Krebsforschung Brustkrebs bildet vor allem im Schlaf Metastasen

Bisher ging man davon aus, dass Tumore metastatische Zellen kontinuierlich freisetzen. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass zirkulierende Krebszellen, die Metastasen bilden, vor allem in der Schlafphase entstehen.

Illustration Brustkrebs
Mit etwa 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Entsprechend wichtig ist Forschung zu diesem Thema. Eine neue Studie beschäftigt sich mit der Entstehung von Metastasen und kommt zu dem Schluss, dass derartige Zellen vor allem im Schlaf entstehen. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Aber auch einige Männer sind betroffen. Weltweit erkranken etwa 2,3 Millionen Menschen pro Jahr an dieser Krebsart.
Wenn Brustkrebs früh genug erkannt wird, stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung recht gut. Sehr viel schwieriger wird es jedoch, wenn der Krebs bereits Metastasen gebildet hat. Eine Metastasierung liegt vor, wenn sich zirkulierende Krebszellen vom ursprünglichen Tumor lösen, über Blutgefäße durch den Körper wandern und in anderen Organen neue Tumore bilden.

Bislang hat sich die Krebsforschung kaum mit der Frage beschäftigt, zu welchen Zeitpunkten Tumore metastatische Zellen absondern. Man ging davon aus, dass das kontinuierlich geschieht. Eine neue Studie der ETH Zürich, des Universitätsspitals Basel und der Universität Basel kommt nun aber zu einem überraschenden Ergebnis: Zirkulierende Krebszellen, die später Metastasen bilden, entstehen vor allem während der Schlafphase der Betroffenen.

Circadiane Hormone steuern Metastasierung

Der circadiane Rhythmus (Schlaf-Wach-Rhythmus) des Menschen scheint also entscheidend zu sein. "Wenn die betroffene Person schläft, erwacht der Tumor", fasst Studienleiter Nicola Aceto, Professor für Molekulare Onkologie an der ETH Zürich, zusammen. Nicht nur, dass der Tumor nachts mehr zirkulierende Zellen bildet, sondern diese nächtlichen Zellen teilen sich auch schneller und haben daher im Vergleich zu zirkulierenden Zellen, die den Tumor tagsüber verlassen, ein höheres Potenzial, Metastasen zu bilden.

"Unsere Forschung zeigt, dass das Entweichen von zirkulierenden Krebszellen aus dem ursprünglichen Tumor durch Hormone wie Melatonin gesteuert wird, die unseren Tag- und Nachtrhythmus bestimmen", sagt Zoi Diamantopoulou, Hauptautorin der Studie.

Diagnose auf Tumor abstimmen

Brustkrebszelle, Gewebeschnitt
Gewebeschnitt einer Brustkrebszelle Bildrechte: IMAGO

Die Studie lässt also auch vermuten, dass der Zeitpunkt der Entnahme von Tumor- oder Blutproben für die Diagnose den Befund beeinflussen kann.
Es war eine zufällige Entdeckung, die die Forscher auf die richtige Spur brachte: "Einige meiner Kollegen arbeiten frühmorgens oder spätabends, manchmal analysieren sie auch Blutproben zu ungewöhnlichen Zeiten", sagt Nicola Aceto. Die Wissenschaftler waren überrascht, als sie feststellten, dass die zu verschiedenen Tageszeiten entnommenen Proben sehr unterschiedliche Mengen an zirkulierenden Krebszellen aufwiesen.

Ein weiterer Hinweis war die überraschend hohe Anzahl von Krebszellen, die bei Mäusen im Vergleich zu Menschen pro Bluteinheit gefunden wurde. Der Grund dafür war, dass Mäuse als nachtaktive Tiere tagsüber schlafen, also zu einer Zeit, in der die Wissenschaftler die meisten ihrer Proben sammeln. "Unserer Ansicht nach könnten diese Ergebnisse darauf hinweisen, dass medizinisches Fachpersonal die Zeit, zu der es Biopsien durchführt, systematisch aufzeichnen sollte", sagt Aceto. "Das könnte dazu beitragen, die Daten wirklich vergleichbar zu machen."

Auswirkungen auf Therapien?

Als nächstes wollen die Schweizer Forscherinnen und Forscher herausfinden, wie diese Erkenntnisse in bestehende Krebsbehandlungen integriert werden können, um die Therapien zu optimieren. In weiteren Studien will Nicola Aceto untersuchen, ob sich andere Krebsarten ähnlich verhalten wie Brustkrebs und ob es einen Unterschied in der Therapie macht, zu welchem Zeitpunkt die Patienten behandelt werden.

Links/Studien

Z. Diamantopoulou, N. Aceto et al.: "The metastatic spread of breast cancer accelerates during sleep", erschienen in "Nature"

(rr)

T-Zelle 3 min
Bildrechte: HZDR / Sahneweiß / Kjpargeter, Freepik
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