Zwischen Tradition und Moderne Homosexualität & LGBTQ: Wie tolerant sind die europäischen Königsfamilien?

Würde Kronprinzessin Amalia ihr Herz einer Frau schenken, dann stünde einer gleichgeschlechtlichen Ehe nichts im Wege. Das hat der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte erst jüngst bekannt gegeben. Aber: Könnte die Sache dennoch einen Haken haben? Und wie sieht es in Sachen Homosexualität und LGBTQ in den anderen europäischen Königshäusern aus? BRISANT hat sich umgehört.

Ein Mann mit einer Frauenperücke
LGBTQ - was wird in den europäischen Königshäusern akzeptiert? Was ist möglich? Bildrechte: imago images/YAY Images

Ein Prinz, der sich in einen Mann verguckt, eine Prinzessin, die ihre Traumfrau zum Altar führt? Das hat es in den europäischen Königshäusern bislang nicht gegeben.

In den Niederlanden wäre es zumindest denkbar. Dass ein König oder eine Königin gleichgeschlechtlich heiraten darf, dafür sieht Premierminister Mark Rutte in der Verfassung der Niederlande kein Hindernis.

Nur "legitime Kinder" dürfen Thronfolger sein

Doch so tolerant das auch klingen mag, die Thronfolge könnte sich bei einem gleichgeschlechtlichen Königspaar durchaus kompliziert gestalten. Denn hier sieht die niederländische Verfassung vor, dass dem König oder der Königin nur ein "rechtmäßiger Nachkomme" folgen darf. Das würde die Adoption oder die Zeugung eines Kindes per Samenspende ausschließen. Ein echtes Dilemma - nicht nur in den Niederlanden.

In vielen europäischen Monarchien ist ja per Verfassung festgelegt, dass die Nachkommen legitime Nachkommen sein müssen. Insofern schließt das zum Beispiel adoptierte Kinder oder Kinder, die durch eine Samenspende gezeugt wurden, aus.

Leontine Gräfin von Schmettow, Königshaus-Expertin BRISANT

Gehen mit gutem Beispiel voran: Prinzessin Victoria und die Prinzen Harry, William und Felipe

Insbesondere die jüngere Generation der europäischen Königshäuser zeigt sich in Sachen LGBTQ offen und tolerant. Ganz selbstverständlich ist Prinzessin Victoria von Schweden Ehrengast einer Gala, die die Vielfalt der Sexualität feiert.

Prinz William ließ sich sogar für den Titel der "Attitude", einem Magazin für Homosexualität, ablichten. Damit will er ein Zeichen gegen Mobbing aufgrund der sexuellen Orientierung setzen.

Sein Bruder Harry traf für "Heads Together", seine Wohltätigkeitsorganisation für psychische Gesundheit, die Vorsitzende von "Mermaids", eine Organisation für Trans-Jugendliche. "Liebe ist Liebe" postete er danach auf seinem Instagram-Account.

Selbst König Felipe von Spanien versuchte in einem Interview mit einer LGBTQ-Zeitung die Gräben zu schließen, die seine Mutter Sofia als strikte Gegnerin gleichgeschlechtlicher Ehe einst aufgerissen hatte.

Der Herzog von Cambridge während eines Besuchs beim Albert Kennedy Trust in London
Prinz William zu Gast beim Albert Kennedy Trust, einer Organisation, die sich um obdachlose LGBTQ-Jugendliche kümmert. Bildrechte: imago images/i Images

Toleranz ist keine Frage der Generation: König Harald von Norwegen

Dass Toleranz und Offenheit nicht unbedingt eine Frage der Generation oder des Alters ist, beweist König Harald von Norwegen. Für große Begeisterung sorgte er bereits im Jahr 2016 mit einer Rede bei einem Gartenfest.

Norweger sind Mädchen, die Mädchen lieben, Jungs, die Jungs lieben und Mädchen und Jungs, die einander lieben.

König Harald von Norwegen

Für "sein" Norwegen wünscht sich der Monarch Vertrauen, Solidarität und Großzügigkeit.

Zwischen den Stühlen: Queen Elizabeth

Weniger durchschaubar ist die Haltung von Königin Elizabeth II. Einerseits soll die britische Queen hocherfreut darüber gewesen sein, das britische Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe unterschreiben zu dürfen. Andererseits ist sie das Oberhaupt der anglikanischen Kirche - und die lehnt gleichgeschlechtliche Ehen nach wie vor vehement ab.

Als ihr Cousin Lord Ivar von Mountbatten 2018 im kleinen Kreis seinen Lebensgefährten heiratete und von seiner Ex-Frau zum Altar geführt wurde, war die Queen nicht dabei. Auch ihr Sohn Edward, der mit Mountbatten eng befreundet sein soll, musste aus terminlichen Gründen absagen.

Scheint ganz so, als ob die Prinzen Harry und William da noch etwas Überzeugungsarbeit leisten müssten.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. Januar 2022 | 17:15 Uhr

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