Klimawandel Heißer denn je: Vergangene sieben Jahre Hitzerekorde

Laut dem Klimawandeldienst der Europäischen Union waren die letzten sieben Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Zwar war 2021 nicht das heißeste Jahr aller Zeiten, dafür war es geprägt von vielen Extremwetter-Ereignissen.

Hitze Karten Europa
Die Aufnahme des Copernicus-3-Satelliten vom 30. Juli 2021 zeigt die Rauchschwaden der Waldbrände über dem östlichen Mittelmeer. Bildrechte: ESA

Wie empfanden Sie den letzten Sommer? Nicht ganz so warm? Doch was für Deutschland 2021 gilt, trügt dennoch mit Blick auf ganz Europa, wie die vorgestellten Daten der Copernicus-Satelliten zeigen. Mit dem Fernerkundungsdienst werden unter anderem der Meeresspiegel vermessen, Landveränderungen dokumentiert und Klimadaten erhoben. 

Der Sommer 2021 ist neuer europäischer Rekord. Es war der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen und erreichte in Sizilien eine Rekordtemperatur von 48,8 Grad Celsius. Das sind 0,8 Grad über dem bisherigen Europa-Rekord. Auch die Sommer 2018 und 2010 befinden sich ganz vorne in der Liste. So erreicht das letzte Jahr den fünften Platz der wärmsten Sommer. Die Jahre 2018 und 2015 sind zwar geringfügig kühler gewesen, dennoch liegen die Jahre über der Durchschnittstemperatur der letzten 30 Jahre.

Die zehn wärmsten Jahre für Europa (über alle Jahreszeiten hinweg) sind alle seit 2000 zu verzeichnen, wobei die sieben wärmsten Jahre zwischen 2014 und 2020 zu verzeichnen waren, heißt es in dem Report des Klimawandeldienstes von Copernicus.

Seit wann gibt es diese Klima-Aufzeichnungen?  Die Aufzeichnungen reichen bis ins Jahr 1950 zurück, wo man sie mittels Ballons, Bodenstationen, Flugzeugen und Satelliten erfasst hatte. Ab 1979 kamen die Copernicus-Satelliten zum Einsatz.

In 2021 wurde auch mehr Methan ausgestoßen als im Vorjahr. Der CO2-Ausstoß war zwar etwas geringer als im Rekordjahr 2015, dennoch lag auch dieser sehr hoch.

Diese Grafik zeigt den Ausstoß von Methangasen. Im Laufe der Zeit nimmt der Ausstoß zu.
Diese Grafik zeigt den Ausstoß von Methangasen. Im Laufe der Zeit nimmt der Ausstoß zu. Bildrechte: C3S, CCI, CAMS, Universität Vremen, SRON

Auf der nachfolgenden Grafik erkennt man den Wärmeunterschied von 2021 zu der Durchschnittstemperatur zwischen 1991 und 2020. Rot zeigt die Regionen, in denen es wärmer wurde wie beispielsweise in Afrika oder Nordamerika und der Arktis. Blau zeigt dagegen die Regionen, in denen es kälter war – Europa sticht hierbei heraus. Warum es 2021 kälter als üblicherweise war, weiß man noch nicht. Dafür müssen die Forschenden weitere und neue Daten analysieren. Was die Grafik auf den ersten Blick aber nicht zeigt, ist, dass auch 2021 ein Rekordjahr war. Einen Vergleich können Sie in der zweiten Karte erkennen, die die durchschnittliche Temperatur von 1981 bis 2010 erfasst.

Die Copernicus Weltklimakarte im Vergleich

Mit diesen Karten kann man die weltweite Zu- und Abnahme der Temperatur in 2021 erkennen. Der Grundwert bezieht sich auf die durchschnittliche Temperatur in den Zeiträumen 1991 bis 2020 und 1981 bis 2010.

Bildrechte: ERA5, C3S, ECMWF
Bildrechte: ERA5, C3S, ECMWF
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2021 sorgte für Extremwetter-Ereignisse

Karte zeigt Teile Griechendlands und der Türkei sowie die Insel Typern im östlichen Mittelmeer. Besonders auf Zypern und in der Türkei viele Bereiche rot gefärbt.
Über 50°C im Sommer 2021 – am Mittelmeer kochte das Land. Bildrechte: ESA

Fluten, Waldbrände und andere Extremwetter waren 2021 keine Seltenheit. So verwüsteten Waldbrände an der Westküste der USA und Kanada ganze Landstriche und verschlechterten die Luftqualität massiv. Im kanadischen Lytton in British Columbia wurde am 29. Juni 49,5 Grad Celsius erreicht – doch Lytton ist keine Wüstenregion, sondern ein Ort mit wasserreichen Flüssen. Und nach den Hitzewellen und schweren Waldbränden im vergangenen Sommer in Griechenland und der Türkei fragten sich viele, ob Sommer-Urlaub am Mittelmeer überhaupt noch Zukunft hat.

"2021 war erneut ein Jahr der Extremtemperaturen, mit dem heißesten Sommer in Europa, Hitzewellen im Mittelmeerraum, ganz zu schweigen von den ungekannt hohen Temperaturen in Nordamerika", so der Direktor des europäischen Klimawandeldienstes Carlo Buontempo.

Deutschland wurde währenddessen mit Fluten überschüttet. Im Landkreis Ahrweiler (in Rheinland-Pfalz) wurde ein ganzer Landstrich durch einen Nebenfluss des Rheins komplett zerstört. Durch die starken Unwetter kamen 180 Menschen ums Leben. Auch Belgien und die Niederlande waren von Überschwemmungen betroffen.

Höhere Temperaturen in 2021

Laut den Copernicus-Daten lag die jährliche Durchschnittstemperatur im vergangenen Jahr im 1,1 Grad bis 1,2 Grad höher als zur vorindustriellen Zeit. Das erreicht jetzt schon beinahe die Grenze dessen, was auf der Weltklimakonferenz von Glasgow erneut vereinbart wurde. Dort haben die teilnehmenden 197 Länder im November erklärt, die Erderwärmung bei 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu stoppen. "Diese Ereignisse sind eine dringliche Erinnerung an die Notwendigkeit, unsere Lebensweise zu ändern, entscheidende und effektive Schritte in Richtung einer nachhaltigen Gesellschaft zu unternehmen und die Treibhausgas-Emissionen zu senken", so Buontempo. 

Die Studiendaten wurden am 10. Januar 2022 (PDF-Datei als Download) vom Copernicus Klimawandeldienst (C3S) herausgegeben. Es ist einer von sechs Diensten des europäischen Copernicus-Programms. Im April 2022 soll ein weiterer Bericht veröffentlicht werden, in dem die Forschenden speziell die extremen Flutaufkommen in 2021 analysiert haben. Und 2025 soll ein weiterer Copernicus-Satellit ins Weltall befördert werden.


pk

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