Doku-Tipp Ferien in der DDR: Was von den Urlaubsträumen aus Beton geblieben ist

Plätze im Ferienheim oder Hotel waren in der DDR heiß begehrt – ob im legendären Panorama-Hotel in Oberhof, dem größten FDGB-Ferienheim in Friedrichroda oder im berühmten "Fichtelberg" in Oberwiesenthal. Die neue Doku "Urlaubsträume in Beton" wirft einen Blick zurück auf die Architektur und Ästhetik dieser DDR-Ferienbauten vom Erzgebirge über den Thüringer Wald bis zur Ostsee – und zeigt, was von ihnen heute noch geblieben ist.

Ein Hotel umgeben von Wald. Das Hotel besteht aus zwei Gebäuden, die jeweils wie Ski-Schanzen geformt sind.
Das Panorama-Hotel in Oberhof ist heute legendär und noch in Betrieb. Auch um die Architektur dieses Hotels geht es in der Doku "Urlaubsträume in Beton". Bildrechte: MDR/ZAUBERBERGFILM

Trotz Mauer und staatlicher Urlaubslenkung waren die DDR-Bürgerinnen und Bürger eines der reisefreudigsten Völker Europas. Das Ziel ihrer Reisen: ein heißbegehrter Platz in einem der Ferienheime und Hotels, ob im Plattenbau-Ferienhaus am Binzer Ostseestrand, FDGB-Erholungsheim im thüringischen Wald oder dem Hotel "Am Fichtelberg" im Erzgebirge.

Einige dieser einst sozialistischen Bettenburgen stehen bis heute und werden inzwischen nicht nur von Urlaubsreisenden, sondern auch von Historikerinnen und Historikern als einmalig geschätzt und bewundert. Die Doku "Urlaubsträume in Beton" in der ARD Mediathek wirft einen prüfenden Blick zurück auf die Urlaubsarchitektur der DDR, die Ästhetik und die "Haltbarkeit" von Bauten wie dem "Rennsteig-Hotel" in Oberhof oder dem Ferienheim "Arkona" an der Ostsee.

Sind diese Bettenburgen unverzeihliche Bausünden oder am Ende überraschend mutige Architektur? Das fragen auch die beiden anderen Filme der Doku-Reihe zu "Urlaubsträumen in Beton" am bulgarischen Goldstrand oder im französischen La Grande Motte.

Die dreiteilige Doku in der ARD MEDIATHEK

Architektur von Klassismus bis Plattenbau

In der DDR wird mit ihrer Gründung der Bau von Ferienkomplexen zur Pflicht, denn die Verfassung schreibt das Recht jeden Bürgers auf Urlaub fest. Im thüringischen Tabarz lässt der Gewerkschaftsbund 1951 eines der ersten Ferienheime für seine Arbeiterinnen und Arbeiter am Fuß des Inselbergs bauen: einen mächtigen Portalbau des sozialistischen Klassizismus, das in ein schlichtes Bettenhaus übergeht.

Für die Architekturhistorikerin Daniela Spiegel ist das Gebäude – halb Palast, halb Heilstätte – ein Schatz: "Hier ist sehr schön zu sehen, wie so ein Gebäude dieser frühen 50er-Jahre noch schwankt in der Formfindung: Was eigentlich ist die Architektur eines Ferienheims, was kein Hotel ist, sondern ein kollektives Urlaubserlebnis abbilden soll?“

Ein Hotel in Plattenbau-Architektur, umgeben von einem Park mit Büschen und Bäumen.
Das Hotel "Rennsteigblick" im Kurort Finsterbergen war eines der größten in der DDR. Bildrechte: MDR/ZAUBERBERGFILM

In der DDR soll Urlaub nicht – wie im Westen – eine Flucht vor der Arbeitswelt, sondern eine Kraftschöpfungsphase für den weiteren Aufbau sein. Es geht um ein Aufatmen – gerade für die von der Industriearbeit qequälten Arbeiterlungen. Bestmögliche Erholung verspricht auch der traditionelle Luftkurort Finsterbergen, mit seinem alten Kurhaus auf dem Gipfel des Thüringer Dinsterberges. 1976 wird das Ferienheim, das aus mehreren Beton-Würfeln zusammengesetzt ist, mit einem Architekturpreis ausgezeichnet. Es sollen noch mehr davon entstehen, doch der Wohnungsbau bekommt zu dieser Zeit Priorität.

Urlaubsträume im Sozialismus – nicht für alle

Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage der DDR wird ab 1976 ein weiterer Betongipfel auf dem Thüringer Reinhardsberg errichtet. "Der planende Architekt, Walter Schmidt, vom VEB Hochbau Kombinat Nordhausen hat ganz trickreich argumentiert, dass das für die Erholung der Werktätigen viel zuträglicher sei, wenn man da oben diese gute Luft atmen würde", erklärt Daniela Spiegel, Autorin des Buchs "Urlaubsträume des Sozialismus."

