Holzkunst Kunsthandwerk im Erzgebirge: Weihnachtsmarktverbot, und nun?

In der Advents- und Weihnachtszeit hat erzgebirgisches Kunsthandwerk Hochkonjunktur. Rund drei Viertel ihres Jahresumsatzes erwirtschaften viele der Männlmacher, wie sie liebevoll genannt werden, dann – zumindest in regulären Zeiten. Werden pandemiebedingt Weihnachtsmärkte abgesagt, wie nun bereits zum zweiten Mal, haben es die Kunsthandwerker schwer, ihre Schwibbögen, Räuchermännchen, Engel und Pyramiden zu verkaufen. Dennoch lassen sie sich nicht unterkriegen.

Auf einem Brett liegen viele kleine Osterfiguren aus Holz. 5 min
Bildrechte: MDR/Grit Krause

80 Prozent ihres Jahresumsatzes machen viele Kunsthandwerker im Erzgebirge mit dem Weihnachtsgeschäft. Zwischen Neuorientierung und Traditionsbewusstsein - wie geht es der Branche in Krisenzeiten?

MDR KULTUR - Das Radio Do 25.11.2021 18:00Uhr 04:38 min

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Zumindest einen Hauch von Weihnachtsmarktluft gönnt sich Peter Ulbricht in diesem Jahr. Gemeinsam mit zwei Kunsthandwerkerkollegen betreibt er erstmals im Advent in Seiffen ein zünftiges Verkaufsbüdchen. Denn noch dürfen, anders als in der vergangenen Saison, Tagestouristen trotz Teil-Lockdowns ins sogenannte Spielzeugdorf kommen. Allerdings würden die drei Herren, die zusammen als Seiffener HandwerksKunst GbR firmieren, viel lieber ihre filigranen Miniaturen, Kerzenhalter, Pyramiden und Räuchermänner an ihrem Stand auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt verkaufen, wie schon 29 Mal zuvor. Doch Peter Ulbricht und seine Kompagnons haben die Reißleine gezogen und abgesagt.

Online-Shop keine ausreichende Alternative

Ein Kunsthandwerker an seiner Werkbank mit vielen kleinen Holzteilen
Peter Ulbricht stellt in Seiffen im Erzgebirge Holzkunst her. Bildrechte: MDR/Grit Krause

Das Risiko sei zu groß gewesen, meint Peter Ulbricht. Weniger Weihnachtsmarktbesucherinnen und -besucher aufgrund von 2G war eine seiner Befürchtungen, und ebenso konnte man in diesem Jahr kaum auf die sonst so zahlreichen Gäste aus dem Ausland hoffen. Vor allem sie waren es, die nicht nur alljährlich sein Geschäft in Ulm angekurbelt haben, sondern auch als wertvolle internationale Kontakte für ihn und sein echt erzgebirgisches Kunsthandwerk von Bedeutung sind. Nicht umsonst gehören Händler aus Asien und den USA zu seinem festen Kundenstamm.

Peter Ulbricht muss jetzt sehen, wie er seine Holzkunst an den Mann bzw. die Frau bringt. Der firmeneigene Onlineshop, in dem ein Großteil der Produktvielfalt des kleinen Handwerksbetriebs angeboten wird, sei zwar eine Alternative, aber letztlich reiche, so der Männlmacher, der Vertrieb darüber bei weitem nicht an die Dimensionen eines Weihnachtsmarktstandes heran.

In der Werkstatt gibt’s immer zu tun

Eine geschnitzte Weihnachtsmannfigur hängt an einer Kordel.
Die Kletterfiguren sind seit über 50 Jahren das Markenzeichen der Firma Ulbricht. Angefangen hat alles mit einem Miniaturbergmann am Faden. Bildrechte: Holzspielzeug & Kunstgewerbe, Peter Ulbricht

In dem kleinen Familienbetrieb von Peter Ulbricht, Jahrgang 1962, wird nach wie vor produziert. Derzeit konzentriert man sich bei den Figuren und Motiven bereits auf Ostern, um die Sauregurkenzeit, die sich gewöhnlich nach der Weihnachtssaison einstellt, zu überbrücken.

Der Vorteil von Peter Ulbrichts Firma ist zudem, dass er Holzspielzeuge in seinem Portfolio hat, die übers ganze Jahr nachgefragt werden. Dazu gehören vor allem die bekannten Kletterfiguren – kleine handgefertigte Holzfiguren, die man durch Ziehen an einem Faden in die Höhe klettern lassen kann. Seit über 50 Jahren macht diese Erfindung der Familie mit das Kerngeschäft des Kunsthandwerkbetriebs aus. Angefangen hat es – klassisch für die Region – mit einem Miniaturbergmann, mittlerweile bietet Peter Ulbricht über 20 verschiedene Figuren am Kletterseil an.

Ohne Plan B geht nichts

Nach den Erfahrungen im vergangenen Jahr hat Peter Ulbricht einen neuen Geschäftszweig für sich entdeckt und in eine CNC-Fräsmaschine investiert. Mit ihr kann er Holzteile hochpräzise ausschneiden, zum Beispiel Elemente für seine Pyramiden. So konnte er die eigene Produktpalette vergrößern.

Ein Kunsthandwerker schleift an einem Schleifstein.
Peter Ulbricht ist Männlmacher aus Leidenschaft. Bildrechte: MDR/Grit Krause

Häufig nutzt er die Fräse aber auch, um Aufträge anderer, oft branchenfremder Firmen zu erledigen. Das Spektrum reicht dabei von Designprodukten in kleinen Stückzahlen bis hin zu Holztoilettensitzen für einen Wohnmobil-Hersteller.

Für Peter Ulbricht wiederum soll dieses Standbein künftig das wirtschaftliche Überleben seines Familienbetriebes sichern. Denn neben der anhaltenden Begeisterung für echt erzgebirgische Holzkunst ist eben auch Made in Germany gefragt wie nie.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. November 2021 | 18:05 Uhr