MDR KLIMA-UPDATE | 4. MĂ€rz 2022 Es gibt Hoffnung. đŸ„Š

Aber bald ist es nicht mehr noch nicht ganz zu spÀt.

Mann mit bart, runder schwarzer Brille, schwarzem Pullover, schwarzem Basecap
Bildrechte: MDR

Es ist noch nicht alles verloren, das können Sie uns glauben. Und selbst der Weltklimarat IPCC sagt das. Aber es muss endlich losgehen, Klima, Mensch und Natur als ein großes Ganzes zu denken. Wenn das nur gerade so einfach wĂ€re.

GrĂŒne FĂ€che mit leichtem Verlauf. Schriftzug "MDR Klima-Update"
Bildrechte: MDR WISSEN

Liebe Lesende,

musste grad an Brokkoli denken, seines Zeichens ein tendenziell gesundes Nahrungsmittel mit einer schönen Farbe. Also 
 das nur so.

Oder wie wĂŒrden Sie diesen Newsletter in dieser Woche beginnen? Ich habe – ehrlich gesagt – keine Ahnung. Was soll man auch sagen, was nicht schon gesagt ist. Außer vielleicht, dass das, was gerade die Nachrichten dominiert, in allerlei Hinsicht auch ein Klima-Thema ist. Dazu spĂ€ter mehr.

Ich wollte diesen Newsletter eigentlich mit dem Satz "Bald ist es nicht mehr noch nicht ganz zu spĂ€t" ĂŒberschreiben. Mittwochmorgen beim ZĂ€hneputzen kam mir dann so in den Sinn, dass man besser daran tĂ€te, ein bisschen Hoffnung anbei zu senden. đŸ„ (Kiwi. Auch gut.) Denn eigentlich wissen wir ja, dass es mit dem Handeln gegen die ErderwĂ€rmung fast schon zu spĂ€t ist. Aber fast heißt nicht komplett zu spĂ€t, das unterstreicht der – bitte kurz festhalten, SatzungetĂŒm – zweite Teil des Sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC, der am Montag veröffentlicht wurde.

💡 Wir erinnern uns kurz: Der IPCC-Bericht ist der wissenschaftliche Goldstandard, wenn es um Forschung zum Klimawandel geht. Ich lese in der Veröffentlichung verschiedene Kernbotschaften. Fangen wir mal mit der ersten an:

1ïžâƒŁ Es gibt noch Handlungsspielraum.

Dazu möchte Ihnen erstmal eine Grafik zeigen, die ich mir vom IPCC entliehen und etwas vereinfacht habe:

Grafik zeigt verschiedene Wege im Stil von Pfaden mit Stellschrauben, wie durch Maßnahmen eine Erholung des Klimas bis 2100 erreicht werden können. Einige Wege sind schon verpasst. Bei zu spĂ€tem Handeln kann sich das Klima immer schlechter erholen. Störfaktoren wie Klimaereignisse oder Pandemien können die Wege beeinflussen.
Bildrechte: IPCC/MDR WISSEN

Sagen wir es mal so: Viele Wege fĂŒhren zu einer Erholung des Klimas. Die Frage ist nur, wann wir endlich die notwendigen Hebel in Bewegung setzen und was schließlich am Ende rausspringt. Wir mĂŒssen bis zum Ende des Jahrhunderts definitiv mit einer ErwĂ€rmung der Erde rechnen (und den entsprechenden Folgen). Um das gĂ€nzlich zu verhindern, haben wir zu viele Chancen verpasst. Aber diese ErwĂ€rmung wird zu bewĂ€ltigen sein, sofern wir jetzt an den richtigen Stellschrauben und -schrĂ€ubchen drehen. Allen voran die massive Reduktion von CO2 und anderen Treibhausgasen.

Das Modell zeigt, dass sich aufgeschobenes Handeln auch auf den maximal möglichen Erfolg im Kampf gegen den Klimawandel auswirkt. Und, so ehrlich ist die Grafik: Unvorhersehbare Ereignisse können jeden eingeschlagenen Pfad außer Kontrolle bringen. Dazu zĂ€hlen durch den Klimawandel verursachte Katastrophen genauso wie andere Krisen – z.B. die Covid-19 Pandemie und der Krieg Russlands gegen die Ukraine.

Wichtig ist, dass die Maßnahmen nicht irgendwann, sondern jetzt passieren. Maßnahmen, die den Klimaschutz betreffen, aber auch solche zur Anpassung an die neuen Gegebenheiten. đŸ«’

(Mögen Sie auch so gern Oliven?)

2ïžâƒŁ Anpassung und Gegenmaßnahmen mĂŒssen Hand in Hand gehen.

Die Grafik oben und die generelle Festlegung auf das 1,5-Grad-Ziel zeigen, dass wir eine ErderwĂ€rmung grundsĂ€tzlich nicht verhindern können. Es geht demnach nicht nur darum, das Schlimmste zu verhindern. Sondern wir mĂŒssen auch lernen, mit wĂ€rmerer Temperaturen und den Folgen umzugehen, zum Beispiel mit dem steigenden Meeresspiegel.

