Podcast "Gundermann"-Autorin Stieler: "Normale Schwarz-Weiß-Geschichten hatten wir schon viele"

Laila Stieler hat nicht nur für ihr Drehbuch zu "Gundermann", sondern nun auch für den neuen Film von Andreas Dresen "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" Preise gewonnen. Bei MDR KULTUR erzählt sie, warum Drehbuchautoren und -autorinnen mehr Aufmerksamkeit brauchen.

Selbst wenn man den Namen Laila Stieler nicht kennt, ihre Filme und Serien sind sehr bekannt. Die gebürtige Thüringerin hat unter anderem das Drehbuch für den Kinofilm "Gundermann" und für die Serie "Tina mobil" geschrieben. Für das Buch zum neuen Film von Andreas Dresen, "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush", wurde sie mit dem Silbernen Bären der Berlinale 2022 ausgezeichnet.

Mit diesem Preis habe sie gar nicht gerechnet, erzählt Stieler im Interview mit MDR KULTUR. "Ich wusste ja bis kurz vor der Veranstaltung nicht mal, dass es überhaupt einen Drehbuchpreis gibt bei der Berlinale." Für sie sei es "eine sehr, sehr große Auszeichnung", die sie auch in Vertretung vieler Autorinnen und Autoren entgegengenommen habe, die immer hinter den Schauspielern und Regisseuren im Hintergrund blieben.

Berlinale auf den hinteren Plätzen

Das habe sie bei der Berlinale selbst erleben müssen. "Ich bin zur Eröffnung eingeladen worden. Zu unserer Delegation des Filmes gehörten etwa zehn Menschen, und ich hatte als einzige irgendwo im zweiten Rang einen Platz, während alle anderen im Parkett saßen", erzählt die Drehbuchautorin. "Wer denkt sich das denn aus: Die ist nicht wichtig, die setzt man in den Rang? Das verstehe ich gar nicht, das bringt mich wirklich auf." Bei der Abschlussveranstaltung saß sie allerdings auch in den vorderen Reihen – schließlich erhielt sie den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. "Ich finde, dass alle Drehbuchautoren gesehen werden müssen", betont Stieler. Gerade in Zeiten, in den es viele tolle Serien auf dem Markt gebe, bekämen sie aber auch schon mehr Aufmerksamkeit.

Der Berlinale-Preis war nicht Stielers erste Auszeichnung. Für ihr Drehbuch zu "Gundermann" gewann sie 2019 den Deutschen Filmpreis. Der Film mit Alexander Scheer in der Hauptrolle erzählt von dem Liedermacher der DDR, der einerseits ein rebellischer, oppositioneller Geist, andererseits ein Stasi-IM war. "Der Graubereich war wichtig. Normale Schwarz-Weiß-Geschichte hatten wir bis dahin schon viele gesehen", erinnert sich Stieler. Sie habe mit Regisseur Andreas Dresen überlegt, warum sie gerade Gundermanns Geschichte erzählen wollen, und Dresen hätte gesagt: "Er ist wie wir – ein bisschen dafür, ein bisschen dagegen und eigentlich so voller Widersprüche." Bis dahin hätte sie in Filmen die DDR-Bürger immer entweder als Mitläufer oder als Dissidenten erlebt.

Laila Stieler
Laila Stieler (li.) mit dem Filmteam von "Gundermann" Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Das gleichzeitige Dafür- und Dagegensein von Gundermann sei aber auch schwierig zu erzählen gewesen. "Und ich habe am Anfang seine Stasi-Tätigkeit unterschätzt", erzählt Stieler. Er selbst habe das ja immer als "Pillepalle" abgetan, aber als sie seine dicken Stasi-Ordner gelesen habe, stand da eine Menge. "Dieses akribische Notieren von Fehlverhalten anderer Leute, musste ich tatsächlich erst mal verdauen."

Zur Person Laila Stieler wurde 1965 in Neustadt an der Orla in Thüringen geboren. Sie ist die Tochter der Dokumentarfilmer Barbara und Winfried Junge, die mit der Langzeitdokumentation "Die Kinder von Golzow" bekannt wurden. Laila Stieler schrieb die Drehbücher für mehrere Filme von Andreas Dresen: Neben "Gundermann“ und "Rabiye Kurnaz vs. George W. Bush" (Kinostart: 28. April) auch "Wolke 9" und "Stilles Land". Für ihr Skript zu "Die Polizistin" erhielt sie sowohl den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste 2000 als auch den Adolf-Grimme-Preis in Gold.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. März 2022 | 12:00 Uhr

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