Eisheilige Allzeit-Rekord: Mitteldeutschlands mildester Mamertus

Noch nie seit Beginn der Datenerfassung waren die kältesten Nachtstunden eines 11. Mai so warm wie in diesem Jahr. Von Eisheiligen-Bodenfrost waren selbst Mitteldeutschlands Höhenlagen weit entfernt.

Ein Mann ruht auf dem Schreibtisch neben einem Ventilator.
Die Eisheiligen sind bislang eher Schweißheilige. In Mitteldeutschland waren die Nachtstunden des 11. Mai in diesem Jahr so warm wie nie zuvor, seit es beim DWD Daten dazu gibt. Bildrechte: Colourbox.de

"Mamerz hat ein kaltes Herz", heißt es in einer der Eisheiligen-Bauernregeln. Mamerz steht für den heiligen Mamertus, einen Bischof aus dem 5. Jahrhundert. Am 11. Mai ist sein Namenstag, es ist der erste Tag der Eisheiligen. Aber von seinem kalten Herz war an diesem 11. Mai 2022 in ganz Mitteldeutschland nichts zu spüren.

Da, wo die Temperaturen traditionell am tiefsten sind, nämlich fünf Zentimeter über dem Erdboden, zeigte keine einzige der 77 DWD-Messstationen in Mitteldeutschland Minusgrade an. Selbst in der 895 Meter hoch gelegenen Station im sächsischen Carlsfeld waren es zu jeder Tages- und Nachtzeit an diesem 11. Mai mehr als vier Grad über Null.

Die mildesten mitteldeutschen Nachtwerte in Bodennähe gab es in Dresden (Messstation Klotzsche). Dort zeigte das Thermometer immer mindestens 16,1 °C an. Im folgenden Diagramm können Sie nach unten scrollen, um alle 77 Stationen und ihre Werte zu sehen.

Die 16,1 °C von Dresden-Klotzsche sind mitteldeutscher Allzeit-Rekord in der offenen DWD-Datenbank. Nie waren Nachtstunden eines 11. Mai in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen so mild. Der bisherige Rekord von 1958 lag bei 14,5 °C. Der wurde nun also um 1,6 Grad in die Höhe getrieben.

Wenn man nun noch einmal das erste Diagramm mit den 77 mitteldeutschen DWD-Stationen betrachtet, fällt auf, dass nicht nur Dresden-Klotzsche, sondern ganze sechs Stationen über dem alten Rekord von 1958 geblieben sind.

Und noch deutlicher wird die Milde der Nachtstunden zum diesjährigen Mamertus, wenn wir uns aus fünf Zentimetern in zwei Meter Höhe über dem Erdboden begeben. Bislang war da die mildeste je gemessene Tiefsttemperatur an einem 11. Mai 15,8 °C im Jahr 2012. Dieser Allzeit-Rekord wurde gestern von gleich 15 (!) mitteldeutschen DWD-Stationen geknackt. Spitzenreiter war Kubschütz in Ostsachsen mit 17,9 °C, also 2,1 Grad mehr, als es das jemals an einem 11. Mai gab.

Die Bauernregel von Mamerz' kaltem Herz wurde in diesem Jahr also schon mal völlig ad absurdum geführt. Und dass die Eisheiligen der nächsten drei Tage "Pankrazi, Servazi und Bonifazi" "drei frostige Bazi" sind, wie es in einer wohl süddeutschen Bauernregel heißt, darf für 2022 auch stark angezweifelt werden.

Vielleicht bringen sie und die "Kalte Sophie" statt Frost aber wenigstens ein bisschen Niederschlag. Denn viel problematischer als eine vergleichsweise hohe Temperatur im Mai ist Dauer-Trockenheit.

(rr)

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