Die Niederlande etwa liegen bekanntlich zu grĂ¶ĂŸeren Teilen unterhalb des Meeresspiegels. Im Nordosten Amsterdams ist zum Beispiel zu beobachten, dass man beginnt, mit dem Wasser zu leben, statt es zu verhindern. Das geht freilich nur in begrenztem Umfang. Dennoch zĂ€hlt zum Klimawandel die Überlegung, welche LebensrĂ€ume wir weiter nutzen können und welche wir aufgeben mĂŒssen. Okay, leicht gesagt – und erklĂ€ren Sie das mal der Bevölkerung eines Inselstaates, die am Ende nicht mal was fĂŒr den steigenden Meeresspiegel kann.

Auch unsere StĂ€dte werden sich verĂ€ndern mĂŒssen. GrĂŒne StĂ€dte, grĂŒne Architektur, genug Frischluft. Denn gerade Ballungszentren sind von Hitzerisiken besonders betroffen. Besonders in den dicht besiedelten Gebieten Europas wird das ein zunehmendes Problem mit Wasserknappheit und deutlich steigenden Zahlen von Hitzeopfern. Damit zum dritten Punkt.

3ïžâƒŁ Der Klimawandel ist auch vor unserer HaustĂŒr ein dickes Ding.

Hier mal noch eine Grafik, die ganz spannend fĂŒr Sie sein könnte:

Grafik zeigt vier Karten von Europa und die deutliche Zunahme von Hitzetagen höher gleich 35 Grad bei einer ErwĂ€rmung von 1,5 Grad und insbesondere 3 Grad – besonders in dicht besiedelten Regionen. Außerdem eine Zunahme des Maximum-Tagesniederschlags, bei 1,5 Grad besonders im Norden und Osten Deutschlands, bei 3 Grad in weiten Teilen Europas.
Bildrechte: IPCC/MDR WISSEN

Wir mĂŒssen hier nicht ins Detail gehen, um zu erkennen, dass auf dem Kontinent insbesondere unsere Breiten von der Klimakrise betroffen sind. Schon jetzt erwĂ€rmt sich Europa schneller als der globale Durchschnitt. Anders als in vielen anderen Ecken der Erde stehen uns deutlich mehr Ressourcen zur VerfĂŒgung, der ErderwĂ€rmung zu begegnen. Die mĂŒssen wir auch dringend nutzen, schließlich ist der Großteil der Treibhausgasemissionen nicht auf den globalen SĂŒden zurĂŒckzufĂŒhren, sondern auf die Industriestaaten, die da seit Jahrzehnten weitestgehend in Saus und Braus leben.

4ïžâƒŁ Es ist alles eins.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das beste Rezept gegen eine unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohe ErwĂ€rmung der Erde ist eine intakte Natur. So ist die BiodiversitĂ€tskrise – Stichwort Artensterben – und der RĂŒckgang von RĂ€umen fĂŒr Ökosysteme auch eine Klimakrise. Und andersrum. Im aktuellen Bericht mahnt der Weltklimarat, solche Krisen mehr zusammen zu denken und nicht in ihren einzelnen Silos getrennt voneinander zu betrachten.

Die RĂŒckkehr zur NatĂŒrlichkeit ist auch das, was uns u.a. helfen wird, uns an die klimatischen VerĂ€nderungen anzupassen. Nachhaltige StĂ€dte mit grĂŒnen Fassaden und genug frischer Luft sind schon mal ein guter Anfang.

đŸ„’ (Eine saftige Gurke. Nicht schlecht.)

👓 Weiterlesen:

Und der Krieg?

Russlands militĂ€rische Invasion der Ukraine wirkt nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt – wobei an dieser Stelle festzuhalten ist, dass Krieg immer und ĂŒberall zu einem schlechten Zeitpunkt kommt. Die Menschheit hat mit der Covid-19-Pandemie und dem Klimawandel gerade andere existenzielle Probleme. Und so wird sich dieser durch nichts zu rechtfertigende Krieg wie auch die Pandemie negativ auf die BekĂ€mpfung der Klimakrise auswirken. Der Klimaforscher Hans-Otto Pörtner ist Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe II des 6. IPCC-Berichts – er geht von einer Verzögerung durch den Konflikt in der Ukraine aus. Und bringt es auf den Punkt:

Es kann nur kontraproduktiv sein, die nationalen Ressourcen in die Verteidigung zu stecken.

