Serienempfehlung "Schneller als die Angst": Warum der Krimi aus Magdeburg so erfolgreich ist

Die alte JVA in Magdeburg, Schloss Randau und die Ehlebrücke bei Biederitz: An diesen Drehorten in Sachsen-Anhalt ist die aktuell erfolgreiche Krimi-Serie "Schneller als die Angst" entstanden. In der sechsteiligen Thriller-Reihe von MDR und ARD Degeto treibt ein entflohener Frauenmörder in Magdeburg und Umgebung sein Unwesen. Ausgerechnet eine durch männliche Gewalt traumatisierte Polizistin, gespielt von Friederike Becht, begibt sich auf die Jagd nach dem Serientäter – und wird im Verlauf der Geschichte selbst zur Gejagten.

Ein Polizist (Christoph Letkowski) zielt mit einer Waffe in Kamerarichtung.
Der Ermittler Markus Fechner wird von Christoph Letkowski gespielt, der in Halle geboren wurde und bei Magdeburg aufgewachsen ist. Bildrechte: ARD Degeto/MDR/Stephan Rabold

Ein Krimi soll in erster Linie spannend sein, den Zuschauenden in Atem halten. Das schafft die Serie "Schneller als die Angst", indem sie die Elemente aus dem Serienbaukasten clever zusammenstellt. Die junge toughe Zielfahnderin Sunny kommt nach längerer Abwesenheit zurück in die Truppe vom LKA Magdeburg und will beweisen, dass sie wieder fit ist, belastbar und keine Probleme hat.

Traumatisierte Polizistin jagt Frauenmörder

Dass die junge Frau vergewaltigt worden ist, verschweigt sie ihrem Team vorerst. "Eigentlich ist sie ja wie eine Schiffbrüchige, die versucht wieder an Bord zu kommen, um weiter ihr Leben zu leben, ihren Job zu machen, den sie liebt, in ihrer Polizeifamilie zu sein sich nicht 'ausknocken' zu lassen vom Leben", beschreibt die Schauspielerin Friederike Becht ihre Rolle.

Der Ausbruch des brutalen Frauenmörders Haffner, gespielt von Felix Klare, kommt da als Bewährungsprobe gerade richtig, ist aber auch eine Überforderung. Sunny wird von Flashbacks heimgesucht. Im Verlauf der Geschichte verbinden sich die Jagd nach dem Mörder mit der Suche nach dem Mann, der sie vergewaltigt hat.

Die Konflikte im Team spitzen sich zu, als klar wird, dass es einen Maulwurf in den eigenen Reihen zu geben scheint. "Das Starke ist, dass es der Serie gelingt, dass man immer in die verschiedenen Köpfe der Leute eintaucht und aus verschiedenen Perspektiven die Geschichte wahrnehmen kann", erklärt Becht.

Friederike Becht als LKA-Kommissarin Sunny Becker
"Wir folgen einem Täter, der geflohen ist an ganz unterschiedlichen Stellen – und das hat Magdeburg alles in sich gehabt", erklärt Schauspielerin Friederike Becht. Bildrechte: ARD Degeto/MDR/Stephan Rabold

Magdeburg als Kulisse für überraschende Handlung

Die Serie "Schneller als die Angst" ist eine klassische Polizeigeschichte und erzählt von der Fahndung nach einem Mörder, von Rückschlägen, von Konkurrenz, den körperlichen und psychischen Belastungen. Es gibt immer wieder überraschende Wendungen und Nebenstränge. In der gemeinsamen Arbeit kommt es zwar auf den Einzelnen an, aber der muss sich in einem hierarchisch organisierten Apparat unterordnen.

André Haffner (Felix Klare) bewahrt Sunny Becker (Friederike Becht) vor dem Sturz aus einem Rundbogen des Schloss Randau.
Das Schloss Randau bei Magdeburg wird in "Schneller als die Angst" gekonnt in Szene gesetzt. Bildrechte: ARD Degeto/MDR/Stephan Rabold

Die Rollenbilder sind modern, aber auch klassisch: Der brutale Frauenmörder Haffner, den Felix Klare mit einer überzeugenden und unheimlichen Körperlichkeit spielt. Es geht um schlimme Gewalt gegen Frauen, die leider viel zu oft zum erfolgversprechenden Setting von Krimis gehört. Als Gegenspielerin: eine durch männliche Gewalt traumatisierte Polizistin, die mit viel Energie ihre Wut in Schach hält, aber auch ihre Schwächen verbergen muss, um zu bestehen.

Ein Stück Opferperspektive scheint hier in der Hauptfigur Sunny auf. Friederike Becht beschreibt die psychologische Dimension so: "Wir sollten alle zu unseren Schwächen stehen und unseren Verletzungen, die wir uns zugezogen haben, denn wenn nicht, dann wachsen sie uns über unseren Kopf". Unabhängig vom Geschlecht werde dieses Thema in der Serie unterschwellig behandelt.

Kommissar Michael Lehmann (Peter Schneider) und Kommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth) halten während eines Verhörs im Polizeirevier Bernd Brinkmann (Torsten Ranft) in Zaum. mit Audio
Kommissar Michael Lehmann (Peter Schneider) und Kommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth) halten während eines Verhörs im Polizeirevier Bernd Brinkmann (Torsten Ranft) in Zaum. Bildrechte: MDR/filmpool fiction/Felix Abraham

ARD-Serie kann mit Streamingdiensten mithalten

Die Serie "Schneller als die Angst" ist temporeich und knüpft auch mit der perfekten Kameraführung und einem wirklichen guten Timing an Standards an, die Streamingdienste mit ihren Produkten in den letzten Jahren gesetzt haben. 

Die Handlung ist zudem überzeugend in Magdeburg in Szene gesetzt – und die Stadt passt einfach zur Serie, meint Friederike Becht: "Magdeburg hat einfach total viel zu bieten, Elblandschaften, wir waren im leerstehenden Gefängnis, in Hochhäusern und auf Hochhäusern. Wir folgen einem Täter, der geflohen ist an ganz unterschiedlichen Stellen – und das hat Magdeburg alles in sich gehabt".

"Schneller als die Angst" – eine Serie, die häppchenweise, aber noch besser hintereinanderweg geschaut werden kann.

Die Ermittlerin Johanna Delling (Lisa Hrdina) befragt "Babsy" (Steffen Münster) in der JVA Magdeburg.
Die ehemalige JVA Magdeburg war einer der Drehorte der Serie "Schneller als die Angst". Bildrechte: ARD Degeto/MDR/Stephan Rabold

Weitere Informationen "Schneller als Angst"
Sechsteilige Fernsehserie
Deutschland 2021

Die Serie ist noch bis zum 30. Juni 2022 in der ARD Mediathek abrufbar.

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Friederike Becht 47 min
Bildrechte: IMAGO / Future Image
47 min

MDR KULTUR - Das Radio So 26.12.2021 12:00Uhr 46:35 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Januar 2022 | 16:15 Uhr

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