Sars-CoV-2 Neue Omikron-Sublinie BJ.1 in Europa – folgt sie auf BA.5?

In Europa ist eine neue Omikron Unterlinie aufgetaucht. BJ.1 stammt von BA.2 ab und hat weitere Mutationen am Spikeprotein. Noch gibt es wenige Fälle, aber die Variante könnte die befürchtete Herbstwelle bestimmen.

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Illustration des Coronavirus: Die neue Unterlinie BJ.1 ist dank über 30 Mutationen die bislang am stärksten vom Ursprungsvirus abweichende Coronavariante. Bildrechte: PantherMedia / Kiyoshi Takahase

Es war nur eine Frage der Zeit: In Europa ist wieder eine neue Virusvariante von Sars-CoV-2 aufgetaucht, berichtet der Wiener Molekularbiologe Ulrich Elling im sozialen Netzwerk Twitter. BJ.1 unterscheidet sich im Vergleich zur bereits abklingenden BA.5 Variante an zehn Stellen am Spikeprotein und an sieben Stellen an der N-Terminal-Domäne. Beide Stellen sind Angriffspunkte von Antikörpern, die durch Impfungen oder überstandene Infektionen gebildet werden. Laut Elling ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass die von der BA.2 Linie abstammende Variante BJ.1 erneut zuvor erworbene Immunität teilweise umgehen kann.

Omikron BJ.1 oder Omikron BA.2.75.2 – mehrere Nachfolger von BA.5 möglich

Obwohl von der erstmals in Indien aufgetauchten Virusvariante bisher nur wenige Fälle gezählt wurden, könnte sie damit eine weitere Welle von Infektionen auslösen, vor allem zur jetzt beginnenden Erkältungssaison. Sicher ist das aber keineswegs. Auch bei der ebenfalls von BA.2 abstammenden Linie BA.2.75 waren starke Immunfluchteigenschaften beobachtet worden. Bislang spielt sie im Infektionsgeschehen in Deutschland aber keine Rolle. Seit Ende Juni wurde sie hierzulande laut dem Robert Koch-Institut nur 33 Mal bei Genomsequenzierungen nachgewiesen, davon zuletzt sieben Mal in der vorletzten Augustwoche. Inzwischen hat sich diese Variante zu BA.2.75.2 weiterentwickelt.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang 2020 mutiert Sars-Coronavirus-2 regelmäßig. Je mehr Infektionen gleichzeitig stattfinden, desto eher entstehen auch solche Varianten, die noch besser an die Zellen der menschlichen Wirte andocken können, die sich effektiver vermehren, die einem bereits aufgebauten Schutz durch Antikörper teilweise entgehen können oder die eine Kombination all dieser Eigenschaften besitzen. Wird eine neue Variante dominant und löst sie bisherige Varianten ab, kommt es meist zu einer neuen Infektionswelle.

BJ.1: 33 Mutationen an Spikeprotein und N-Terminal-Domäne

Besonders mit dem Durchbruch der Omikron-Variante hat sich das Virus stark verändert. Verfügte die Deltavariante im Vergleich mit dem Ursprungsvirus über lediglich sechs Mutationen an Spikeprotein und N-Terminal-Domäne, waren es bei BA.1 bereits 27 Mutationen. BA.2.75.2 verfügt über aktuell 30 Mutationen im Vergleich mit dem Wildtyp, BJ.1 über 33. Trotzdem ist damit allein noch nicht gesagt, wie ansteckend das Virus sein wird oder wir stark eine solche Welle ausfällt.

Eine mögliche Herbstwelle in Deutschland wird von vielen Faktoren beeinflusst. Auf der einen Seite verfügen viele Menschen noch über eine frische Immunität dank der zurückliegenden BA.5-Sommerwelle. Auch die jetzt anlaufenden Impfungen mit den an Omikron angepassten Booster-Impfstoffen könnten zumindest einen kurzzeitigen Effekt von einigen Monaten nach der Impfung haben. Günstig für das Virus dürfte sich dagegen das Regenwetter und die generell kürzeren Tage auswirken, da beide die für das Virus schädliche, natürliche UV-Strahlung deutlich abmildert.

Möglich ist außerdem, dass sich keine Variante allein als neue dominant durchsetzt. Eine kürzlich im Fachjournal PLOS Genetics veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bei den meisten konkreten Infektionsfällen ein genetischer Mix verschiedener Varianten des Virus am Werk ist.

(ens)

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