Es geht aber auch um Aufmerksamkeits-Ressourcen. Bestes Beispiel dafĂŒr ist die Nachrichtenlage am Montag: Die Veröffentlichung des Berichts war in vielen Medien nur eine Randnotiz – auch auf mdr.de – und wenn ĂŒberhaupt, dann eine Push-Mitteilung von vielen auf den Sperrbildschirmen der Smartphones. Der Fokus lag (verstĂ€ndlicherweise) komplett woanders und die mehr als deutliche Botschaft des Berichts hat es kaum geschafft, das ihr zustehende Maß an Mindestaufmerksamkeit zu erreichen.

Ähnliches gilt fĂŒr die Jahrhundertflut im SĂŒdosten Australiens 🇩đŸ‡ș – nach den WaldbrĂ€nden 2019/2020 eine weitere große Katastrophe, die durch die Dominanz eines sinnlosen Krieges kaum Aufmerksamkeit erfĂ€hrt – und auch in diesem Newsletter nur eine Randnotiz ist, siehe unten.

Gleichzeitig wird darĂŒber diskutiert, wie sicher Deutschlands Energieversorgung ohne russisches Gas- und auch Öllieferungen ist. Und ob es denn nicht eine gute Idee wĂ€re, den Kohleausstieg zu vertagen und die ausgemusterten AKWs wieder hochzufahren bzw. lĂ€nger laufen zu lassen. (Das halten selbst die Betreiber fĂŒr unklug.)

Möglicherweise fĂŒhrt die Russland-Krise aber dazu, dass der Spieß umgedreht wird: eine politisch unabhĂ€ngige und gleichzeitig zukunftsfĂ€hige Energieversorgung kann nur durch erneuerbare Energien passieren. Deren Ausbau könnte jetzt deutliche Beschleunigung erfahren, so auch die Auffassung von Expertinnen und Experten, eben weil bei Sonnen- und Windkraft beschleunigtes Handeln möglich ist (anders als bei Kernkraftwerken).

🎓 Das sagt der Experte:

Wir haben den Umwelt- und BiodiversitĂ€tsforscher Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum fĂŒr Umweltforschung in Leipzig-Halle gebeten, uns eine EinschĂ€tzung zum neuen Teil des Weltklimaberichts zu notieren. Darin unterstreicht Herr Settele die Aussagen des Berichts, u.a. dass Mensch, Klima und Natur nicht voneinander getrennt gedacht werden dĂŒrfen. Und spricht dabei einen wichtigen Punkt an:

Mann mit kĂŒrzeren grauen Haaren, grauem Schnauzbart, Brille, karietem Hemd und Weste blockt neutral-freundlich in die Kamera, dunkler unscharfer Hintergrund.
Prof. Dr. Josef Settele Bildrechte: Sebastian Wiedling/UFZ

Die Bevölkerung muss sich also zu VerĂ€nderungen bekennen, deren Erfolge sie selbst nicht mehr mitbekommt – ein Grunddilemma prĂ€ventiver Vorgehensweisen."

Na dann, gehen wir das Dilemma mal an, was?


📰 Was sonst noch so los war

  • 🌡 Der Winter 2021/2022 war zu warm – und ist der elfte in Folge. So lagen die Temperaturen im Schnitt 3,1 Grad ĂŒber denen des langjĂ€hrigen Mittels bzw. 1,9 Grad ĂŒber dem Mittel ab 1990. Die höchste Temperatur erreichte Rheinfelden im SĂŒdwesten Baden-WĂŒrttembergs am 4. Januar mit 18,2 Grad – die niedrigste wurde im bayerischen Oberstdorf mit -19,2 Grad am 22. Dezember gemessen. Alle Infos beim DWD.
  • ⛜ Biokraftstoffe seien umweltschĂ€dlicher als herkömmlicher Sprit – zu dieser Feststellung kommt eine Studie, die die Deutsche Umwelthilfe in Auftrag gegeben hat. Sie fordert einen sofortigen Ausstieg. Grund sei der hohe FlĂ€chenverbrauch. Der Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie weist das zurĂŒck. HintergrĂŒnde hat die tageszeitung.
  • 🐹 Australien hat in zwei BundeslĂ€ndern den GefĂ€hrdungsstatus von Koalas auf "bedroht" gesetzt. U.a. durch den Klimawandel begĂŒnstigte Katastrophen haben der Population schwer zugesetzt. Offiziellen Zahlen zufolge hat sich die in den vergangenen Jahren mehr als halbiert. Mehr gibt's bei der Deutschen Welle.
  • 🌊 Unterdessen breitet sich die Flutkatastrophe im SĂŒdosten Australiens weiter aus. Australiens OstkĂŒste erlebt die schlimmsten Überflutungen seit Menschengedenken, so die tagesschau. Bereits zehntausende Menschen mussten sich in Sicherheit bringen. Nun bedroht das Wasser den Großraum Sydney.


👋 Zum Schluss

Essen Sie grĂŒnes Obst und GemĂŒse. Es hĂ€lt gesund und macht hoffnungsvoll. 🍐

Und passen Sie auf sich und die Welt auf.

Herzlich
Florian Zinner


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