicht länger als sechs Monate zurücklag. Doch statt sechs Monaten gilt der Genesenenstatus seit Samstag nur noch drei Monate. Eine Entscheidung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium. Eine rein politische Entscheidung ohne wissenschaftliche Grundlagen, beklagen Kritiker.

Eine Tafel vor einem Restaurant an der Hauptstraße informiert die Gäste über die 2G-Regel mit der Aufschrift Geimpft Genesen
Der Genesenenstatus wurde um drei Monate verkürzt – das sorgt bei einigen für Unmut. Bildrechte: dpa

Im Restaurant essen oder auch zum Sport ins Fitnessstudio gehen – das geht meist nur noch mit 2G, also als Geimpfter oder Genesener. Doch genesen ist man nach einer überstandenen Infektion von nun an nur noch für knapp drei Monate. Auf Twitter hagelte es für die Änderung Unverständnis und schäumende Wut. Medizinische Begründungen werden gefordert.

AfD sieht keine wissenschaftliche Grundlage

Auch in der AfD sieht man den verkürzten Genesenenstatus kritisch und ohne jede wissenschaftliche Grundlage. So verweist der gesundheitspolitische Sprecher der AfD Sachsen, Frank Schaufel, auf eine Studie aus Lübeck. Die sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Schutz von Genesenen mindestens zehn Monate anhalte.

Und auch aus seinen persönlichen Erfahrungen könne er das bestätigen: "Mir sind Schilderungen bekannt, die ungefähr vor einem Jahr an Covid erkrankt sind, an der Alpha-Variante. Und die lassen sich aus eigenem Schutzinteresse alle drei Monate die Antikörper bestimmen. Und nach einem Jahr sind die immer noch sehr hoch. Jetzt kommt man natürlich ins Zweifeln, dass die Antikörper als voller Immunschutz nicht anerkannt werden. Das wird einfach unterm Tisch fallen gelassen."

Schuld an Änderung ist Omikron-Variante

Tatsächlich zeigen bisherige Studien, dass viele Menschen nach einer Infektion einen Schutz gegen das Virus entwickeln – allerdings nicht alle. Und diese Studien untersuchten die bisherigen, die früheren Virusvarianten. So gesehen passen die von Schaufel beschriebenen Fälle absolut in das Bild.

Doch mit der Variante Omikron habe sich eben alles geändert, sagt Professor Reinhold Förster, Leiter des Instituts für Immunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover und Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie: "Und zwar dahingehend, dass man gesehen hat, dass Menschen, die sich mit den anderen Varianten infiziert hatten, so gut wie nie neutralisierende Mengen an Antikörpern gegen Omikron gebildet hatten. In unserer Studie sehen wir das auch."

Ex-Delta-Infizierte nicht ausreichend geschützt

Wer vor Omikron eine Corona-Infektion hatte, ist nun also vor der neuen Variante nicht ausreichend geschützt. Das deutete sich bereits in den frühen Studien zur Omikron-Variante an. Die Empfehlungen des RKI, den Genesenenstatus zu verkürzen, zielen vor dem Hintergrund also besonders auf die im Herbst mit Delta Infizierten ab. Für Verwirrung könnte allerdings gesorgt haben, dass die vom RKI angegebenen Quellen nur schwer nachvollziehbar sind und sich oft nur am Rande mit der Immunität von Genesenen beschäftigen.

Trotzdem müsse die Politik auf das Wissen und die Kompetenz des RKI vertrauen, sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Kathleen Kuhfuß: "Das ist für mich eine sehr kausale Angelegenheit, wenn das RKI sagt: 'Achtung, bei Omikron ist das so, dass jemand der genesen ist, trotzdem nur für drei Monate geschützt ist', dass wir dann sagen, der Genesenenstatus ist für drei Monate und danach braucht es eine Auffrischung." Kuhfuß meint Impfung. Doch gerade das wird der ein oder andere Genesene nicht gerne hören.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Januar 2022 | 08:07 Uhr

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