1.600 Urlauberinnen und Urlauber sollen in dem Hochbaukombinat in Friedrichroda, das sich wegen seiner gelben Farbe und der wabenförmigen Öffnung schnell den Ruf eines Bienenstocks einholt, Urlaub machen können. Es haben jedoch nur besondere Gäste Zutritt – diesmal sind es nicht die aus dem Westen, erinnert sich die ehemalige Leiterin Jaqueline Schambach: "Man kam hier in dieses Haus nur, wenn man verdienter Arbeiter war, also als Auszeichnungsreise. Es war schon was Besonderes, allein durch das Schwimmbad, was eine extreme Größe hatte für die damalige Zeit."

Ein Plattenbau, der zu DDR-Zeiten als Hotel genutzt wurde.
Das Feriengebäude auf dem Reinhardsberg war das größte FDGB-Ferienheim in der DDR. Bildrechte: MDR/ZAUBERBERGFILM

Das berühmte Interhotel Panorama in Oberhof

Jaqueline Schambach arbeitet heute als Managerin in einem Ferienheim, das das Ende der DDR überlebt hat: Das 1969 gebaute Panorama-Hotel in Oberhof. Das wohl berühmteste Feriengebäude des Landes ragt aus dem Thüringer Wald, wie ein Bildzeichen über die Tannenwipfel hinaus. Es erinnert in seiner Form an zwei Skischanzen. "Wobei eben die Architekten das nicht so gerne wollten, sondern eigentlich gemeint haben, es geht um die Fortsetzung dieser Berglandschaft", so die Architekturhistorikerin Daniela Spiegel.

Zusätzlich zum Skischanzen-Hotel soll zu dieser Zeit in Oberhof ein zweites Bildzeichen entstehen, das vom Architekten der Berliner Stalin-Allee Hermann Henselmann entworfen wird. Dieser errichtete in Leipzig ein Buch als Universitätsgebäude und für die Carl-Zeiss-Werke in Jena ein Fernrohr-Haus. Für Oberhof designt er ein dickes R  – das Wegzeichen des vorbeiführenden Rennsteigs. Oberhof soll eine Gesamtkomposition werden: Die Gäste der Welt und die Werktätigen sollten sehen, dass man was geschafft hatte, in der kleinen, eingemauerten DDR.

Ein Hotel umgeben von Wald. Das Hotel besteht aus zwei Gebäuden, die jeweils wie Ski-Schanzen geformt sind.
Das Skischanzen-Hotel in Oberhof ist ein typisches Beispiel für die Bildzeichen-Architektur der DDR. Bildrechte: MDR/ZAUBERBERGFILM

Was von DDR-Ferienbauten nach der Wende bleibt

Nur wenige der DDR-Ferienbauten haben die Wendezeit überlebt. Viele standen leer, verfielen und wurden geplündert. Jörg Müller war im sächsischen Oberwiesenthal jahrzehntelang technischer Leiter in mehreren Hotels. In der DDR und auch danach. Eines der geklauten Objekte ist ein Emaille-Wandbild aus dem Hotel "Aktivist" – das nun wieder nach Oberwiesenthal zurückgekehrt ist. Gerade die Kunst am Bau war das, was die recht eintönige, von Sparmaßnahmen gezeichnete DDR-Bauweise dennoch funkeln ließ.

So auch im "Fichtelberg" im Erzgebirge – ein massiver Plattenbau mit viel Holzverschalung. Die besten Formgestalter der Republik durften sich zumindest innen austoben, so wie der berühmteste Designer der DDR Claus Dietel. Von ihm stammt die Tropfsteindecke aus Abfallrohren in der Knappenstube des "Fichtelbergs". In diesem Raum wurde zu DDR-Zeiten jeden Abend getanzt, erinnert sich Jörg Müller.

Noch heute ist in der Ferienarchitektur der DDR viel Leben – ob beim Wintersporturlaub in Thüringen und Erzgebirge oder im Sommer in den "Urlaubsträumen in Beton" an der Ostseeküste.

Aufnahme aus der Vogelperspektive: ein Strand am Meer mit Hotels an der Promenade.
Das "Arkona"-Hotel in Binz wird noch heute genutzt. Bildrechte: MDR/ZAUBERBERGFILM

Informationen zur Doku-Reihe Doku: "Urlaubsträume in Beton"
Eine Koproduktion von MDR, RBB und arte.

3 Teile: Frankreich, DDR, Bulgarien
Länge: jeweils 30 Minuten

Ab 04.08.2022 in der ARD Mediathek verfügbar.

Termine im MDR-Fernsehen:
Teil 1: "Urlaubsträume in Beton - DDR": 04.08., 22:10 Uhr
Teil 2: "Urlaubsträume in Beton - Frankreich": 11.08., 22:10 Uhr
Teil 3: "Urlaubsträume in Beton - Bulgarien": 18.08., 22:10 Uhr

(Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic)

Urlaub und Ferien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 05. August 2022 | 02:05 Uhr