MDR KLIMA-UPDATE | 18. Februar 2022 Winterwind um nichts? 💹🧐 Nicht beim IPCC!

Mann mit bart, runder schwarzer Brille, schwarzem Pullover, schwarzem Basecap
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WĂ€hrend das stĂŒrmische LĂŒftchen dieser Tage mal ausnahmsweise kein Klimaextrem ist, steht schon der nĂ€chste Sturm an: Ende des Monats ergĂ€nzt der Weltklimarat seinen Sachstandsbericht. – Außerdem: Klimawandel, Gesellschaftswandel und wie das zusammenhĂ€ngt.

Schriftzug "Das MDR Klima-Update" und HĂŒgel im Nebel mit dezenten WindrĂ€dern, warmes Licht
Bildrechte: imago/Addictive Stock, MDR

Liebe Lesende,

ich ziere mich grad ein bisschen, den großen Zeh und das vordere Ende der Nasenspitze vor die TĂŒr zu stecken. Mit Verlaub, es wirkt ungemĂŒtlich, dieses himmlische Kind. 🌬 Nicht ein OrkĂ€nchen, nicht zwei WinterstĂŒrme, sondern gleich eine turbulente Dreierkette zieht in diesen Tagen ĂŒber die Republik und die ĂŒbliche Frage liegt auf der Hand: Klimawandel?

Nein. Sagt zumindest der DWD. Warum, das hat meine Kollegin Kristin Kielon hier erfragt. Und so gehört zu einer ausgewogenen Klimaberichterstattung – Marcel Roth hat das ja vergangene Woche mit Ihnen durchgekaut – auch eine ehrliche Entwarnung, sofern es die Gegebenheiten zulassen. Ein VerschnaufpĂ€uschen sozusagen. Deshalb, ohne Ihnen die Laune verderben zu wollen, am besten gleich zurĂŒck zum Eingemachten:

Karte zeigt verschiedene GroßstĂ€dte in Mitteldeutschland und eine Erhöhung des Jahresdurchschnittstemperatur bis 2099 um mehr als fĂŒnf Grad. Beispiele: Leipzig 9,2 auf 14,5, Erfurt 8,2 auf 13,5
Mitteldeutschland: Maximum-Erhöhung beim Weiter-wie-bisher-Szenario Bildrechte: MDR/Florian Zinner

Warum quĂ€le ich sie an dieser Stelle mit den bitteren Klimaaussichten fĂŒr Mitteldeutschland, im schlimmsten aller FĂ€lle und wenn wir weitermachen wie bisher? Sehen Sie es als Einstimmung auf das, was möglicherweise Ende Februar kommt. Dann veröffentlicht der Weltklimarat IPCC den zweiten Teil seines 6. Sachstandsbericht. Das ist nicht irgendwas. Sondern state of the art der Klimaforschung und keine alltĂ€gliche Veröffentlichung.

Ich muss Ihnen das aber nicht erzĂ€hlen, weil es meine Kollegin Johanna Daher bereits notiert hat. Darin sammelt sie auch die Expertise ein, was von dem Papier am 28. Februar zu erwarten ist. Zum Beispiel, dass der Bericht schonungsloser denn je zeigen wird, wie sich unsere Welt bereits verĂ€ndert hat und verĂ€ndern wird. Und auch kleinteiliger denn je – moderne Klimamodelle machen's möglich. Womit wir wieder bei Mitteldeutschland wĂ€ren, denn so recht glauben können wir's vielleicht erst, wenn in unseren Landen die Subtropen anklopfen. đŸšȘđŸŒ”

Nicht falsch verstehen: Die Damen und Herren vom Weltklimarat erzĂ€hlen uns nicht, was wir zu tun haben, sondern nur, wie die Lage ist. Das Handeln ĂŒberlassen sie uns – der Politik, der Wirtschaft und jeder und jedem einzelnen. Mhm 
 kann es denn vielleicht sein, dass es zwischen Klima und Gesellschaft messbare politische und soziale ZusammenhĂ€nge gibt? Okay, erwischt, rhetorische Frage.

đŸ—łđŸ„” Was das Klima mit der Gesellschaft macht – und umgekehrt

Klimawandel und -krise beeinflussen zum Beispiel das Wahlverhalten. Gut, mag wie eine Binse klingen. Aber sie wissen ja, wie das mit der Wissenschaft so ist: Nur, weil in den vergangenen Jahren grĂŒne Parteien bei den Bundestags- und Landtagswahlen ordentlich zugelegt haben und gleichzeitig das Klima stĂ€rker ins öffentliche Bewusstsein gerĂŒckt ist, muss da lĂ€ngst kein kausaler Zusammenhang bestehen. Tut es aber. Das legen zumindest Forschende im Fachblatt Nature Climate Change nahe:

  • Der Studie liegen hoch aufgelöste europĂ€ische Umfrage- und Wahldaten zugrunde, die das Klimabewusstsein und den Stimmenanteil fĂŒr grĂŒne Parteien der letzten zwei Jahrzehnte abbilden
  • In 34 LĂ€ndern hat sich das Interesse an Umweltfragen und in 24 LĂ€ndern der Stimmenanteil grĂŒner Parteien erheblich erhöht
  • Auslöser dafĂŒr seien z.B. Temperaturanomalien, Hitzeepisoden und Trockenperioden Interessanterweise ist der Effekt in Regionen mit einem gemĂ€ĂŸigten atlantischen oder kĂŒhlen kontinentalen Klima ausgeprĂ€gter als in Gebieten mit einem wĂ€rmeren mediterranen Klima
  • Außerdem stellten die Forschenden fest: UnterstĂŒtzung fĂŒr den Klimaschutz auf Grund von Extremwetterereignissen gibt es dort, wo auch das Einkommen höher ist

☝ Warum das wichtig ist:
Bestimmte Richtlinien und Maßnahmen sorgen (wahrscheinlich) fĂŒr ein bestimmtes Abmildern des globalen Temperaturanstiegs und das Ausbleiben solcher Maßnahmen fĂŒhrt in eine Katastrophe. Das ist zwar ein mitunter lösungsorientierter Ansatz, aber spannend ist ebenfalls die Frage, was ĂŒberhaupt erst zu den Maßnahmen fĂŒhrt.

