Trauer DEFA-Vorstand und Filmjournalist Ralf Schenk gestorben

Der langjährige Vorstand der DEFA-Stiftung Ralf Schenk ist tot. Wie die Stiftung am Freitag mitteilte, starb der Filmjournalist am 17. August nach kurzer, schwerer Krankheit. Von 2012 bis 2020 leitete er die Institution und setzte sich unter anderem für die Digitalisierung von DEFA-Produktionen ein. Er wurde 66 Jahre alt.

Geboren wurde Ralf Schenk im thüringischen Arnstadt, wo er schon als Jugendlicher begann, Filmkritiken zu schreiben. Schließlich ging er nach Leipzig, um Journalistik zu studieren. Dort leitete er den Jugendfilmklub Capitol und veröffentlichte in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften Texte über Film und Kino, wobei er einen Schwerpunkt auf Produktionen aus Ost-Europa und der DEFA legte. Später arbeitete er für verschiedene Filmfestivals wie dem Dok Leipzig oder der Berlinale, wo er Programme plante und in Jurys wirkte.

Engagiert in der Aufarbeitung der DEFA-Geschichte

Nach 1990 machte sich Schenk um die Aufarbeitung der DEFA-Geschichte verdient. So gab er die Bücher über die unterschiedlichen Abteilungen des Filmstudios heraus. In Büchern wie "Verbotene Utopien" und "Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme", die Schenk mit herausgab, wurden wichtige Leerstellen in der Filmgeschichte beleuchtet. "In der Zeit kurz nach der Wende, wo man vieles, was DDR Film und Fernsehen war, nur als Propaganda abgetan hatte, hatte Schenk Blick und Arbeit auf die DEFA-Filme gerichtet und eine kritische und faire Würdigung angestoßen", meint MDR KULTUR-Filmredakteur Stefan Petraschewsky. "Ohne diese Pionierarbeit hätte der DEFA-Film nicht die Bedeutung, die er heute hat. Seine Arbeit war unersetzlich!"

MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann zeigte sich beeindruckt von Schenks enormem Detailwissen über die DEFA: "Man konnte ihn fragen, was immer man wollte", er habe fast alles gewusst. Auch habe Schenk wirklich sämtliche DEFA-Filme gesehen, "jeden einzelnen – ich glaube, da war er einmalig", so Elstermann. "Mit ihm ist dieses Wissen jetzt leider Gottes verschwunden."

Ein besonderes Interesse hatte Schenk auch an verschollenen und verbotenen Filmen, von denen er einige rekonstruierte. "Sein Name wird immer eng mit der Geschichte der DEFA und der DEFA-Stiftung verbunden bleiben", sagte DEFA-Stiftungsvorstand Stefanie Eckert angesichts der Nachricht. "Sein Humor, seine Neugierde und seine Begeisterungsfähigkeit werden uns fehlen."

Auch Claas Danielsen, Geschäftsführer der Mitteldeutsche Medienförderung GmbH (MDM) äußerte sich bestürzt: "Sein Tod bedeutet einen immensen Verlust für die deutsche Filmpublizistik. Zugleich ist Ralf Schenks Lebensleistung Ansporn für die weitere fundierte Aufarbeitung des ostdeutschen Filmerbes und die Unterstützung des neuen deutschen Filmnachwuchses."

Für seine Leistungen rund um das Erbe der DEFA erhielt Schenk 2020 das Bundesverdienstkreuz. Außerdem war er als Experte zur DDR-Filmgeschichte ein gefragter Gesprächspartner. Erst im Mai 2022 erschien das Buch "Publikumspiraten. Das Genrekino der DEFA und seine Regisseure (1946-90)", an dem Schenk noch mitgearbeitet hatte. Am 15. September wird Ralf Schenk in Berlin beerdigt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. August 2022 | 13:30 Uhr

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