Sozialforschung Eigenheim machen nicht auf Dauer glücklich

Endlich in die eigenen vier Wände ziehen und der glücklichste Mensch der Welt werden – so suggerieren es Werbespots. Forscher fanden jetzt heraus: Das Eigenheim-Glück relativiert sich durch Gewöhnung. Eigene Häuser machen weniger glücklich als erwartet.

Rohbau eines Einfamilienhauses
Das Glück im Eigenheim wird oft überschätzt, haben Wissenschaftler aus der Schweiz jetzt herausgefunden. Bildrechte: IMAGO/Frank Sorge

Im grünen Garten vor dem eigenen Haus entspannen, Freunde einladen, die Kinder tollen mit dem Hund – der Traum vom eigenen Haus ist für viele lebendig und das Ziel ihrer biografischen Lebensreise. Wie glücklich machen eigene Häuser? Das wollten Wirtschaftswissenschaftler der Universität Basel in einer Studie herausfinden. Sie untersuchten, wie sich der Erwerb einer eigenen Immobilie auf die Lebenszufriedenheit auswirkt. Ihr Ergebnis: Der positive Effekt auf die Zufriedenheit hält weniger lange an, als die Leute erwarten. Über die Studie berichten sie in der Fachzeitschrift "Journal of Happiness Studies".

Neubaugebiet
Fehleinschätzungen durch ein Haus viel glücklicher zu werden, wird durch eine starke Orientierung am Status verstärkt. Bildrechte: IMAGO

Die Autoren werteten die Aussagen von mehr als 800 zukünftigen Eigenheimbesitzerinnen und Besitzern in Deutschland aus, die im German Socio-Economic Pales (GSOEP) erfasst sind. Dieser Datensatz enthält Informationen zur erwarteten und tatsächlichen Lebenszufriedenheit von Menschen. Auf einer Skala von 0 bis 10 müssen die Befragten angeben, wie zufrieden sie aktuell sind und wo sie sich auf der Glücksskala in fünf Jahren sehen. Das Ergebnis: Der "langfristige Zufriedenheitsgewinn" durch ein Eigenheim wird systematisch überschätzt. Die Fehlprognose wird dabei von Hauskäufern getrieben, die extrinsisch orientierte Lebensziele verfolgen, also kurzum statusorientiert sind.

Familie im Garten vor dem eigenen Haus (Symbolbild)
Gewöhnung relativiert die Zufriedenheit im eigenen Haus, erklären die Forscher. Bildrechte: IMAGO / photothek / U. Grabowsky

Gewöhnung relativiert Eigenheim-Glück

Die Wissenschaftler erfassten die Zufriedenheit im Zusammenhang mit dem Statuswechsel vom Mieter zum Eigentümer. Dafür erfragten sie erstens die erwartete Zufriedenheit in fünf Jahren nach dem Umzug sowie zweitens die tatsächliche Zufriedenheit im Laufe der Zeit. Die Differenz aus beiden Erwartungen habe dann die Fehleinschätzungsquote ergeben. Ein Grund für die Überschätzung sei auch, dass der Gewöhnungseffekt in Erwartungen oft nicht eingerechnet werde. "Die Gewöhnung relativiert die Lebenszufriedenheit. Sie wird von den Menschen zwar meist antizipiert, allgemein jedoch unterschätzt", erklärt Wirtschaftswissenschaftler Reto Odermatt von der Universität Basel. "Bei der Prognose der zukünftigen Zufriedenheit nach dem Umzug ins Eigenheim scheinen die Leute die Gewöhnung hingegen ganz außer Acht zu lassen." Entsprechend schätzten die Auskunftspersonen den mittelfristigen Mehrwert eines Eigenheims zu hoch ein.

Statusdenken macht zu optimistisch

Unterschiede gab es dennoch: "Es zeigte sich, dass vor allem statusorientierte Menschen, denen Geld und Erfolg besonders wichtig sind, den Zugewinn an Lebenszufriedenheit durch den Immobilienerwerb überschätzen. Intrinsisch orientierte Menschen, denen Familie und Freundschaften relativ wichtiger sind, hingegen nicht", erklärte der Wirtschaftswissenschaftler.

Das unterstreiche, dass Menschen mit ihren Entscheidungen nicht zwangsläufig ihren eigenen Präferenzen folgen, sondern vielmehr ihren – mitunter verzerrten – Vorstellungen der eigenen Präferenzen. Diese Vorstellungen sind womöglich durch äußere Faktoren beeinflusst, wie beispielsweise durch Sozialisierung, die Eltern oder Werte, die in der Werbung vermittelt werden. Mehr darüber zu wissen, wie derartige Einflüsse die persönlichen Einschätzungen und entsprechend die Entscheidungen beeinflussen, könne politisch hilfreich sein, um Manipulationen etwa seitens kommerzieller Akteure entgegenzuwirken, sagte Odermatt.

Wir wissen nicht zwingend, was gut für uns ist

"In der Ökonomie geht man allgemein von der Konsumentensouveränität aus. Dass wir also wissen, was gut für uns ist." Die Studie zeige aber, dass Menschen unter Umständen den Glücksfaktor einer Entscheidung falsch einschätzen und dadurch nicht zu ihrem Besten handeln.

Eigene Wertvorstellungen hinterfragen

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, lohnt es sich, die eigenen Wertvorstellungen zu hinterfragen, insbesondere, bevor man weitreichende Entscheidungen trifft. "Materielle Werte werden tendenziell überschätzt und führen eher zu Fehlprognosen. Intrinsische Werte scheinen daher ein besserer Kompass auf der Suche nach dem Lebensglück als extrinsische", bilanziert der Forscher.

Links/Studien

Reto Odermatt und Alois Stutzer
Does the Dream of Home Ownership Rest Upon Biased Beliefs? A Test Based on Predicted and Realized Life Satisfaction
Journal of Happiness Studies (2022),
https://doi.org/10.1007/s10902-022-00571-w

(kt)

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