  • Forschende legen im Fachblatt Nature nahe, wie wichtig es ist, die Wechselwirkung zwischen Klima und Gesellschaft zu berĂŒcksichtigen
  • Diese sind sehr komplex und bestehen aus einem Zusammenspiel zwischen sozialen, politischen, wirtschaftlichen und technischen Systemen
  • Zu diesem Schluss kommt das Forschungsteam nach der Analyse von 100.000 möglichen Wegen, die Politik und Emissionen nehmen könnten
  • Die Forschenden zeigen auch, dass verschiedene Faktoren einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung von Treibhausgasemissionen haben – also Stellschrauben, die es im Blick zu haben lohnt, z.B. die Wahrnehmung des Klimawandels durch die Öffentlichkeit, die Kosten und Wirksamkeit von Technologien zur Emissionsverminderung und die ReaktionsfĂ€higkeit politischer Institutionen

đŸ€” Klingt vielleicht etwas verkopft, aber sehen Sie es einfach so: Wenn wir wissen, welche gesellschaftspolitischen Faktoren ein Abmildern des Klimawandels auf welche Weise beeinflussen, können wir ihm viel besser entgegenwirken. Dazu zĂ€hlt eben nicht nur das Wahlverhalten, sondern auch, was ein politisches System dann daraus macht. Oder wie sich unser Wahlverhalten auch in unserem tatsĂ€chlichen Alltagsverhalten widerspiegelt.


Wie unterschiedlich politische Bestrebungen im Sinne des Klimaschutzes sein können, hat bereits das noch junge Jahr gezeigt. FĂŒr die EU-Kommission ist Atomkraft fortan grĂŒne Energie (wir erinnern uns). Trotz Zweifel in Fachkreisen ist das ganz im Sinne von Staaten wie Frankreich, LĂ€nder wie Deutschland und Österreich sehen das anders. Ein paar US-Forschende stellen sich jetzt auf die Pro-AKW-Seite:

Dem Forschungsteam zufolge kann Kernkraft einen wichtigen Beitrag leisten, die CO2-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts auf null zu senken. Zur Einordnung ist zu sagen: Hier ist die Rede von einer Generation Reaktoren, die so noch gar nicht existieren. Denn selbst die neuesten Reaktoren am Markt eigenen sich nicht fĂŒr eine Energiewende. Und natĂŒrlich: Wie der radioaktive MĂŒll entsorgt werden soll, ohne BĂŒrde und ĂŒbles MĂŒhsal spĂ€terer Generation zu werden, weiß auch noch niemand.

Ob man der Kernkraft ihre Sinnhaftigkeit nun abspricht oder nicht – fĂŒr alle Seiten ist klar, dass die Zukunft nicht fossil-energetisch sein wird. Gilt auch in der MobilitĂ€t. Gerade Elektroautos hatten in der Vergangenheit aber fĂŒr Zwietracht gesorgt, weil ihre klimapositive Wirkung fraglich erschien. Neueste Daten sehen die Batteriewagen aber klar im Vorteil:


📰 Was sonst noch so los war

  • 💾 Luftverschmutzung geht so langsam ins Geld der Unternehmen, die sie verursachen – eine Tonne CO2-Ausstoß kostet jetzt an der in Leipzig ansĂ€ssigen EuropĂ€ischen Energiebörse EEX erstmals hundert Euro. Anfang 2021 waren es noch gut dreißig Euro. Mehr hat die tageszeitung bei Instagram.
  • 🚂 Schienenverkehr sollte, wenn möglich, elektrisch abgehalten werden. Aber in Deutschland gibt es nach wie vor LĂŒcken, die den Einsatz von Dieselfahrzeugen notwendig machen. Die Deutsche Bahn möchte bis 2040 allerdings Diesel als Brennstoff abschaffen und stattdessen auf Biokraftstoffe setzen. Eine Zusammenfassung gibt's bei BR24.
  • 🏛 Die bisherige Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan ist als Sonderbeauftragte fĂŒr internationale Klimapolitik ins AuswĂ€rtige Amt berufen worden. Die US-Amerikanerin begleitet damit ein neues Amt, das als eine Art Klima-Chefdiplomatin fĂŒr Deutschland zu verstehen ist. Infos bei der tagesschau.


👋 Zum Schluss

So, im Grunde haben Sie es geschafft fĂŒr diese Woche. Außer, es interessiert sie noch, was man aus Touristen-Pipi so machen kann. DĂŒnger. Und Bier. Und dann wieder 
 was halt nach dem Bierdurst so kommt. Die schwedische Insel Gotland macht den Urin-Kreislauf vor und könnte damit bis zu 47 Prozent Treibhausgase sparen. Den Link finden Sie unten.

Bleiben Sie standfest, auch im Winterwinde. Und passen Sie auf sich und die Welt auf.

Herzlich
Florian Zinner


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