#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 24. September

1964: Erster Auftritt der "Stern-Combo Meißen"

Auf einer Feier für Rentner in Meißen-Spaar hat die neugegründete Band "Stern-Combo Meißen" am 24. September 1964 ihren ersten Auftritt. Gründungsmitglieder der Band sind Martin Schreier, Norbert Jäger und Bernd Fiedler. Die Band produziert ihre Musik inspiriert von Bands wie Chicago, den Beatles und den Rolling Stones, deren Beatmusik in der DDR unerwünscht ist und 1965 verboten wird. 1975 Jahre später landet die Band mit "Der Kampf um den Südpol" ihren ersten Hit.

Zu DDR-Zeiten produziert die Bands sieben Alben, tourt durch die gesamte DDR und in das sozialistische Ausland.

Stern-Combo-Meissen (V.l.n.r.: Thomas Kurzhals, Uwe Hassbecker, Reinhard Fißler, Martin Schreier, Michael Behm und Peter Rasym)
Die "Stern-Combo-Meißen" in ihrer Formation von 1982 Bildrechte: IMAGO

Nach der Wende hat die Band 1996 ein erfolgreiches Comeback. Seit 2020 nennt sie sich wieder "Stern Meißen". Gründungsmitglied Martin Schreier und Manager Detlef Seidel sind noch heute mit dabei. "Stern Meißen" ist eine der ältesten noch existierenden Rockbands Deutschlands.

1964: Zweites Passierscheinabkommen tritt in Kraft

Durch den Bau der Mauer am 13. August 1961 und die damit verbundene Abriegelung der Grenze waren ganze Familien, Freunde und Kollegen auseinandergerissen worden. Nach zähen Verhandlungen zwischen Bonn und Berlin gibt es für die Bewohner Berlins einen ersten Hoffungsschimmer. Ein Passierscheinabkommen – das erste – ermöglichte es den West-Berlinern vom 20. Dezember 1963 bis 5. Januar 1964 wieder, Ost-Berlin zu betreten, um gemeinsam Weihnachten und den Jahreswechsel zu feiern.

Ein zweites Abkommen dieser Art tritt am 24. September 1964 in Kraft. Nun darf die Verwandschaft innerhalb von vier Zeiträumen besucht werden: vom 30. Oktober bis 12. November 1964, über den Jahreswechsel 1964/65 (19. Dezember 1964 bis 3. Januar 1965) und über Ostern sowie Pfingsten 1965.

1982: Pumuckl betritt die Fernsehwelt

Das Erste Deutsche Fernsehen strahlt am 24. September 1982 die erste Folge der Kinderserie "Meister Eder und sein Pumuckl" aus. Die Serie ist eine Mischung aus Realfilm und Zeichentrick. Die Animation des Kobolds Pumuckl stammt aus den ungarischen Pannonoia Filmstudios. Der Münchner Schreinermeister Eder, gespielt von Gustl Bayrhammer, entdeckt eines Tages den kleinen Kobold in seiner Werkstatt, der fortan bei ihm bleibt. Allerdings ist Pumuckl nur für ihn sichtbar, was Eder wiederholt in abenteuerliche Situationen bringt.

Die Geschichten beruhen auf der gleichnamigen Buchreihe von Ellis Kaut. Im bayerischen Rundfunk wird "Pumuckl" bereits 1962 als Hörspiel ausgestrahlt. 1988 erscheint eine zweite Staffel der Serie, die in 28 Ländern gezeigt wird. Nicht aber in der DDR, wo Haushalte die Serie schauen können, die Westfernsehen empfangen.

Anfang 2020 wird bekannt, dass es eine Neuauflage der "Pumuckl"-Serie geben wird. Im September 2022 gibt das Bundesfinanzministerium eine Briefmarke mit dem Kobold heraus.

Meister Eder (Gustl Bayrhammer) und Pumuckl.
Meister Eder (Gustl Bayrhammer) und sein Pumuckl begeistern Kinder in Ost und West. Bildrechte: DR/BR/Infafilm/Original-Entwurf "Pumuckl"-Figur: Barbara von Johnson

1983: Schwert zu Pflugschar umgeschmiedet

Am 24. September 1983 schmiedet der Kunstschmied Stefan Nau auf dem Wittenberger Lutherhof vor mehr als 2.000 Teilnehmern des evangelischen Kirchentages ein Schwert zu einer Pflugschar um. Das Bild, das den damals 38-Jährigen während der Schmiedeaktion zeigt, geht später um die Welt und wird zu einem Symbol der Friedensbewegung in Ost und West.

Initiert worden war die Aktion in Wittenberg von Friedrich Schorlemmer, damals Prediger an der Schlosskirche zu Wittenberg. Dass die Schmiedeaktion nicht von der Staatssicherheit gewaltsam unterbunden wird, liegt an der Anwesenheit des designierten Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Durch seine bloße Anwesenheit in der Stadt schützt er die Friedensaktivisten. Bilder von knüppelnden Sicherheitskräften will die DDR-Führung um jeden Preis vermeiden.

1982 war der Slogan "Schwerter zu Pflugscharen" von der DDR-Regierung verboten worden. Verteidigungsminister Heinz Hoffmann erklärte im März 1982 vor der Volkskammer: "Unsere Soldaten tragen ihre Waffen für den Frieden. So gerne wir auch unsere Waffen verschrotten würden, noch braucht der Sozialismus, braucht der Frieden Pflugscharen und Schwerter." 

Mann schmiedet Schwert um.
Stefan Nau schmiedet im September 1983 auf dem Kirchentag in Wittenberg ein Schwert zu einem Pflug um. Bildrechte: Dirk Eisermann

1991: "Spionage-Chef" Markus Wolf stellt sich

Markus Wolf, der ehemalige Leiter des DDR-Auslandsnachrichtendienstes, flieht kurz vor der Maueröffnung am 27. September 1990 über die DDR-Grenze in die ČSSR. Mit dabei sind sein Sohn Franz aus erster Ehe, seine dritte Frau Andrea, sowie sein Schwiegervater. Alle reisen mit ihren echten Pässen und Namen. Obwohl der ehemaliger DDR-Geheimdienstchef Wolf ganz oben auf der Fahndungsliste der Bundesanwaltschaft steht, gelingt ihm die Flucht.

Über Österreich reisen er und seine Frau weiter nach Moskau. Doch ein Jahr später, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, kehren sie nach Deutschland zurück und stellen sich am 24. September 1991 auf Anraten ihrer Anwälte den deutschen Behörden.

Im Mai 1993 beginnt der Prozess gegen Wolf. Das Gericht folgt letztlich der Anklage und verurteilt ihn zu sechs Jahren Freiheitsstrafe. Allerdings muss der mittlerweile 70-Jährige nicht mehr in Haft. Zwei Jahre später kommt es zu einer Wende: Das Bundesverfassungsgericht trifft die Grundsatzentscheidung, dass Mitarbeiter der HVA mit damaligem Lebensmittelpunkt in der DDR nicht strafrechtlich verfolgt werden würden. Das Urteil gegen Wolf wird damit aufgehoben.

In der Nacht zum 9. November 2006 stirbt Markus Wolf in Berlin.