Auszeichnung Dessauer Bauhaus erhält verspätete Ehrung als "Museum des Jahres 2020"

Das Bauhaus Museum in Dessau ist von Kunstkritikern als "Museum des Jahres" ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde bereits zu Jahresbeginn zuerkannt, aufgrund der pandemischen Lage konnte der Preis nun erst verspätet am 4. Dezember überreicht werden. Weitere Auszeichnungen für Ausstellungen des vergangenen Jahres wurden für "Artists and Agents – Performancekunst und Geheimdienste" an den Hartware MedienKunstVerein in Dortmund und für "Bonzo’s Dream" an das Brücke-Museum Berlin verliehen.

Treppenaufgang mit Panorama-Fenster im historischen Bauhausgebäude in Dessau 4 min
Bildrechte: Stiftung Bauhaus
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Das Bauhaus Museum in Dessau ist das "Museum des Jahres". Sandra Meyer, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt, berichtet über die Preisverleihung.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 04.12.2021 06:00Uhr 04:07 min

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Relativ kurz nach der Eröffnung des neuen Museums vor zwei Jahren wird die Stiftung Bauhaus Dessau bereits ausgezeichnet. Für die Direktorin Barbara Steiner ist dies ein Ritterschlag, auch wenn sie selbst nicht verantwortlich war und erst vor einem Jahr ihren Posten angetreten hat.

Es ist natürlich eine große Auszeichnung – und es ist ein Ansporn. Es ist ein Ansporn für das Kommende, aber natürlich auch eine Bestätigung für das, was bisher geschafft wurde.

Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau

Denn mit dem Museum ist ein Standort dazugekommen, der sehr viele Möglichkeiten bietet, der aber auch neue Herausforderungen bereitstellt. Insofern kommt der Preis zum richtigen Zeitpunkt.

Das Fehlen der Eindeutigkeit im Bauhausstil

Die Pandemie ist nicht die einzige Herausforderung: Das gläserne Gebäude inmitten der Stadt, zwischen Einkaufscenter und öffentlichem Park, muss sich viel einfallen lassen, um auch die Dessauer Kulturinteressierten anzulocken. Dafür hat man im Untergeschoss des großen lang gestreckten Kubus beispielsweise versucht, eine offene Bühne zu installieren.

Bauhaus Dessau
Die Stiftung Bauhaus Dessau. Bildrechte: IMAGO / Laci Perenyi

Auch die Bezeichnung der neuen Daueraustellung im Obergeschoss als "Versuchsstätte" sei laut Regina Bittner, Leiterin Akademie und stellvertretende Direktorin, nicht umsonst gewesen. Man will die Schule in ihrer Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit präsentieren.

Auf der einen Seite steht eine hochkarätig vernetzte Institution, die vielfältig mit der Industrie zusammenarbeitet und auf dem Markt unterwegs ist. Zugleich stellt diese Institution einen Ort dar, in dem es vor allem darum geht, einen Raum zu schaffen, in dem junge Menschen tatsächlich ihre Persönlichkeit kreativ entfalten können.

Altbekanntes in einem neuen Kontext

Dieser zeitgemäße Zugang zu einer Dauerausstellung wurde von der deutschen Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes gelobt. Darüber freut sich Bittner sehr, die das Konzept gemeinsam mit Sammlungsleiter Wolfgang Thöner entwickelt hat. Immerhin ist es die zweitgrößte Bauhaus-Sammlung der Welt, von der hunderte Exponate gezeigt werden – allerdings nicht als chronologische Erzählung, sondern mit Blick auf bisher eher unbeachtete Details.

Ein Tee-Extraktkännchen MT 49 von Marianne Brandt, aufgenommen 1924 von der Bauhaus-Fotografin Lucia Moholy in Dessau.
Ein Tee-Extraktkännchen von der Künstlerin Marianne Brandt. Bildrechte: dpa

Zum einen soll der Blick auf die Geschichte dieser Avantgarde-Schule im Vordergrund stehen mit Fokus auf den Prozess des Lernens, des Streitens und des Ringens um Lösungen. Zum anderen ist auch sein zeithistorischer, kultureller und sozialer Kontext wichtig sowie ein Fokus auf die weniger bekannten Persönlichkeiten.

Bittner sagt dazu: "Das Bauhaus ist explizit eben auch noch einmal einen Blick auf Biographien, Persönlichkeiten, Frauen, die man so noch nicht zu sehen bekommen hat. Ungewöhnliche Objekte, die wahrscheinlich in der Dessauer Sammlung bisher gar nicht so vermutet worden sind."

Es werden natürlich trotzdem die berühmten ikonischen Objekte präsentiert: der Vitrinenschrank von Marcel Breuer, Lampen von Marianne Brandt oder die ersten Stahlrohrmöbel von Mies van der Rohe. Aber alles wird durch Texte, Fotos und Dokumente in einen weiteren Kontext gestellt.

Dass es eben Möbel waren, die mehr waren als nur schöne Objekte, die man in den Raum stellt. Sondern dass mit ihnen auch der Innenraum neu gedacht wurde.

Regina Bittner, Leiterin Akademie und stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Dezember 2021 | 08:45 Uhr

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