Früherkennung Erstmals Bluttest für Parkinson in Aussicht

Bisher konnte man eine Parkinsonerkrankung erst diagnostizieren, wenn die ersten Symptome aufgetreten sind. Dabei beginnt sie laut einem Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) schon bis zu 20 Jahre früher. Doch dafür gibt es keine Früherkennung. Jetzt ist es dem Team in Kiel erstmals gelungen, eine Methode zu entwickeln, die die für Parkinson typischen Eiweißveränderungen zuverlässig im Blut aufspürt. Kommt also endlich der Bluttest auf Parkinson?

Laborantin hält Blutprobe
Ein Bluttest könnte künftig früher Parkinson erkennen. Bildrechte: imago images / ZUMA Wire

Wenn die typischen Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelversteifungen oder das charakteristische Zittern (Tremor) auftauchen, wird die Diagnose Parkinson offenbar. Dabei schlummert die Krankheit schon lange vor Symptombeginn im Körper und womöglich könnten Medizinerinnen und Mediziner diese verhindern oder verzögern, wenn man die Erkrankung nur früh genug erkennen könnte.

Durchbruch für die Früherkennung

Bisher geht das nicht. Es gibt weder Blutparameter, noch bildgebende Untersuchungen für eine gesicherte Diagnose oder Früherkennung. Deshalb forschen auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt an Möglichkeiten zur Parkinson-Früherkennung.

Das ist ein Dilemma. Denn natürlich möchte man die Krankheit schon im Anfangsstadium entdecken und Maßnahmen entwickeln, die verhindern, dass die Patienten steif werden, zittern und langsam werden.

Dr. Annika Kluge, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Dem Kieler Forschungsteam ist nun nach eigenen Angaben ein Durchbruch gelungen auf der Suche nach zuverlässigen klinisch anwendbaren Biomarkern für die chronisch fortschreitende Gehirnerkrankung. Sie haben erstmals einen blutbasierten biochemischen Test für die Diagnose von Parkinson entwickelt. Die Forschungsergebnisse des Teams um die Medizinerin Annika Kluge und die Biochemikerin Friederike Zunke sind im Fachmagazin Brain publiziert worden. Der Test sei sehr präzise, so Kluge. "Mit Hilfe unseres Verfahrens konnten die getesteten 30 Parkinsonpatienten von den 50 Kontrollpersonen mit einer sehr hohen Sensitivität unterschieden werden."

Die Ergebnisse sind wirklich sensationell. Auf dieser Grundlage lässt sich ein Bluttest für die Diagnose der Parkinsonkrankheit entwickeln.

Prof. Daniela Berg, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Die Forschungsergebnisse bilden nun die Grundlage für die Entwicklung eines Bluttests für die Parkinson-Diagnose in der Klinik, erläuterte die Direktorin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Daniela Berg. Die Methode müsse für eine breite Anwendung aber noch weiterentwickelt werden. Außerdem sei noch unklar, ob auch frühe Stadien der Parkinson-Erkrankung genauso gut oder überhaupt nachgewiesen werden können und ob er auch bei Parkinson-ähnlichen Erkrankungen funktioniert.

Krankmachendes Protein direkt im Blut nachweisbar

Die neue Methode ist ein dreistufiges Verfahren. Zunächst müssen Vesikel aus dem Nervensystem aus einer gewöhnlichen Blutprobe isoliert und gewonnen werden, erklärt Medizinerin Kluge. Vesikel seien kleine Bläschen, die von Zellen abgeschnürt würden und Proteine der ursprünglichen Zelle enthielten. "Das heißt ich kann quasi ins Gehirn schauen, wenn ich diese Vesikel untersuche", ergänzt sie.

Porträtaufnahme einer jüngeren Frau mit blonden langen Haaren und einem Arztkittel. Sie lächelt in die Kamera.
Dr. Annika Kluge hat eine Methode entwickelt, die Grundlage für einen Bluttest für die Parkinsonkrankheit sein könnte. Bildrechte: UKSH

Im zweiten Schritt werde dann in diesen Vesikeln gezielt nach dem Eiweiß gesucht, dass die Parkinson-Erkrankung verursacht, denn das ist eine veränderte Form eines bestimmten Proteins und kann mithilfe von Antikörpern, die spezifisch auf diese Form passen, nachgewiesen werden. Im letzten Schritt geht es dann darum, die krankmachenden Eiweiße zu vervielfältigen. Darauf, dass das nun funktioniert hat, sei sie besonders stolz, sagt die Medizinerin. "Das ist aus anderen Gewebeproben schon gelungen, aber bisher noch niemals aus Vesikeln, gewonnen aus dem Blut von Patienten". Die Anhäufung der krankhaft veränderten Eiweiße sei es nämlich, die zum Untergang der betroffenen Nervenzellen führe und damit Parkinson verursache. Lässt sich diese Anhäufung also nachweisen, sei das die Bestätigung dafür, dass die entsprechenden krankmachenden Eiweiße in einer Probe vorliegen.

(kie)

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