Psychologie Jeder kann sich rund 5.000 Gesichter merken

Menschenmassen auf einem Weg
Bildrechte: Gerald Perschke


Im Vergleich selbst zum kleinsten Speicherstick erscheint es wenig. Jeder von uns kennt  etwa 5.000 Gesichter. Das haben Forscher der Universität York (Großbritannien) herausgefunden. Allerdings gibt es von Mensch zu Mensch dabei enorme Unterschiede, wie das Team um den Psychologen Dr. Rob Jenkins bei seinen Untersuchungen feststellte. Manche kennen bis zu 10.000, andere nur 1.000 Gesichter.

Erstmals in der Forschung gibt es damit eine Zahl für die Speicherung bekannter Gesichter. Das sagt aber nichts darüber aus, wie viele Gesichter unser Gehirn insgesamt abspeichern kann, so Jenkins in einer Mitteilung der Uni.

Unsere Studie konzentrierte sich auf die Anzahl der Gesichter, die Menschen tatsächlich kennen - wir haben noch keine Grenze für die Anzahl der Gesichter gefunden, mit denen das Gehirn umgehen kann.

Rob Jenkins, Universität York

Warum die Unterschiede so groß sind, dazu können die Wissenschaftler noch keine genauen Aussagen treffen. Sie vermuten als Gründe neben den Fähigkeiten der einzelnen Menschen auch die Unterschiede in den sozialen Umgebungen.

Ich weiß, wer du bist

Und so gingen die Forscher für ihre aktuelle Studie vor: Sie ließen ihre Studienteilnehmer - 15 Frauen und zehn Männer im Alter von 18 bis 61 Jahren – eine Stunde lang Gesichter aus ihrem persönlichen Umfeld anschauen. Von diesen Verwandten, Freunden, Kollegen, Mitstudenten oder andere Bekannte identifizierten sie innerhalb dieser Stunde im Durchschnitt 362 Gesichter – dafür war eine eindeutige Zuordnung wichtig, etwa Nachbar oder Lehrerin.

Den gleichen Versuch machten die Forscher mit Gesichtern von Personen des öffentlichen Lebens, etwa aus Kunst, Film und Fernsehen, Politik, Sport oder Wirtschaft. Hier war die Identifizierungsquote geringer: 290 Gesichter im Mittel (Spanne: 169 bis 407).

Bei beiden Versuchen zeigte sich: Im Laufe der Stunde nahm die Geschwindigkeit der Identifizierungen deutlich ab. Die Forscher rechneten diese Abnahme bis auf null und kamen so auf einen Gesamtwert von 944 erkannten Gesichtern.

Die kenne ich, irgendwie

Zum Vergleich unternahmen die Forscher noch einen weiteren Versuch. Dieses Mal ohne Zeitbegrenzung und mit Fotos von Personen des öffentlichen Lebens. Dabei mussten die Probanden zu den Bildern angeben, ob sie das Gesicht kennen, ohne eine Funktion oder einen Namen zuzuordnen. Hier lag die Zahl deutlich höher. Die Forscher ermittelten einen Wert 1:4,62 – also fast fünf Mal so viele bekannte wie identifizierte Gesichter.

Wenn man diesen Faktor ansetzt, dann ergibt sich eine Gesamtzahl von Gesichtern von 4.240, die ein Mensch im Schnitt kennt. "Diese exakte Zahl unterstellt eine Genauigkeit, die wir nicht haben“, schreiben die Forscher. “Unser Vorschlag ist, sie auf 5.000 zu runden.“

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2018 | 06:30 Uhr