Hygiene und Resistenzen Gefährliche Keime im Krankenhaus: Mikroben-Putztrupp kann helfen

Desinfektionsmittel sind die harte Keule im Kampf gegen Keime. Eine sanftere, natürlichere Option könnte hingegen helfen, dass sich gefährliche Bakterien erst gar nicht ansiedeln – und Krankenhäusern durch Multiresistenzen zu schaffen machen.

Ansicht von schräg oben: Der Waschbeckenraum zwischen Wasserhahn und Wand wird durch das Umlegen eines gelben Putzlappens und dabei nach vorn hin und her ziehen gereinigt. Hände mit Putzhandschuhen.
Genau, an dieser Stelle ordentlich schrubben, da sieht's immer besonders unschön aus. In Waschbecken fanden Forschende besonders viele Keime. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Zählen Sie zu den Menschen, die sich zum Tagesstart einen probiotischen Joghurtdrink genehmigen, um im Verdauungstrankt da unten erstmal ordentlich aufzuräumen? Nun, auch wenn die Wirkung äußerst begrenzt ist, auf die Idee, Desinfektionsmittel zu trinken ist (mit einer glorreichen Ausnahme) noch niemand gekommen. Dass Mikroben auch außerhalb der Darmgegend gut Reinemachen können, zeigt aktuelle Forschung aus Jena und Berlin. Und auch, dass sie das möglicherweise besser können als herkömmliches Desinfektionsmittel.

Wir erinnern uns: Das gleiche Forschungsteam hat im vergangenen Jahr dargelegt, wo die Keime im Krankenhaus sitzen. Und auch, dass der Boden eines Zimmers eine halbe Stunde nach Desinfektion schon wieder mit Mikroben besiedelt wird – insbesondere multiresistente Keime, die in Krankenhäusern eine großes Problem sind.

Die Besiedlung beginnt dreißig Minuten nach dem Großreinemachen

Also nach dreißig Minuten wieder drüber wischen? Besser nicht: "Bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln auf Oberflächen wird zunehmend hinterfragt, ob die desinfizierende Wirkung zeitlich sehr begrenzt sein könnte, und ob sie gegebenenfalls sogar die Verbreitung von Resistenzen begünstigen könnte", so Rasmus Leistner vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité in Berlin. Soweit das Problem. In einer Folgearbeit stellen die Forschenden jetzt eine mögliche Lösung in Aussicht.

Über 13 Wochen wurden verschiedene Orte in Krankenhauszimmern mit Haushaltsreiniger, Desinfektionsmittel und einem probiotischen Mikrobenreiniger geputzt. Abstrichproben von Zimmern, Patientinnen und Patienten haben gezeigt: Desinfektionsmittel sorgen im Vergleich zur probiotischen Reinigung für eine geringere Mikrobenvielfalt. Weniger Mikroben bedeuten dabei aber nicht, mehr Sauberkeit und weniger Gefahr. "Wir beobachten in den Krankenzimmern eine signifikante Verschiebung der Umgebungsmikrobiota nach Anwendung einer probiotischen Reinigungsstrategie. Die daraus resultierenden Strukturen der mikrobiellen Ökosysteme sind komplexer und stabiler", so Studien-Erstautor Tilman Klassert von der Uniklinik Jena. Und die Stabilität sorgt dafür, dass gefährliche Bakterien in ihren Besiedlungsbestrebungen keine Chance haben.

Seltener Resistenz-Gene

Die Forschenden haben sich auch angesehen, wann Mikroben Gensequenzen besitzen, die sie resistent gegen Antibiotika machen. Bei der probiotischen Reinigung traten Mikroben mit diesen Genen in Waschbecken deutlich seltener auf.

Der Ansatz aus Jena und Berlin beinhaltet also einen (für Menschen ungefährlichen) mikrobiellen Putztrupp, der die ortstypische Mikrobengemeinschaft beisammenhält – und Eindringlingen die Ansiedlung schwerer macht. Gleichzeitig wird durch den Verzicht von Desinfektionsmitteln dafür gesorgt, dass sich resistente Keime nicht so leicht vermehren können. Das Team wünscht sich nun, dass die vielversprechenden Ergebnisse an anderen Kliniken durch Folgestudien bestätigt werden können.

flo

Link zur Studie

Die Studie Comparative analysis of surface sanitization protocols on the bacterial community structures in the hospital environment, Clinical Microbiology and Infection erschien im Journal CMI.

DOI: 10.1016/j.cmi.2022.02.032

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