Jubiläum und Buch 30 Jahre Conne Island in Leipzig: Club, Kulturzentrum und Treffpunkt

Das Conne Island hat in Leipzig die Kultur- und Stadtgeschichte geprägt und trägt deutschlandweit zum positiven Image der Stadt bei. Hier finden Konzerte, Lesungen, Workshops und vieles mehr statt. Nun wird das Kulturzentrum 30 Jahre alt und feiert das Jubiläum mit dem Buch "Auf dem Klo habe ich noch nie einen Schwan gesehen". Darin finden sich Anekdoten, Bilder und Geschichten über das bis heute selbstverwaltete Jugendzentrum im Leipziger Süden.

Eingang zum linksalternativen Kulturzentrum "Conne Island" im Stadtteil Connewitz
Den Namen hat das Conne Island dem New Yorker Amüsierviertel Coney Island entlehnt. Bildrechte: dpa

Der Leipziger Szene- und Kulturtreffpunkt Conne Island feiert sein 30-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erscheint das Buch "Auf dem Klo habe ich noch nie einen Schwan gesehen" im Verbrecher-Verlag und beleuchtet die interessante Geschichte des Kulturzentrums.

Das Parkett wellt sich, weil coronabedingt die Besucher fehlen

Derzeit ist es still im Conne Island, seit Wochen schon, denn die Kulturarbeit liegt – wieder einmal – brach. "Selbst das Parkett hat angefangen zu reagieren auf die fehlenden Veranstaltungen, es gibt hier Stellen, wo sich das so hochwellt, und das liegt wohl an der fehlenden Feuchtigkeit und Belastung der Leute, die darauf gehen. Das ist jetzt in einem anderen Klima seit zwei Jahren", erzählt Hannes Schneider, Geschäftsführer des Conne Island.

Bilder aus dem Conne-Island-Buch "Auf dem Klo habe ich noch nie einen Schwan gesehen"

Seite aus einem Buch
Bildrechte: Verbrecher Verlag
Seite aus einem Buch
Bildrechte: Verbrecher Verlag
Ein leerer Konzertsaal mit einer Discokugel an der Decke.
Bildrechte: Elisabeth Stiebritz
Ein Basketballkorb thront über einem asphaltierten Vorplatz, an einer niedrigen Mauer steht der Schriftzug "Gegen jeden Antisemitismus".
Bildrechte: Elisabeth Stiebritz
Blick auf ein Gebäude voller Graffitis an der Außenwand, davor stehen festinstallierte Tische und Bänke.
Bildrechte: Elisabeth Stiebritz
Ein Raum mit einem Kopierer und Postern an der Wand.
Bildrechte: Elisabeth Stiebritz
Über einem Sofa mit Tisch und zwei Stühlen hängen Wandregale mit Ordnern.
Bildrechte: Elisabeth Stiebritz
Zwei Sofas stehen in einem Raum, dessen Wände mit Graffitis und Tags bemalt sind, an der Decke hängt eine leuchtende Lampe.
Bildrechte: Elisabeth Stiebritz
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Alles atmet Verlassenheit. Eine Verlassenheit, die untypisch ist für das Conne Island und in der sich doch etwas wiederfindet von dem Grundgefühl, von dem einige der Protagonistinnen in dem Buch erzählen. Zum Beispiel beschreibt Marie: "Das Island, da kann ich hingehen und dann treffe ich Leute, die vielleicht genauso lost sind wie ich. Ich kann irgendwelche Sachen machen, oder ich kann einfach nur herumsitzen. Ich kann da einfach sein, ohne dass ich etwas konsumieren muss oder sonst irgendetwas machen muss. Ich kann auch Teil von geilen Konzerten sein." Sie hat das Conne Island auch als Ort wahrgenommen, wo verschiedene Positionen nebeneinander existieren können, sagt Marie.

Ich habe im Island meine ganzen Lieblingsbands entweder entdeckt oder live gesehen.

Marie, Besucherin des Conne Island im Buch "Auf dem Klo habe ich noch nie einen Schwan gesehen"

Finanzamtbesuch mit Konfetti

Ganz verschiedene Akteurinnen und Akteure haben die Herausgeberinnen des Buches angesprochen, Menschen, die in der Küche mithelfen genauso wie Booker oder Leute, die sich im Café oder im Infoladen engagieren.

Ein Bauzaun am Eingang zum linksalternativen Kulturzentrum "Conne Island" im Stadtteil Connewitz
Gesellschaftliches Engagement gehört beim Conne Island mit dazu, manchmal auch mit Augenzwinkern Bildrechte: dpa

In erster Linie sind es Erzählungen von mehr oder weniger jungen Menschen, die mehr oder weniger politisiert worden sind. Die sich in den 90er-Jahren Prügeleien mit Neonazis geliefert und das Viertel gegen Rechtsextreme verteidigt haben. Und die sich, als das Finanzamt einmal damit drohte, dem Verein die Gemeinnützigkeit abzusprechen, dagegen auf ganz eigene Art zur Wehr gesetzt haben, erzählt Hannes Schneider. "Dann sind wir einfach mit drei-, vierhundert Leuten ins Finanzamt reingegangen und haben Konfetti mitgenommen und haben gesagt, wir würden jetzt gern mit der zuständigen Person reden. Und die einen sind halt in die Teeküche und haben sich am Sekt im Kühlschrank bedient, und die anderen sind halt durchs Haus gelaufen und haben geguckt, was da so ist."

Durchgeknallte Helmparty

Die Geschichte mit dem Finanzamt zählt zu den Highlights aus 30 Jahren Conne Island. Ein anderes ist ein Ereignis, das es als sogenannte "Helmparty" in die Annalen geschafft hat. In dem Buch beschreibt sie Hannes Schneider so: "Es war eigentlich ein ganz normaler Abend, und irgendwie hat der so eine Dynamik angenommen, dass alle so ein bisschen durchgedreht sind. Und es endete darin, dass wir – da liegen so Skateboardhelme, die man sich ausleihen kann – uns alle diese Helme aufgesetzt haben und quasi mit den Köpfen gegeneinander geschlagen sind zu lauter Musik. Und jemand wurde gestagedived und über den Hof getragen."

Hannes Schneider und Dani Reimer
Hannes Schneider und Dani Reimer vom Conne Island mit dem diskutierten Putzmittel Bildrechte: MDR/Karoline Knappe

Was es mit dem Schwan auf dem Klo auf sich hat

Bleibt die Frage, was es mit dem Schwan auf dem Klo auf sich hat. Dazu erzählt Mitherausgeberin Dani Reimer: "Auf einem der ersten Plena im Island gab es eine Anfrage von jemandem, der sich beschwert hat, dass mit einem bestimmten Putzmittel die Toiletten geputzt werden. Und der hat quasi gesagt: Dieses Putzmittel soll nicht mehr verwendet werden, weil davon sterben Schwäne. Und dann war die flapsige Antwort darauf: Auf dem Klo hab ich noch nie einen Schwan gesehen – und daraufhin wurde dann auch das Putzmittel weiterverwendet." Auch das ist gelebte Kontinuität im Conne Island.

Informationen zum Buch "Auf dem Klo habe ich noch nie einen Schwan gesehen. Erinnerungen aus 30 Jahren Conne Island"
Herausgeber: Conne Island
280 Seiten, 20 Euro
ISBN: 978-3-9573-2503-7
Verbrecher-Verlag, 2021

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Dezember 2021 | 17:10 Uhr

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